Bessere Chancen bei HNO-Tumoren

21. Jänner 2008, 15:27
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Österreichische Studie: Sigmund Freuds Krankheit, das Mundhöhlenkarzinom, wäre heute bei früher Diagnose heilbar

Wien - 16 Jahre lang litt der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, an einem Mundhöhlenkarzinom. 33 Operationen und schließlich der Tod durch eine Morphin-Überdosis in der Emigration in Großbritannien waren die Folge. Heute wären die meisten HNO-Karzinome bei früher Diagnose heilbar, betonten am Montag österreichische Experten bei einer Pressekonferenz in Wien. Sie untersuchen jetzt die neueste Therapievariante: Chemotherapie, dann Strahlen und hier gleichzeitig die Verwendung eines Immuntherapeutikums (monoklonaler Antikörper).

Wegschneiden

"Wir haben heute bei HNO-Karznomen chirurgisch jede Möglichkeit. Wir können 'alles' wegschneiden. Wir müssen es (dann fehlende Organe wie Teile der Speiseröhre oder den Kehlkopf, Anm.) wieder aufbauen. Heute geht man aber dazu über, kleinere Tumore chirurgisch zu versorgen, bei großen und ausgedehnten verwendete man eine Radio-Chemotherapie sowie zunehmend andere neue Substanzen", sagte Martin Burian, supplierender Leiter der Wiener HNO-Universitätsklinik am AKH.

Plattenepithelkarzinome

In Österreich erkranken pro Jahr um die 1.000 Personen an HNO-Karzinomen. 97 Prozent handelt es sich um sogenannte Plattenepithelkarzinome. In der Behandlung steht zunehmend die Sicherung der späteren Lebensqualität der Betroffenen im Vordergrund. Verstümmelnde Operationen werden möglichst oft vermieden. Felix Keil, Chef der Abteilung für Hämato-Onkologie am LKH in Leoben in der Steiermark: "Das Problem sind die 60 Prozent der Patienten, die erst mit einem fortgeschrittenen Tumor in Behandlung kommen. Da gibt es nur bei 20 bis 40 Prozent eine dauerhafte Heilung." Extrem große Operationen würden die Lebensqualität der Betroffenen nur noch mehr einschränken.

Therapieforschung vorantreiben

Vier österreichische Zentren für die Behandlung von HNO-Karzinomen in Graz, in Feldkirch, Leoben und Wien haben sich deshalb zu einer Wissenschaftsgruppe zusammengefunden, um die Erforschung neuer Therapien voranzutreiben. In einer Machbarkeitsstudie mit 60 Patienten im Stadium III und IV einer solchen Erkrankung soll in den kommenden zwei Jahren erstmals das modernste Behandlungskonzept ohne Operation erprobt werden: Die Kranken bekommen zunächst eine aggressive Chemotherapie unter Verwendung von drei Chemotherapeutika (Docetaxel, Cisplatin, 5-FU). Darauf folgt eine Strahlenbehandlung parallel zu Infusionen des monoklonalen Antikörpers Cetuximab. Die Wissenschafter hoffen, damit die Heilungsraten um etwa zehn Prozent verbessern zu können.

Im Frühstadium operieren

Freilich, auch 80-prozentige Heilungsraten sind laut der Wiener Onkologin Gabriela Kornek (AKH) möglich, wenn der Tumor in einem frühen Stadium operiert und dann mit einer Chemotherapie und Bestrahlung behandelt wird. Ein weiterer Aspekt: In den USA sind schon etwa die Hälfte dieser Karzinome durch Infektionen mit HPV (Human Papilloma Virus) bedingt. Auch in Österreich sehen die Experten solche Fälle. Sie wären per Impfung zu einem hohen Anteil ebenso verhinderbar wie der Gebärmutterhalskrebs. (APA)

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    foto: photodisc
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