Smash Shits vom Shitkatapult

    3. Februar 2008, 18:01
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    Zehn Lieder über den Suff und ein rosa Elefant - ein Label feiert sein Jubiläum mit Promille, Katzenjammer und der "Reblaus"

    Melanie liegt im Krautsalat, Bernd kommt leergekotzt vom Klo, Holger sitzt da wie die Freizeitgesellschaft, das sieht ja aus hier wie Pearl Harbour ... - das von Rainald Grebe besungene Desaster-Szenario bildet den folgerichtigen Abschluss einer Platte, die sich nur um eines dreht: das Saufen. Inklusive wortgewaltiger Begleittexte wie dem der "Goldenen Zitrone" Schorsch Kamerun über Gute Saufplätze.

    Klar, dass sich bei dem Thema zunächst mal die Spaßfraktion austoben darf - am Anfang stehen die Hamburger Deichkind samt Gast Das Bo mit "Prost" in gewohnter Mischung aus HipHop, Elektro und Kumpelei, und noch ist die Säuferwelt - aus der lediglich die Dirty Dishes mit "Trink ein Cola" promillemäßig aus der Reihe tanzen - in Ordnung. Der musikalische Bogen spannt sich von Dub (eine Coverversion von "Red Red Wine" ... brrrr) über die knochentrockenen Beats von T.Raumschmiere mit Gastsängerin Ellen Alien bis zu einer ziemlich unwahrscheinlichen Version von "Caramba Caracho ein Whisky": bekannt vielleicht von Heino, während hier Anaphie vs. Phlex soundmäßig zur Hauskapelle von "From Dusk Till Dawn" mutieren. Und Helge Schneider ist mit "Allein in der Bar" auch mit dabei. Nicht jeder kann seiner Kombination von Billigorgel und "lustiger" Stimme etwas abgewinnen, aber für manche ist er ein Anreiz, also bitte: HELGE SCHNEIDER HAT MITGEWIRKT!

    Wenn BWLer tanzen, wie soll man das nennen / man muss nicht nur feiern wollen, man muss es auch können

    Herausragend einmal mehr die Berliner/Hamburger Formation Das Bierbeben, die so in etwa die Antithese zum Wort Gemütlichkeit darstellen. Was sie im harschen "Steifheit" einmal mehr beängstigend unter Beweis stellen: NDW-Punk zwischen den (Gegenwart:) Goldenen Zitronen und (Vergangenheit:) Neues Deutschland, ganz groß.

    Das Ende vom Lied gehört wie gesagt dem Kabarettisten Grebe und seinem apokalyptischen Chanson "Die Fete" - danach folgt nur noch die Aufzeichnung eines äußerst seltsamen Telefonats, das um "Biermusik" kreist und wie ein rosa Elefant im Raum steht.

    Zerr doch mal ne Pfütze weg - du wirst dann viel offener / und nicht nur das - sondern auch besoffener

    "SmaShits" bzw. "Smash Shits" ist insgesamt eine sehr deutsche Platte und lehrreich in Sachen idiomatischer Wendungen. Falls deshalb Berührungsängste bestehen - in der umgekehrten Richtung gibt es jedenfalls keine, wie Marc Marcovics versuchte Annäherung an die "Reblaus" beweist.

    Anlass der Compilation war übrigens das zehnjährige Bestehen des in Berlin ansässigen Labels Shitkatapult, das in erster Linie - aber nicht nur - elektronischen Minimalisten Heimat wurde; darunter T.Raumschmiere oder Judith Juillerat. Als eine der letzten Platten, die von der scheidenden Soul Seduction vertrieben wurden, hat sie jetzt noch einen deutlich traurigeren Hintergrund bekommen. Na dann Gute Nacht.
    (Josefson)

    • Verschiedene: "SmaShits" (Shitkatapult 2007)
      coverfoto: shitkatapult

      Verschiedene: "SmaShits" (Shitkatapult 2007)

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