Bauen auf Beratung

14. Jänner 2008, 13:56
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Das Management der BIG hat kürzlich einen Architekturbeirat ins Leben gerufen - Ge­schäftsführer Stadlhuber im Interview

Welche Vorteile man sich mit dem neuen Gremium erhofft, erklärt Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der BIG, im Gespräch mit Gerhard Rodler.

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STANDARD: Was unterscheidet den Architekturbeirat der BIG von der ohnehin zwingend vorgeschriebenen Durchführung von Architekturwettbewerben? Ist der Beirat nur ein Marketingtool?

Stadlhuber: In den kommenden Jahren realisiert die BIG viele Bauvorhaben, die je nach Größenordnung über Wettbewerbe, Vergabeverfahren oder geladene Verfahren abgewickelt werden. Als Bauherrin fordert die BIG hohe architektonische Qualität. Der aus neun Mitgliedern bestehende Beirat ist ein weiteres gutes Instrument, um diesem Ziel Nachdruck zu verleihen. So einfach ist das. Als Marketinggag fiele uns hoffentlich etwas Besseres ein, als mit Architekten über optimale Wettbewerbsbedingungen zu diskutieren.

STANDARD: Was kann der Beirat, was man bisher nicht auch mit einer klugen Juryzusammensetzung erreicht hätte?

Stadlhuber: Den Beirat gibt es, um die größten Projekte der BIG auf einer breiten Gedankenbasis anderer Architekten objektiv bewerten zu können. Das gewährleistet eine breite, offene Diskussion. Wie bereits erwähnt, ist das Gremium lediglich ein ergänzendes Instrument. Im Unterschied zur Jury empfiehlt der Beirat beispielsweise bereits im Vorfeld die Wahl des jeweiligen Verfahrens zur Findung des richtigen Architekten. Zudem werden aus dem Beirat heraus Fachjuroren nominiert.

STANDARD: Stehen Sie mit diesem Modell allein auf weiter Flur?

Stadlhuber: Unserer Erfahrung nach erzielen offene, EU-weite Verfahren bei Großprojekten die besten Resultate. Andere sehen das anders. Jeder Bauherr soll das Verfahren wählen, das er für optimal hält. Wünschenswert wäre aber jedenfalls, würde die Standesvertretung in diesem Punkt mit einer Stimme sprechen.

STANDARD: Wenn es für alles und jedes einen Beirat gibt, dann gibt die BIG damit auch Verantwortung ab. Das ist doch praktisch!

Stadlhuber: Das ist definitiv nicht der Fall. Für die Führung und Steuerung des gesamten Unternehmens, das jährlich zwischen 350 und 400 Millionen Euro in Neubauten und Sanierungen investiert, ist das BIG-Management voll verantwortlich. Bei einem derartigen Volumen kann man sich als Geschäftsführer nur sehr bedingt um jedes einzelne Projekte kümmern. Bei den großen Bauvorhaben lassen wir uns daher im Sinne des Kunden beraten. Sonst kenne ich bei der BIG keine Beiräte.

STANDARD: Wie kam es zur Zusammensetzung des Beirats?

Stadlhuber: Die Auswahl war Sache des Managements.

STANDARD: Für wie lange Zeit sind die Mitglieder bestellt?

Stadlhuber: Jedes Jahr scheiden zwei bis drei Mitglieder aus und werden durch neue ersetzt. Das gewährleistet Kontinuität und Erneuerung.

STANDARD: Was kostet so ein Beirat und woran wird der Erfolg seiner Arbeit gemessen?

Stadlhuber: Die Mitglieder erhalten Sitzungsgelder. Doch ich glaube, dass keiner der Beiräte die Aufgabe wegen des Geldes übernommen hat. Im Gegenteil, während der Tätigkeit sind sie von allen Wettbewerben der BIG ausgeschlossen. Was den Erfolg betrifft: Der ist sicherlich nur langfristig messbar. Faktoren dabei sind die Qualität der Architektur, das Vorantreiben des Themas Nachhaltigkeit und resultierend daraus die Zufriedenheit der Kunden.

STANDARD: Wird die Architektur durch die Auswahlkriterien des Beirats teurer werden?

Stadlhuber: Die Mär von der teuren Architektur hält sich massiv. Wir müssen endlich beginnen, nicht bloß die Baukosten, sondern die Gesamtkosten im Lebenszyklus einer Immobilie zu sehen. So gesehen muss Qualität nicht einen Euro mehr kosten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.1.2008)

  • Stadlhuber: "Wir müssen beginnen, nicht bloß die Baukosten, sondern den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zu sehen. Qualität kostet daher nicht einen Euro mehr."
    foto: big

    Stadlhuber: "Wir müssen beginnen, nicht bloß die Baukosten, sondern den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie zu sehen. Qualität kostet daher nicht einen Euro mehr."

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