"Chinesen sind verrückt nach westlichen Autos"

10. Februar 2008, 16:06
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Wolfgang Plasser, Vorstandschef des Motorsport-Ausrüsters Pankl Racing Systems im STANDARD-Interview über Gewinne inmitten von Ökodiskussionen

Wolfgang Plasser, Vorstandschef des steirischen Motorsportausrüsters Pankl Racing Systems, über Gewinne inmitten von Ökodiskussionen, die Materialschlacht bei der Formel eins und den Fokus Asien sowie über das Besondere an Kapfenbergern.

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STANDARD: Pankl als Ausrüster von so gut wie allen großen Motorsportserien schreibt ein Rekordergebnis – gleichzeitig mit einer europaweiten Debatte über CO2-Ausstoß von Autos. Wie passt das zusammen?

Plasser: Es hängt einerseits mit dem Bestreben der Autokonzerne zusammen, durch Rennsportaktivitäten ihre Kompetenz zu beweisen. Andererseits ist der internationale Automobilbverband sehr bemüht, einen grünen Touch durch veränderte Reglements in die Formel eins zu bringen. Uns tun diese Bemühungen eigentlich nicht gut, sie drücken unsere Margen eher.

STANDARD: Meinen Sie die jüngsten Beschränkungen der Motorenentwicklung?

Plasser: Die Budgets der Teams sollen in Richtung Energierückgewinnung gelenkt werden, anstatt dass die Motorleistungen immer mehr steigen.

STANDARD: Es heißt immer wieder, dass der Motorsport Formel eins ohnehin nur noch eine Materialschlacht ist und dass die Autohersteller mit dem meisten Geld vorn sind.

Plasser: Es gewinnen, wie man in den vergangenen Saisonen gesehen hat, nicht die, die das meiste Geld hineinstecken, weil dann müssten Toyota und Honda Seriensiege feiern. Ferrari gelingt es immer wieder, mit einem – relativ – bescheidenen Budget, aber gutem Mitteleinsatz, vorn mitzumischen. Die Formel eins wird aber eine gewisse Materialschlacht bleiben, weil sie ein Marketinginstrument für die Automobilkonzerne ist.

STANDARD: Europa wird als Standort für Rennserien aber immer unwichtiger, wie es scheint, denn immer mehr europäische Grand Prix fallen aus dem Kalender.

Plasser: Durch das enorme Wirtschaftswachstum in Asien werden diese Märkte für die Automobilhersteller immer wichtiger. Ich war vor ein paar Monaten beim Grand Prix in China: Die Chinesen sind verrückt nach westlichen Autos, westlicher Technologie und Formel eins.

STANDARD: Zurück in die Steiermark. Sie wollen den Standort Kapfenberg bis 2010 erweitern. Besteht auch die Gefahr für die Steirer, dass Sie bei schlechtem Geschäftsverlauf an Ihren Standort in der Slowakei auslagern?

Plasser: Das Werk in der Slowakei ist vor allem für die Serienfertigung von Komponenten für High-Performance-Sportwagen. Die Teile sind vergleichsweise niedrigpreisig. In der Steiermark werden wir ganz sicher immer die teureren Rennbauteile fertigen. Die Flexibilität und das Know-how der Mitarbeiter sind hervorragend, und auf das werden wir ganz sicher nicht verzichten. Deswegen stehen die Werke gar nicht in Konkurrenz zueinander, im Gegenteil: Für die Schmiede in Kapfenberg entstehen neuen Märkte.

STANDARD: Leidet Pankl unter Facharbeitermangel?

Plasser: Es besteht eklatanter Mangel und große Konkurrenz zwischen den Firmen. Dazu eine Anekdote: Als bekannt geworden ist, dass wir Teile der Serienproduktion in die Slowakei verlagern, hat ein Firmenchef angerufen und mir eine Ablöse für die angeblich frei werdenden Mitarbeiter angeboten. Die werden aber nicht frei, wir brauchen sie im Luftfahrt- und Rennsportbereich.

STANDARD: Woher nehmen Sie nun die Facharbeiter?

Plasser: Wir setzen auf Lehrlingsausbildung, derzeit 44, das sind zehn Prozent der Beschäftigten in Österreich. Wir behalten sie in aller Regel.

STANDARD: Sind Sie auch in den benachbarten EU-Ländern fündig geworden?

Plasser: Wir haben es versucht. Aber die guten Facharbeiter aus Polen oder der Slowakei sind längst in England oder Irland. Österreich ist zu spät dran.

STANDARD: Letzte Frage: Ist es für Sie relevant, ob im nahen Spielberg wieder ein Motorsportzentrum entsteht?

Plasser: Für unser Geschäft wäre das sicher ein Vorteil, wenn hier wieder Rennen gefahren würden. Wobei: Ich sehe aber auch keine Nachteile, wenn es nicht passiert. Ich glaube, es wäre aber für die Region insgesamt ein positiver Impuls gewesen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.01.2008)

Zur Person
Der Handelswissenschafter Wolfgang Plasser, 1962 in Oberösterreich geboren, ist seit 2004 Pankl-Vorstand und seit 2006 Vorstandsvorsitzender.
  • Pankl-ChefWolfgang Plasser mit einem
Rennpleuel.
    foto: pankl

    Pankl-ChefWolfgang Plasser mit einem Rennpleuel.

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