Kampf gegen bitteren Beigeschmack

12. Februar 2008, 13:49
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Der Anbau von Ananas in Costa Rica boomt - Umweltorganisationen üben heftige Kritik

San José - Mit einer Ananas ist nicht zu spaßen. Ihre Blätter sind scharf wie Messer, die stachelige Blüte hinterlässt auf der Haut Kratzer und Wunden. Ein Mix aus Pestiziden sorgt alle 14 Tage dafür, dass die Früchte gleichzeitig reifen und Schädlinge fern bleiben. In dieser Zeit warnen Schilder vor dem Betreten der riesigen Felder.

Sieben Frauen schieben sich dick vermummt durch die Plantagen. Das Förderband vor ihnen gibt das Tempo vor, kurze aber heftige Regengüsse durchbrechen die sengende Hitze.

Die Frauen arbeiten auf der Ananasfarm El Muelle in San Carlos in Costa Rica. Die grünen Felder erstrecken sich über eine Fläche von knapp 770.000 Hektar; sie gehören seit 2003 Dole. Der US-Fruchtriese zählt hier 750 Arbeiter. 43 Prozent von ihnen kommen aus Nicaragua. Es sei kein leichter Job, "aber wir geben den Leuten über das ganze Jahr Arbeit", sagt Rosny Chacon, einer der Betreuer der Farm, während er mit dem Jeep über den Feldweg rumpelt. El Muelle sei eines der modernsten Ananasanbaugebiete Costa Ricas, betont sein Chef Richard Toman später vor geladenen Journalisten. Der stämmige Kanadier ist gelernter Finanzanalyst, sein Vater kam aus der Landwirtschaft.

Er berichtet von den Zertifikaten, die El Muelle erreicht habe, spricht von Qualitätskontrollen und Sicherheitsvorkehrungen. Dole habe Bäume gepflanzt, bilde die Mitarbeiter gut aus und wolle mehr soziale Verantwortung übernehmen. Sein Ziel sei, diese Standards auf andere Farmen zu übertragen."Wir sind nicht perfekt, aber wir arbeiten daran."

Der Tageslohn der Mitarbeiter liege bei 18 Dollar, gearbeitet werde an sechs Tagen die Woche. Maschinen sind bei der Ananasproduktion kaum im Einsatz, auch gepflanzt wird händisch. Vis-à-vis beugt sich, verborgen unter einer großen Sonnenkappe, ein Arbeiter über das Feld. 5000 bis 6000 Setzlinge schafft er täglich.

Costa Rica erlebt einen Ananasboom. Die Anbauflächen haben sich seit 2000 verdreifacht. Die Frucht hat sich zu einem der wichtigsten Devisenbringern des Landes entwickelt und Costa Rica zum größten Ananasexporteur der Welt. Dole hat das Geschäft fest in der Hand. Neue Sorten kurbelten den Absatz an. Anders als bei Bananen sei der Bedarf stark steigend, sagt Dole-Manager Rudy Amador, denn der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch liege erst bei 500 Gramm. "Da gibt es noch hohes Potenzial."

Hunger auf Ananas wächst

Immer mehr Landwirte satteln daher auf Ananas um - obwohl sie sich von Natur aus schwer für Massenproduktion eignet. Ein Hektar bringt gut 100 Tonnen, für den Karton mit sechs Ananas werden sechs bis zehn Euro bezahlt. Im Handel kommt das Stück auf bis zu vier Euro. Ohne die grüne Krone wäre die Ananas billiger zu haben - aber der Kunde sei daran noch nicht gewöhnt, seufzt Toman.

Umweltorganisationen wie Global 2000 hingegen stößt der Boom der süßen Früchte bitter auf. Ananasanbau sei verbunden mit mieser Bezahlung, und der Pestizideinsatz gefährde die Gesundheit der Arbeiter, heißt es in ihrem jüngsten Report. Regenwälder würden dafür illegal abgeholzt, Gewässer verseucht. Dole weist das für ihre Plantagen zurück. Was den Umstieg auf Bio betrifft, sei das schwierig und mit hohen finanziellen Risiken verbunden. Dole wolle auch hier unter die größten Anbieter, aber das brauche Zeit. In der Verpackstation auf El Muelle rattert das Förderband. An den jeweiligen Arbeiter erinnert eine Nummer auf dem Karton. (Verena Kainrath, San José, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.01.2008)

  • Costa Rica hat das Geschäft mit der Ananas fest in der Hand. Die Anbauflächen wachsen rasant, fast die Hälfte der Arbeiter kommt aus Nicaragua.
    foto: standard/verena kainrath

    Costa Rica hat das Geschäft mit der Ananas fest in der Hand. Die Anbauflächen wachsen rasant, fast die Hälfte der Arbeiter kommt aus Nicaragua.

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