Pelinka: "FPÖ setzt zum Vernichtungsschlag gegen BZÖ an"

von Redaktion  |  25. Juni 2008, 13:58
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    Politologe Anton Pelinka: "Frau Winter ist heute sicher sehr glücklich."

Politologe Anton Pelinka im derStandard.at- Interview über die "erfolgreiche" Provokation von Susanne Winter, die dem BZÖ in Graz "die Show gestohlen" hat

Die Taktik der FPÖ ist aufgegangen, sagt Politologe Anton Pelinka im Interview mit derStandard.at. Die Freiheitliche Partei habe mit den beim FPÖ-Neujahrstreffen getätigten Aussagen das BZÖ im Grazer Gemeinderatswahlkampf "ausgestochen": "Es waren ziemlich dumme Äußerungen, die genau den Sturm provozieren sollten, den sie auch ausgelöst haben."

Im Interview erklärt Pelinka außerdem, warum Winter sich heute "auf die eigene Schulter klopfen" kann und er spricht über das "Schüren antimuslimischer Vorurteile" innerhalb der ÖVP und über die Islamophobie als Unterschichten-Phänomen. Die Fragen stellte Rosa Winkler-Hermaden.

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derStandard.at: Beim Neujahrstreffen der FPÖ hat Susanne Winter, die Spitzenkandidatin der FPÖ bei der Grazer Gemeinderatswahl, Mohammed mit einem Kinderschänder verglichen. Natürlich hatte sie dabei die Gemeinderatswahl, die am kommenden Sonntag stattfindet, im Blickwinkel. Was wollte Sie mit ihrer Aussage erreichen?

Pelinka: Ihr Ziel war es, um jeden Preis aufzufallen. Das ist mit solchen Aussagen auch gelungen. Frau Winter ist heute sicher sehr glücklich. Sie wird sich heute selbst auf die Schulter klopfen und sagen, jetzt sind wir im Wahlkampf sehr gut, jetzt können wir noch mehr Stimmen gewinnen. Die Freiheitliche Partei hat damit das BZÖ ausgestochen. Für das BZÖ ist es unmöglich, noch eins draufzulegen.

Die getätigten, extremistischen Aussagen sind intellektuell natürlich absoluter Unsinn, aber politisch machen sie Sinn. Vorhandene Ressentiments werden gestärkt und für die Grazer Gemeinderatswahl instrumentalisiert. Es waren ziemlich dumme Äußerungen, die genau den Sturm provozieren sollten, den sie auch ausgelöst haben.

derStandard.at: Wie sollten andere Parteien auf Äußerungen wie jene von Susanne Winter reagieren? Besonders die ÖVP hat lange für eine Reaktion auf die Winter-Aussagen gebraucht. Bis zu Mittag hatte von Seiten der ÖVP nur der Grazer Bürgermeister Stellung bezogen.

Pelinka: Wenn ich an die Äußerungen des niederösterreichischen Landeshauptmannes Pröll("Artfremdheit der Minarette") denke, so geht das Schüren antimuslimischer Vorurteile sogar weit hinein in die politische Mitte bis zur ÖVP.

Ich möchte nicht zu viel hineininterpretieren, dass sich außer dem Nagl bisher niemand geäußert hat, aber es gibt natürlich - Stichwort Erwin Pröll - auch Politiker, die, ähnlich wie die freiheitliche Partei, glauben, im Wahlkampf antiislamische Ressentiments instrumentalisieren zu können.

Es gibt in der ÖVP aber diesbezüglich schon auch vernünftige Leute. Ich verweise an die Haltung des ÖVP-Bürgermeisters von Telfs in Tirol, der eine Gemeinde mit Minarett hat.

derStandard.at: Ist das Potenzial der islamophoben WählerInnen in Österreich größer als in anderen Ländern?

Pelinka: Es gibt in anderen Ländern ähnliche Phänomene. Nur setzt die freiheitliche Partei jetzt zum Vernichtungsschlag gegen das BZÖ an. Sie stiehlt dem BZÖ die Show. Zwischen ÖVP und FPÖ bleibt wenig Platz übrig für das BZÖ.

derStandard.at: Welche Gruppen sind für Islamophobie besonders empfänglich? Gibt es hier Ähnlichkeiten zum Antisemitismus?

Pelinka: Die Islamophobie ist in Österreich eher ein Unterschichten-Phänomen. Der Antisemitismus hingegen war, zumindest historisch, eher eine Sache der Bildungsschicht.

derStandard.at: Erinnert Sie die ganze Debatte an Jörg Haider und seine Angriffe auf Ariel Muzicant? Wo liegen die Unterschiede zur Situation damals?

Pelinka: Es gibt Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den anti-jüdischen und den anti-islamischen Äußerungen. Die Gemeinsamkeit ist natürlich, dass man ein Feindbild braucht, nutzt, instrumentalisiert, verstärkt, um zu mobilisieren. In einem Fall sind es die Juden, im anderen Fall die Muslime. Der Unterschied ist auch, dass in österreichischen Bildungsschichten offener Antisemitismus heute nicht mehr akzeptiert ist. Der Tabubruch ist stärker, während beim Anti-Islamismus die Tabuschwelle viel geringer ist.

