Den Augenblick gestalten

21. Jänner 2008, 14:12
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Grazer Cellist Friedrich Kleinhapl im Gespräch: "Meine Projekte werden wirklich unterstützt"

Wien – Abseits des schrumpfenden, aber noch großen Klassikgeschäftes tut sich was. Seit Jahren etwa gibt Cellist Friedrich Kleinhapl bei Ars Kammermusik heraus, und man staunt – es ist auch mit der Tschechischen Philharmonie ökonomisch Herausforderndes geplant. Wenn der Grazer zu erklären beginnt, wird die Verwunderung jedoch nicht kleiner. Seinem CD-Fleiß hilft ja eine weitere Seltenheit nach – eine Kulturpartnerschaft mit der Hypo Steiermark. "Ich wurde eingeladen, bei einer Filialeröffnung zu spielen. Danach bot man mir die Partnerschaft an. Es hat sich dann herausgestellt, dass das nichts mit einer Aufgabe von künstlerischer Freiheit zu tun hatte."

Im Gegenteil: "Meine Projekte werden wirklich unterstützt. Ich will etwa nicht im Studio, sondern in einem Konzertsaal aufnehmen. Ich schätze die Helmut-List-Halle mit ihrer lebendigen Akustik. Das kostet, wird aber durch die Partnerschaft möglich. Wir Künstler verdienen mit CDs natürlich nicht gerade viel. Sie ist eine Visitenkarte und ein Dokument."

Letzteres zu erwähnen ist dem 42-Jährigen wichtig. "Nachdem eine CD fertig ist, habe ich immer das Gefühl, eigentlich müsste man sie erst jetzt aufnehmen. Das nagt an mir, aber so bleibt man eben nicht stehen. Mein Ideal ist ja, aus dem Augenblick heraus zu gestalten. Das Konzept ist verinnerlicht, aber innerhalb seiner Grenzen gibt es Möglichkeiten. Der Saal darf mitwirken, auch das Publikum, in der Art und Weise, wie es zuhört. Das ergibt ein eigenes Energiefeld." Was Spontaneität bedeuten kann, hat Kleinhapl auch als Mitglied des Mahler Jugendorchesters unter Claudio Abbado erlebt: "Das war umwerfend! Bei den Proben stand er da mit einer Taschenpartitur, man hatte einen seltsamen Eindruck. Beim Konzert dann ein Vulkanausbruch!" Von Abbado übernahm Kleinhapl auch die Vorliebe für Neue Musik. Er hat etwa Werke von Christoph Cech, Peter Herbert und Dirk D’Ase uraufgeführt und findet, "dass in diesem Bereich viel brachliegt".

Beim Mahler-Orchester hat er aber auch verstanden, dass das Orchesterspiel – so interessant es sein mag – auf Dauer nicht das Wahre für ihn ist. Es entspräche nicht seiner Disposition. Interessanter war die technische Seite des Cellos; Kleinhapl hat viel experimentiert: "Es hat eine Weile gedauert, bis Körper und Instrument ideal zueinanderfanden." Mittlerweile spielt er, da er einen Wettbewerb gewonnen hat, das Cello Giovanni Tononi 1681 (eine Leihgabe der Nationalbank). Und auch da der Zeitfaktor: "Es klang von Anfang an unglaublich gut, aber es hat doch fünf Jahre gedauert, bis es wirklich klappte. Auch habe ich mit dem Geigenbauer der Nationalbank manches verändert." Wie geht es weiter? Jetzt sind einmal China, Japan und die USA dran.

Auch mit Dirigent Zubin Mehta könnte sich etwas ergeben – dem spielte er in der Münchner Oper vor. "Das war lustig. Ich war vergrippt, betrat eine Bühne voller Opernrequisiten. Auch blendeten die Scheinwerfer; man sah niemand im Zuschauerraum – gerade einmal drei Schatten ganz hinten. Dann fragte man nach meinem Namen und dem, was ich spielen würde. Nachher habe ich gehört, dass Mehta beeindruckt war und dass er mich einladen würde. Aber es könnte dauern. Es war keine leichte Situation, aber eine interessante Erfahrung." (Ljubiša Tošic, DER STANDARD/Printausgabe, 15.01.2008)

  • Schätzt Spontanes: Friedrich Kleinhapl.
    foto: jungwirth

    Schätzt Spontanes: Friedrich Kleinhapl.

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