Teils heftige Reaktionen auf Anstieg der Jugendkriminalität
Linz/St. Pölten/Wien – Die vermehrte Jugendkriminalität
löste in der Politik eine Reihe von teils heftigen Reaktionen
aus: Die Situation der Jugendlichen verlange nach Lösungen,
sagte etwa SPÖ-Kinder- und Jugendsprecherin Laura Rudas. Die Grüne Jugendsprecherin Barbara Zwerschitz kritisierte die Interpretation der Statistik: Die Zahl der Verurteilungen
von Jugendlichen sei seit Jahren kontinuierlich
zurückgegangen.
Zwerschitz meinte, dass offenbar die Toleranz der Erwachsenen gesunken sei, eine Anzeige werde offenbar als Problemlösungsmittel anerkannt. Wissenschaftliche Studien zu
dem Thema gebe es nicht.
Als "untauglich" wurden die bisherigen Präventiv-Maßnahmen
von der FPÖ eingestuft. Härtere Strafen seien gefordert,
auch Erziehungslager seien überlegenswert. Über 18-jährige ausländische Straftäter müssten abgeschoben werden.
"Traurige Spitze"
In Bundesländern, in denen sich die Zahl der Straftaten allgemein erhöht hat, gab es die meiste Aufregung um die Kriminalitätsstatistik. Oberösterreich liege mit einem Anstieg
der Zahl der Straftaten um 7,1 Prozent "weiter an der traurigen
Spitze der bevölkerungsreichen Bundesländer", wie es
Landeshauptmann-Stellvertreter Erich Haider (SP) ausdrückte.
Die oberösterreichische Polizei leide an Personalmangel und könne deshalb "nicht einmal mehr jedes zweite Delikt klären", sagte Haider. Er fordert 200 zusätzliche Polizisten für das Land Anders interpretierte Landeshauptmann Josef Pühringer
(VP) die Zahlen. Da die Aufklärungsrate um 7,7 Prozent
gestiegen sei, zähle Oberösterreichs Sicherheitsbilanz zu
den besten in Österreich.
Im wahlkämpfenden Niederösterreich, wo sich die Zahl der Straftaten um 2,7 Prozent erhöht hat, meinte VP-Sicherheitssprecher Gerhard Karner, dass die Volkspartei
offenbar richtig auf den Fall der Schengengrenze reagiert
habe. Erfreulich sei auch, dass 2007 um 1000 Fälle mehr aufgeklärt wurden als 2006. Der Klubobmann der niederösterreichischen Sozialdemokraten, Hannes Weninger, bezeichnete Innenminister Günter Platter (VP) als "Unsicherheitsminister", weil er die Ergebnisse der Kriminalitätsstatistik als "sehr zufriedenstellend"
bezeichnet habe. (Gudrun Springer/ DER STANDARD, Printausgabe, 15. Jänner 2008)