Deshalb hat Susanne Winter besonders dick aufgetragen. Sich lustig machen über arabisch-türkische Namen reicht ja nicht. Da muss man kräftig hineinhauen um aufzufallen. Beim Antisemitismus muss man sehr differenziert argumentieren: Zwischen den Zeilen, wie das der Haider bei Muzicant gemacht hat.

derStandard.at: Sie haben es schon selbst erwähnt: Susanne Winter freut sich über das (Medien-)Echo zu ihren Äußerungen. Was wäre ein gangbarer Weg für die Medien, über die Ereignisse beim FPÖ-Neujahrstreffen zu berichten?

Pelinka: Ich sage das jetzt, obwohl ich weiß, dass das so nicht umsetzbar ist. Die Geschichte sollte nicht auf Seite 1 mit Schlagzeile veröffentlicht werden, sondern auf Seite 3 oder 8 oder wo auch immer. Die Überschrift sollte lauten: "Die FPÖ ist wiedereinmal sehr grauslich gewesen." Und dann könnte man kurz erwähnen, was die Frau Winter da gesagt hat, aber auch kommentieren: "Die Partei ist so wie sie ist, schrecklich und eine Schande." Und man sollte ihr nicht diese Bühne geben, die sie angestrebt hat.

derStandard.at: Heute Vormittag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft im Fall Winter ermittelt. Es wird überprüft, ob der Tatbestand der Verhetzung erfüllt ist. Was glauben Sie?

Pelinka: Das kann ich schwer abschätzen. Aber es kann schon sein, dass ein Verfahren rauskommt. Die Winter wird sich dann als Märtyrerin der Meinungsfreiheit präsentieren. (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 14.1.2007)

Zur Person: Anton Pelinka ist seit September 2006 Professor für Politikwissenschaft und Nationalismusstudien an der englischsprachigen Central European University in Budapest. Davor war er seit 1975 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck, davon mehrere Jahre auch als Dekan. Pelinkas Schwerpunkte liegen auf den Gebieten Politisches System und Politische Kultur in Österreich und der Vergleichenden Parteien- und Verbändeforschung. Er ist Experte für die Themen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in der Gesellschaft und hat sich intensiv mit dem Auftsieg der FPÖ auseinandergesetzt.

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coober pedy
06.02.2008 14:24
wenn der Kaffeesud schon kalt ist

dann siehts ganz so aus: "Vernichtungsschlag gegen BZÖ"

Stefan Wolf1
15.01.2008 21:08

"Die Partei ist so wie sie ist, schrecklich und eine Schande." Diese Aussage ist einfach und auf den ersten Blick banal, trifft aber den Nagel auf den Kopf. Man muss politisch denke ich nicht sehr nach links gerichtet sein, um das zu sagen. Leider befürchte ich ebenfalls dadurch einen Stimmenzuwachs für die FPÖ, denn das Wählersegment von ganz rechtsaußen bis engstirnig-konservativ ist sicherlich in gewissem Ausmaß vorhanden.

usual suspect  
15.01.2008 20:53
Die Freiheitliche Partei hat damit das BZÖ ausgestochen. Für das BZÖ ist es unmöglich, noch eins draufzulegen.

das glaube ich nicht.

die fpö wird zwar ihr stammklientel mobilisiert haben, verliert aber imho dadurch nicht unwesentlich viele and die nichtwähler und das bzö.

da muss ich (unllaublich aber wahr) hojac recht geben:

Den Menschen sei "jetzt ein Licht aufgegangen, welch Geistes Kinder die FPÖ in Graz ist", so der BZÖ-Chef, der sich davon einen Stimmenzuwachs verspricht.

man könnte meinen dass das ja bei der fpö nix neues sei, jetzt haben wir aber imho eine neue dimension.
denn es ist ja nach dem karrikaturentreit offensichtlich dass diese aussgane die sicherheit gefährden. und alle fpö wähler in ein dodelprollschublade zu stecken is auch zu billig.

wenn die fpö so weiter macht lebt das bzö gar doch noch länger als diese leg.periode....

Timagoras 
15.01.2008 16:21
"Der Anti***itismus hingegen war, zumindest historisch, eher eine Sache der Bildungsschicht"


quargel!

das zieht sich quer durch alle schichten, klassen, religionen und parteien.
man lausche den reden an stammtischen oder von bundestagsabgeortneten, man befraqe kirchen- oder moscheebesucher, man lese im stnadrad-forum oder in der krone ......





Loki777 
17.01.2008 15:39
du hast aber gute ohren

immerhin hörst du stammtische 50 jahre nach ihrem zustande kommen.

oder hast du am end' das wort "historisch" überlesen?

Franz Zauberer
15.01.2008 19:02
Aber Herr DrDr .... Allmächtigster des postens.

Sie lauschen an Stammtischen tststs - welch frevelhafte Verfehlung (es könnte Ihr Karma schädigen) !

