
Migranten im Krankenhaus sind nicht nur oft traumatisiert und haben Schmerzen, ein zusätzliche Überforderung sind die Sprache und die hier gebräuchlichen medizinischen Standards. Ihr Verlorensein fordert hiesige Ärzte.
Posttraumatische Belastungsstörung
In Österreich seien insgesamt kaum 15 Psychiater in der Lage, schätzt Alexander Friedmann vom Wiener AKH, hier eine korrekte Diagnose zu stellen: posttraumatische Belastungsstörung. Der Mann wurde in seiner alten Heimat gefoltert, kann sich jedoch kaum daran erinnern. Diese Gedächtnislücken seien ebenso typisch, sagt Friedmann, wie unterschiedliche Begleiterkrankungen, etwa Bluthochdruck und Magengeschwüre und das Unvermögen des Folteropfers, sein seelisches Leiden zu thematisieren.
Seit rund 30 Jahren befasst sich Friedmann, in Rumänien geboren und in Wien aufgewachsen, mit Fragen der kultursensiblen Medizin. Leider wüssten nur die wenigsten Ärzte über "die Probleme des Fremd- und Verlorenseins" Bescheid. Verpflichtende Lehrveranstaltungen zu "Migrantenmedizin" fehlen in der Ausbildung.
Falsche Einschätzung
Kulturspezifische Symptome werden oft falsch eingeschätzt. So klagen Muslime bei Depressionen nicht etwa, dass sie sich miserabel fühlen, sondern verweisen auf körperliche Beschwerden wie "mein Nabel ist gefallen". "Hunderte Millionen Euro gehen jährlich durch mangelnde Kompetenz verloren", überschlägt Friedmann, Leiter der "Ambulanz für transkulturelle Psychiatrie und migrationsbedingte psychische Störungen".
Andere Weltsicht
Etliche Verständigungsschwierigkeiten ließen sich durch eine höhere Migrantenquote in der Ärzteschaft sowie in sozialen und Gesundheitsberufen vermeiden, meint Türkan Akkaya-Kalayci. Als die Kinder- und Jugendpsychiaterin nach ihrem Studium aus der Türkei nach Wien kam, bekam sie häufig ausländische Patienten von überforderten Kollegen überwiesen. "Migranten wissen oft nicht über die Wirkung und Nebenwirkungen ihrer Medikamente Bescheid", so die Expertin für kultursensible Medizin, die am Wiener AKH auch Patienten aus Afrika und Asien behandelt. "Wenn sie den Arzt nicht verstehen, haben Migranten vielfach Hemmungen, dies zuzugeben", berichtet Akkaya-Kalayci. Verunsichert brechen sie die Behandlung ab, wechseln von Arzt zu Arzt und kommen erst dann wieder ins Spital, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist.
Übersetzung für Kranke
Um gegen die sprachlichen Barrieren anzugehen, leisten sich einige Spitäler Dolmetscher und lassen Informationsmaterial übersetzen. "Für Kranke ist es beängstigend, wenn sie die eigenen Symptome nicht kommunizieren können. Dazu kommt oft das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden", weiß die Gynäkologin Susanne Heller vom Kaiser-Franz-Josef-Spital. Besonders sensibel geht Heller vor, wenn sie bei afrikanischen Frauen das Thema weibliche Beschneidung anspricht.
Probleme im Krankenhaus
Dennoch sei es im Spital nicht immer möglich, adäquat auf die kulturell geprägten Bedürfnisse aller Patientinnen zu reagieren - zum Beispiel im Nachtdienst. Von einem Mann gynäkologisch untersucht zu werden bedeutet jedoch für viele Migrantinnen einen Tabubruch. Nichtsdestotrotz erlebt Susanne Heller entgegen den Klischees "bei Frauen aller Ethnien und jeden Alters große Offenheit in puncto Sexualität".
Natürlich sei es manches Mal frustrierend, wenn ausländische Patienten zum wiederholten Male nachts mit banalen Beschwerden in der Notaufnahme auftauchten. "Ich nehme es nicht persönlich", erklärt Heller. Vielmehr möchte sie die Grundstrukturen der Gesundheitsversorgung in Österreich vermitteln. In manchen Herkunftsländern spielen niedergelassene Ärzte nämlich nur eine marginale Rolle.
Mit Händen und Füßen
Zuweilen fühlt sich auch der Krankenpfleger und Ethnologe Franz Plasser im Umgang mit fremden Kulturen herausgefordert. Seine Patienten einfach nur "satt und sauber" zu kriegen reicht ihm nicht. "Unser naturwissenschaftlich geprägtes Gesundheitssystem ist nur eines von vielen", so Plasser, der auch jüdische Frauen im Altenheim gepflegt hat. Notfalls mit Händen und Füßen bringt er die Bedürfnisse seiner Patienten in Erfahrung: Gibt es Nahrungstabus? Welche religiösen Bedürfnisse (rituelle Waschungen, Gebetszeiten) hat der Patient?
