Trotz Schengenöffnung kein Umsatzrückgang

6. Februar 2008, 14:28
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Wiens Trafikanten machen auch im neuen Jahr ein gutes Geschäft mit Rauchwaren, Schokoriegel, Softdrink und Co werden nur zögerlich angenommen

Die Schengen-Öffnung und der Preisanstieg haben das Rauch- und Kaufverhalten der Wiener nicht beeinflusst: eine derStandard.at-Umfrage in mehreren Trafiken ergab, dass keine Umsatzeinbußen festzustellen sind. Die befragten Trafikanten gehen davon aus, dass der Weg nach Tschechien den meisten Rauchern wegen nur einer Stange Zigaretten zu weit ist. "Wer vorher geschmuggelt hat, wird dies auch weiter tun", so Eva Farkas, "meine Kunden bleiben mir Gott sei Dank treu".

Die Geschäftsfrau hat mit ihrem Ehemann das Tabakgeschäft vor drei Monaten übernommen und mit einer Sortimentsbereinigung und hellerer Beleuchtung einen Umsatzanstieg von 30 Prozent erzielt. Gut die Hälfte der Einnahmen, schätzt Wolfgang Farkas, kommen aus dem Zigarettenverkauf. Schokoriegel, Zeitschriften und Glücksspiele machen den Rest aus. Bei dem für das Frühjahr geplanten Umbau soll dann auch ein Kühlschrank für Softdrinks dazukommen.

"Wir sind alle ang´fressen"

Patrizia Klug, die vor dem Wochenende länger geöffnet hält, beobachtet, dass viele Stammkunden die Preiserhöhung als Anlass mit dem Rauchen aufzuhören nutzen wollen: "Wir sind alle ang´fressen". Geschafft habe es allerdings noch keiner, weiß sie zu berichten. Die neuen Zigarettenpreise sind jedenfalls das Hauptgesprächsthema in ihrer Trafik.

Marek Oboz, der eine der zwei Trafiken im Einkaufszentrum Lugner-City betreibt, kann ebenfalls keine Umsatzeinbußen feststellen. Vor dem Laden steht am langen Einkaufsfreitag eine Warteschlange, gekauft werden stangenweise Rauchwaren, Lottoscheine, Fachzeitschriften und Wochenkarten. Ob er in seinem jetzt schon vollgeräumten Geschäft Platz für einen Getränkekühlschrank findet, bezweifelt er: Er will sich erst einmal die Angebote der verschiedenen Softdrink-Hersteller ansehen.

Das neue Tabakgesetz

Seit Neujahr gelten für die zollfreie Einfuhr von Tabakwaren aus den neuen Mitgliedsstaaten des Schengen-Abkommens neue Regelungen. So darf man pro Person aus Tschechien 200 Zigaretten mitnehmen, ohne diese zu verzollen, aus Slowenien ist dies bereit seit Sommer erlaubt. Wenn auf der Packung deutschsprachige Warnhinweise aufgedruckt sind, liegt die Grenze sogar bei 4 Stangen.

Um die Folgen der Marktöffnung für die Trafikanten abzufangen, beschloss die Regierung ein Hilfspaket: Die Tabakverschleißer dürfen nun auch alkoholfreie Getränke sowie Telefonwertkarten und Tabak-Ersatzprodukte anbieten.

Außerdem wurde ein Solidaritätsfonds eingerichtet, der durch einen Zuschlag in der Höhe von 10 Prozent der Handelsspannen gespeist wird. Die Zigarettenhersteller reagierten umgehend auf die Verringerung ihres Profits und hoben Anfang Jänner die Preise an. (red)

  • Patrizia Klug muss der Kundschaft die Preiserhöhungen erklären.

    Patrizia Klug muss der Kundschaft die Preiserhöhungen erklären.

  • Marek Oboz weiß  nicht, ob in sein Geschäft noch ein Kühlschrank mit Getränken passen wird.

    Marek Oboz weiß nicht, ob in sein Geschäft noch ein Kühlschrank mit Getränken passen wird.

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