Salve
(disrespect *gg*)




Timagoras 
16.01.2008 00:53
erstens hab' ich kein karma,


und zweites: ja, ab und zu, wenn ich in wirtshäusern sitze, schnappe ich auf, was Ihr an Euren stammtischen so redet.

Fritz Wunderlich 
15.01.2008 20:33

eher Zauberlehrling.

. Kramar
15.01.2008 17:58

...er sagte "historisch"....

Timagoras 
15.01.2008 18:30
sprechen wir hier über eine gegenwärtige situation,

oder handelt es sich um geschichtliche betrachtungen (z.b. des 19. jahrhunderts)?

wenn zweiteres, wozu dann hier und jetzt?

wenn ersteres, trifft mein einwand zu.

anti***itismus ist nur etwas "historisches", worüber man aus der distanz der "späten geburt" reflektieren kann, sondern er existiert hier (und auch anderswo) und jetzt!
that's the point.

Timagoras 
15.01.2008 18:46
soll natürlich im letzten absatz heißen

"anti***itismus ist NICHT nur etwas "historisches", worüber man aus der distanz der "späten geburt" reflektieren kann, sondern er existiert hier (und auch anderswo) und jetzt!

Franz Zauberer
15.01.2008 19:04
Was ist anti***itismus ???

Sprechen Sie in Bildern, Erlauchter ???


Fritz Wunderlich 
15.01.2008 20:34

Ihnen muss es aber gewaltig auf das Gemüt drücken.

Ammit10
15.01.2008 15:35
2ter versuch!!...der herr pelinka als ideologe und pächter der reinen lehre...

...der politologe betreibt grundlagenforschung d.h. er untersucht und analysiert politische fragen, daher lese ich das interview als die meinung des hr. pelinka ( seine politische präferenz ist seit langem offensichtlich ) und nicht die eines politologen...

...auch der zoologe wertet den mungo der die kobra frisst im vergleich nicht „besser“ wie den tiger der das lämmchen schlägt...

beides ist keine wissenschaftliche kategorie !

...auf der basis seiner aussagen müsste der schluss eines „zoologen“ der den sinn des ökosystemes nicht erfasst hat – weg mit den tigern heissen...

übrigens mit der feststellung der "achse des bösen" hat bush 120 mio muslime und buddhisten diskriminiert...ich habe noch keinen einwand d. hr pelinka dagegen gehör

S.R.T 
16.01.2008 16:48
2ter versuch!!...der herr pelinka als ideologe

Ich glaube dass hier Äpfeln mit Birnen vergleichen.
Der Herr Pelinka mag einseitig sein wie sie glauben aber er hat hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Fritz Wunderlich 
15.01.2008 20:36

Übliche Vergleich von rechts aus der Biologie. Soweit geht die Modernisierung der Rechten dann doch nicht.

trollvottel
15.01.2008 16:07

Von Politikwissenschaft keine Ahnung, aber Menschen mit Raubtieren vergleichen? Schleich di.

Ammit10
15.01.2008 18:54
...sie haben den treffensten nick...gratuliere...

Fritz Wunderlich 
15.01.2008 20:36

Sie bestätigen den Verdacht, dass Deutschnationale Deutsch nicht beherrschen.

afrayspeed 
16.01.2008 10:46

bleiben sie doch bitte beim singen. kommt besser.

Fritz Wunderlich 
16.01.2008 13:47

Sage ich doch, dass ihr Deutsch nicht beherrscht, sinnerfassend schon gar nicht, denn, für euch offensichtlich eine Neuigkeit, Singen schließt die Beherrschung der deutschen Sprache nicht aus.

afrayspeed 
16.01.2008 14:24

ach, bin ich jetzt auch schon rechts? :-)

Fritz Wunderlich 
17.01.2008 08:56

Wie Sie sich positionieren, ist Ihre Sache.

Intellectually Ltd.
15.01.2008 15:08
"Pelinka: Die Islamophobie ist in Österreich eher ein Unterschichten-Phänomen. Der Antisemitismus hingegen war, zumindest historisch, eher eine Sache der Bildungsschicht."

Werden wir hier Zeuge der Entdeckung zweier neuer Species der Österreichischen Seele:

Der österreichische Unterschicht-Islamophobiker
vs.
Der gebildete österreichische Antisemit

Sind zu diesem Thema eigentlich schon Hypothesen ausformuliert?


hulahula
15.01.2008 13:05

...lieber herr pelinka, mit ein bissl verharmlosen unter hinweis auf andere tatsächlich mit politischer macht ausgestatteter personen - e.p. in nö- ists nicht getan! Es ist nicht einfach nur wieder eimal grauslich, es ist katastrophal und sollte zum sofortigen rückzug aus der politik führen müssen! politische provokation ist im wahlkampfs möglich , die populistische bedienung von vorurteilen vielleicht auch nich, aber eine vorsätzliche herabwürdigung einer ganzen glaubensgemeinschaft ist ekelerregend und verwerflich und fordert massiven widerspruch der gesellschaft heraus- auch der ÖVP

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