Große Unterschiede
"Muslime glauben, dass man in der Gemeinschaft gesund wird. Deswegen kommen viele Verwandte, Freunde und Nachbarn auf Besuch ins Spital", berichtet der Krankenpfleger. Es wird eng im Mehrbettzimmer. "Viele Österreicher hingegen sind der Meinung, dass Kranke Ruhe brauchen." Die Spannungen bleiben oft am Pflegepersonal hängen - ob eine für alle akzeptable Lösung gefunden wird, hängt von der Haltung der Stations- bzw. Spitalsleitung ab. Plasser hält seit einigen Jahren Seminare zum Themenkreis "Andere Länder, andere Sitten": "Manche Krankenhäuser kommen engagiert auf mich zu. Andere wiederum verschließen sich dem Thema völlig." (MEDSTANDARD, Julia Harlfinger, 14.1.2008)
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Ja und vor 2 Tagen wurde ich von einer Bekannten gebeten, für Sie beim Arzt zu dolmetschen und das, obwohl sie schon mind. 4 Jahre hier lebt und unzählige Deutschkurse (auf Steuerkosten )absolviert hat… Ich hatte keine Lust und hab ihr Bachblüten verabreicht. Die Symptome waren weg…
Wo haben Sie denn Ihre Weisheit her?
In den USA sind im Grossteil der Spitaelern Dolmetscher rund um die Uhr verfuegbar, entweder persoenlich od. telefonisch, je nachdem wieviel Geld das Spital hat. Ausserdem stellen US Spitaeler sehr viele Auslaender ein u. suchen sie auch nach ihren Sprachkenntnissen aus. Z.B. NY Downtown Hospital, um nur ein Beispiel zu nennen, hat ueberwiegend chinesische Patienten, da es nahe von Chinatown liegt. Das Personal (Schwestern) ist grossteils chinesisch. Ein rund-um-die-Uhr Dolmetschdienst wird angeboten. Anderes Beispiel: Driscoll Hospital Texas: Viele Latino Patienten. Dolmetschdienst u. Aufnahme von spanisch sprechendem Personal.
Manche Spitaeler bieten dem Personal sogar kostenlos Sprachkurse an. Usw.
ich bin seit 18 jahren hier, bin weisse aus europaeische herkunft, spreche fliessend deutsch, habe schon einen pensions-anspruch in oesterreich.
ich bin fremd. oesterreich ist mir fremd. ich weiss noch immer nicht wie das ganze wirklich funktioniert. das gesundheitssystem ist mir bekannt aber noch fremd es funktioniert anders und das fuehrt immer wieder zu problemen - zB rufe ich jetzt 141 oder 144? Der umgang hier ist fremd - alle busserl sich staendig aber umarmen tut man nicht *was?*. ich fuehle mich nicht heimisch obwohl ich gerne hier bin und bleiben werde.
Wer noch nicht migrant war kann nicht verstehen. Sorry halten sie ihre unqualifizierte von Strache und co. geborgte argumente fuer sich.
Besonders gut vorstellbar für Folteropfer. Also wenn ich gefoltert und bedroht worden bin, und außerdem krank und depressiv, dann ist für mich nichts einfacher, als die Sprache zu lernen und mich optisch anzupassen.
Haben Sie schon mal mal länger als nur ein paar Wochen urlaubsweise in einem ganz fremden Kulturkreis verbracht hat, und zwar nicht in privilegierter Postition, ohne Kreditkarte und Rückflugticket in den sicheren Sozialstaat, der Ihnen in die Wiege gelegt wurde?
der auch MigrantInnen auffängt, ist es wohl das mindeste, das diese (die - im Gegensatz zu Milliarden anderen Menschen, die niemals ihrem Elend entkommen werden können - die Chance haben, hier noch einmal von vorne anzufangen) unsere Sprache erlernen und unsere Werte respektieren.
schon einmal b edient im krankenhaus gelegen und der nachbar hat besuch von 10 lauten verwandten?
(gilt natürlich auch für österreicher.)
ich würde mir wünschen, das überhaupt ein arzt mehr zeit hat, egal welche sprache der patient spricht.
immer eine Frau mit Kopftuch verwendet werden?
Natürlich ist es verständlicher, da wir wahrscheinlich genau dieses Bild im Kopf haben, wenn wir an Migration denken. Aber ich fände es eigentlich toll, wenn gerade der Standard nicht diese Klischees bedienen würde.
mfg Michael
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