Ein Jahr Tiergarten-Chefin: "Da gehört schon auch Glück dazu"

14. Jänner 2008, 20:38
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Neue Attraktionen, wetterabhängige Besucherrekorde und Nesthocker im Panda-Gehege - Dagmar Schratter, Zoo-Direktorin, im DER STANDARD- Interview

Standard: Als Sie vor einem Jahr die Leitung des Schönbrunner Tiergartens übernommen haben, sagten Sie, die große Verantwortung, die jetzt auf Ihnen laste, bereite Ihnen Bauchweh. Ist das mulmige Gefühl in der Magengegend inzwischen verschwunden?

Schratter: Ja, es ist verschwunden. Allerdings schläft man natürlich nicht mehr so gut wie vorher. Aber ich habe ein sehr gutes Jahr hinter mir, besuchermäßig und von den Nachzuchten her, das Team steht noch immer hinter mir, das alles hilft sehr dabei, den Job zu ertragen.

Standard: Sie haben sich bei Amtsantritt auch vorgenommen, mehr Gewicht auf die heimische Tierwelt zu legen und nicht mehr nur die großen Exoten in den Mittelpunkt zu stellen. Das Panda-Baby und die Eisbären-Zwillinge haben Ihnen da allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Schratter: Das ist natürlich richtig. Andererseits hat ein Zoo die Aufgabe, Emotionen zu wecken. Und Tiere wie Eisbären und Pandas berühren die Leute emotional einfach mehr als etwa Frösche. Aber im Schlepptau von Eisbär und Co kann man zum Beispiel auch darauf aufmerksam machen, wie wichtig Amphibienschutz ist. Und wir arbeiten ja sehr intensiv mit der heimischen Tierwelt. Im Mai werden wir den Mittelteil des geplanten Naturerlebnispfades eröffnen. Derzeit wird an drei großen Aquarien für heimische Fische gebaut.

Standard: Ihr Vorgänger Helmut Pechlaner war ein ausgezeichneter Spendensammler. Konnten Sie da in seine Fußstapfen treten?

Schratter: Wir haben im letzten Jahr sehr gut gewirtschaftet und dank ein paar größerer Hinterlassenschaften können wir auch mit dem Bau des zweiten Teils des Naturlehrpfades, der sich mit dem Thema Wald beschäftigen wird, beginnen. Außerdem konnten wir den Besucherrekord von 2006 noch einmal toppen. Circa 2,4 Millionen Menschen waren letztes Jahr im Tiergarten. Dadurch haben wir eine hundertprozentige Selbstkostenabdeckung. Da gehört schon auch ein bisschen Glück dazu, der milde Winter hat viel dazu beigetragen. Denn wir sind sehr wetterabhängig. Im September 2007 hatten wir zum Beispiel geringere Besucherzahlen als 2006 – trotz Panda.

Standard: Apropos Panda: Wann wird Fu Long endlich aus der Wurfbox herauskommen?

Schratter: Also ich traue mich da überhaupt nichts mehr sagen. Wir haben da schon so oft daneben gehauen. Fu Long verbringt schon viel Zeit außerhalb der Wurfbox, vor allem nachts hält er sich im kleineren Absperrgehege auf. Tagsüber geht er dann aber wieder in seine Kiste zurück und schläft. Wir halten jetzt auch schon seit einiger Zeit durchgehend die Tür zur Innenanlage offen, die für die Besucher einsehbar ist. Offensichtlich ist ihm das aber zu hell oder zu groß, wir wissen es nicht. Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten. Und obwohl wir selber schon sehr ungeduldig sind, werden wir ihn nicht drängen und ihn nicht heraussetzen.

Standard: Im Nürnberger Tiergarten hat man einer Eisbären-Mutter gerade ihr Junges weggenommen, weil man Angst hatte, sie könnte es verletzen. Sind die Wiener Eisbären-Zwillinge in Sicherheit?

Schratter: Ja. Wie es im Moment ausschaut, sind sie nicht nur sicher, sie entwickeln sich auch bestens. (Martina Stemmer/ DER STANDARD, Printausgabe, 15. Jänner 2008)

ZUR PERSON:

Die in Klagenfurt geborene Zoologin Dagmar Schratter (54) ist seit Jänner 2007 Chefin des Schönbrunner Tiergartens.

  • Dagmar Schratter hat gut lachen: 2007 war besucher-mäßig ein Rekordjahr. Der Panda- und Eisbärennachwuchs könnte heuer noch mehr Menschen nach Schönbrunn locken.
    foto: der standard/ heribert corn

    Dagmar Schratter hat gut lachen: 2007 war besucher-mäßig ein Rekordjahr. Der Panda- und Eisbärennachwuchs könnte heuer noch mehr Menschen nach Schönbrunn locken.

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