"Es muss nicht immer IBM draufstehen"

22. Jänner 2008, 10:19
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IBM ÖSterreich-Chef Leo Steiner im Standard-Gespräch - „Das Energiethema wird noch viel bedeutender werden, als wir uns träumen lassen“

"Vor allem bin nach meiner langen Tätigkeit im Ausland erfreut über die positive Aufnahme in Österreich, sowohl am Markt als auch bei den Kunden und im Team“, zieht Leo Steiner im Standard-Gespräch, ein kurzes persönliches Resümee seines ersten „Amtsjahrs“ als Generaldirektor von IBM Österreich. Anfang Jänner 2007 hatte der 53-jährige Steirer die Nachfolge von Ernst Nonhoff angetreten, der in den Ruhestand ging.

Vernüftige Entwicklung

Zufrieden äußert sich der IBM-Chef auch über die „vernünftige“ Entwicklung des Geschäfts in den vergangenen zwölf Monaten. Länderkennziffern gibt der IT-Konzern prinzipiell nicht bekannt. Nach gestern vorgelegten Zahlen hat das US-Unternehmen im vierten Quartal seine Gewinne um 24 Prozent gesteigert, der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 28,9 Mrd. Dollar (19,4 Mrd. Euro).

Steiner kann mit einer knapp 30-jährigen Zugehörigkeit zum Unternehmen ohne Übertreibung als „g’standener IBMer“ bezeichnet werden. Die letzten zehn Jahre davon arbeitete er in internationalen Funktionen außerhalb Österreichs. Als Steiner 1978 bei Big Blue anfing, stand bei dem IT-Konzern vor allem Hardware im Unternehmensfokus. Durch Zukäufe (2002 Consultingsparte von PricewaterhouseCoopers, PCW) und Verkäufe einzelner Sparten (Ende 2004 PC-Geschäft an Lenovo) hat sich der Schwerpunkt verlagert.

„Natürlich gibt es eine bestimmte Heritage und einen Ruf zu verteidigen“, antwortet Steiner auf die Frage, was heute das Unternehmen ausmache. „Die gesamte IT-Branche hat sich jedoch weiterentwickelt, wir haben diese Entwicklung mit beeinflusst.“

Innovationsansatz

Heute sei IBM vor allem ein Consultingunternehmen für Businesslösungen. „Wir helfen, die Dienstleistungen unserer Kunden nicht nur zu verbessern, sondern neu zu gestalten. Hierin unterscheiden wir uns vom Wettbewerb“, ist Steiner überzeugt. Zum Beispiel bei Echtzeit-Fahrplan-Informationssystemen für Bahn und andere öffentliche Verkehrsmittel. „Auch wenn es nicht draufsteht: Da stecken eine Menge Technikkomponenten von uns drin, die wir für den Kunden entwickeln, ohne dass das IBM-Logo draufsteht“, nennt er ein Beispiel.

Möglich sei dies vor allem durch den innovativen Ansatz der sich durch alle Bereiche ziehe. „Innovation entsteht einerseits in unseren Labs, andererseits bei den Mitarbeitern und Kunden selbst.“ Bei regelmäßigen internen Innovationssessions von mehr als 50.000 IBM-Mitarbeitern, Kunden und Partnern würden die relevanten Themen der Zukunft erarbeitet. Aktuell mit an oberster Stelle stünden dabei Konzepte für eine intelligente Energieversorgung.

unix

„Das Energiethema wird noch viel bedeutender werden, als wir uns träumen lassen“, sagt Steiner. IBM gehe das Thema von vielen Seiten bereits an. Im Vorjahr hatte das Unternehmen etwa bekanntgegeben, künftig eine Milliarde Dollar pro Jahr über alle Geschäftsbereiche hinweg aufzuwenden, um die Energieeffizienz in der Informationstechnik dramatisch zu erhöhen. Teil davon sei auch die Entwicklung einer neuen Familie von Unix-Rechnern, die bei gleichem Strom- und Platzbedarf die doppelte Leistung der Vorgängermodelle brächten.

„Gleichzeitig beschäftigen wir uns mit der Frage, wie die Nutzung der Geräte noch hochgetrieben werden kann, zum Beispiel durch Konsolidierung und Virtualisierung von Rechnern, die es erlauben, die Leistung der Rechner optimal auszunutzen.“

Ökostrom

Auch als Unternehmen selbst will IBM in Sachen Energie eine Vorreiterrolle einnehmen: „Seit 1. Jänner sind 84 Prozent der von IBM Österreich genutzten Energie Ökostrom“, berichtet Steiner.

Ein anderes wichtiges Thema sei Mobilität. IBM arbeite etwa an einem elektronischen Beifahrer mit, der schon in wenigen Jahren Warnungen aussprechen soll, wenn er beim Fahrer Ermüdungsanzeichen erkennt, gibt der Generaldirektor einen weiteren Einblick in sein Lieblingsthema Innovation – wen wundert’s, schließlich war er viele Jahre für die Entwicklung innovativer Produkte zusammen mit Kunden auf europäischer Ebene verantwortlich.

Second Life

Dass es um ein anderes Thema, die virtuelle Welten von Second Life und Co, bei dem sich IBM in den vergangenen zwei Jahren stark engagiert hat, still geworden sei, will Steiner nicht gelten lassen. „Dass der Hype nachgelassen hat, ist ein völlig normaler Reifungsprozess“, meint er dazu. Second Life als solches sei nur eine spezifische Implementation der möglichen zukünftigen Arbeitswelt. Virtuelle Welten generell könnten sehr wohl eine gute Möglichkeit für Unternehmen und Konsumenten sein, sich online auszutauschen. (Das Gespräch führte Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 15. Jänner 2008)

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