Wahlen mit bekanntem Ausgang - mit Infografik

27. Februar 2008, 19:18
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In Russland endet Frist für Anmeldung zur Präsidentenwahl - Fünf Kandidaten - Der Sieger steht jedoch bereits fest: Medwedew

Nachdem die Parlamentswahlen im Dezember die Zweidrittelmehrheit für die Kreml-nahe Partei „Einiges Russland“ gebracht haben, werden in Russland soeben die letzten Formalitäten für die Präsidentschaftswahlen am 2. März abgewickelt. Am Mittwoch läuft die Frist aus, innerhalb derer sich die parteilosen, selbsternannten Kandidaten registrieren können. Von ihnen werden zwei Millionen Unterstützungsunterschriften verlangt.

Bis zuletzt haben sich sowohl Ex-Premier Michail Kasjanow als auch der bisher unbekannte Andrej Bogdanow darum bemüht. Dass die Unterschriften von der Zentralen Wahlkommission auch als tadellos und ungefälscht anerkannt werden, ist längst nicht ausgemacht. Gerade der von der liberalen Opposition unterstützte Kasjanow, der gegen die jetzige „KGB-oligarchische Staatsordnung“ wettert, ist als Mann der alten Jelzin-Garde unter den jetzigen Machthabern verpönt und wird tunlichst ausgebremst. Chancen hätte er ohnehin nur auf wenige Prozentpunkte gehabt, nicht viel mehr als etwa der Sowjetdissident Wladimir Bukowski oder der Bürgermeister der nordrussischen Stadt Archangelsk, Alexandr Donskoj. Beide wurden nicht zur Wahl zugelassen, Letzterer aus fadenscheinigen Motiven zudem über Monate hinter Gittern gehalten.

Der Kreml-Liebling

Nach menschlichem Ermessen bleiben also jene drei Kandidaten im Rennen, die über ihre Parteien registriert worden sind: Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, der chauvinistische Rabauke Wladimir Schirinowski – und Dmitri Medwedew. Ihn hat Putin ja, der selbst kein drittes Mal kandidieren darf, als seinen Nachfolger vorgestellt. Und ihn wird die Mehrzahl des Volkes auch wählen.

Der 42-jährige Jurist aus St. Petersburg, den Putin als loyalen Adlatus die Karriereleiter hochzog, wird allmählich in seiner neuen Rolle präsentiert. Beim Weihnachtsgottesdienst wurde er vom Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Alexi II., medienwirksam gesegnet: „Möge das Licht des Sterns von Bethlehem Ihren Lebensweg beleuchten.“

Medwedew fehlt die Souveränität

Noch hat Medwedew nicht die Souveränität für den Auftritt als Staatschef. Um das Volk an ihn zu gewöhnen, wurde er laut einer Studie der Zeitung Wedomosti im Dezember viermal so oft im Fernsehen gezeigt wie seine Konkurrenten. Dabei hat der Wahlkampf offiziell noch gar nicht begonnen.

Das Volk hat Medwedew ohnehin schon akzeptiert. Manche Umfragen verheißen ihm gar 79 Prozent. Die zwei Drittel, die ihn laut dem unabhängigen Institut „Lewada-Center“ wählen werden, verbinden mit ihm die Entwicklung „auf dem Weg der Demokratie“. Ungewöhnliche 23 Prozent der Befragten sehen ihn auch als Vertreter der – erst entstehenden – Mittelschicht.

Die große Unbekannte ist also nicht der Wahlausgang, sondern die künftige Form der Staatsführung. Putin selbst scheint ja auf den Premiersessel zu wechseln und würde als bisheriger Zar fortan unter seinem Schützling dienen. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Printausgabe 16.1.2008)

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    Der Sieger der Präsidentenwahl steht fest - die große Unbekannte ist also nicht der Wahlausgang, sondern die künftige Form der Staatsführung. Putin selbst scheint ja auf den Premiersessel zu wechseln und würde als bisheriger Zar fortan unter seinem Schützling dienen.

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