Entsetzen über Anti-Islam-Slogans der FPÖ

3. Februar 2008, 16:23
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Grazer Spitzenkandidatin Winter: Mohammed "ein Kinderschänder" mit "epileptischen Anfällen" – Al-Rawi: "Respektlosigkeit"

Graz – Im Grunde hätten die beiden Treffen synchron geschaltet werden können. Zur selben Zeit in der selben Stadt begingen FPÖ und BZÖ am Sonntag ihre Neujahrstreffen, beide Parteien setzten dabei auf die selben Themen: Ausländer und Islamismus. Und weil kommenden Sonntag in Graz Gemeinderatswahlen anstehen, folgte, was fast zu erwarten war: eine weitere Eskalation.

Dafür sorgte vor allem Susanne Winter, Grazer Spitzenkandidatin der FPÖ. Der islamische Prophet Mohammed wäre nach heutigen Maßstäben gemessen ein „Kinderschänder“, verkündete Winter in der Schwarzlhalle im Grazer Süden. Außerdem sei er ein „Feldherr“ gewesen, der den Koran in „epileptischen Anfällen“ geschrieben habe. Der Islam sei ein „totalitäres Herrschaftssystem“ und gehöre „dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer“.

Entsetzte Reaktionen

Winters Ausfälle lösten entsetzte Reaktionen aus. Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft sprach von „Respektlosigkeit“ und „unwahren Behauptungen“. Das „Islam-Bashing“ habe ein Niveau erreicht, dass es „einem den Magen verdreht und dabei übel wird“.

Harte Kritik kam auch von ÖVP, SPÖ, Grünen – und vom BZÖ, das sich bei seinem Neujahrstreffen allerdings auch nicht zimperlich gab. Den wesentlich dezenter dimensionierten Grazer Musentempel List-Halle hatten die Orangen für ihr Neujahrstreffen gewählt. Aber auch wenn dieser sensible Ort eine neue politische Kultur suggerieren sollte: Die Töne, die da von der Bühne kamen, waren die alten.

„Wenn wir Graz nicht aus der Abwärtsspirale herausholen, bekommen wir hier Pariser Verhältnisse mit brennenden Autos“, behauptete Gerald Grosz, der als Spitzenkandidat um den Einzug in den Gemeinderat läuft. Graz werde von Zuwanderern quasi erdrückt, Grazer fühlten sich nicht mehr wohl, es herrsche ein „Integrationschaos“. Aber das BZÖ werde „für Ordnung sorgen“ und gemäß dem Wahlkampfslogan „Graz säubern“.

Wie in alten Zeiten

Nach der Aufwärmrunde mit Grosz dann der Auftritt Jörg Haiders. Standing Ovations, Bravo-Rufe, Gejohle wie in alten Zeiten. Der eigentliche Parteichef Peter Westenthaler sah später ein bissl alt aus, als er nach Haider aufs Podium kam und nur noch vor einem halben Auditorium sein Programm abspulen musste, während sich die anderen nach der emotionalen Rede des Kärntner Landeshauptmannes längst im Foyer bei Würsteln und Bier abkühlten.

Haider kam gleich zur Sache. „Grüß Gott – noch darf man das ja sagen und nicht ‚Allah ist groß‘“. Dann noch einige Schlüsselwort-Fetzen wie „Wir müssen uns wehren“ oder „Die in der Regierung streiten wie die Zigeuner“, zum Drüberstreuen „Sozialminister Erwin Buchinger, der Sitzpinkler“, und schon war die Stimmung dort, wo der Redner sie haben wollte. Das BZÖ werde verhindern, dass in Österreich Moscheen gebaut werden. Auch sollte Landeshauptleuten die Möglichkeit eingeräumt werden, „Asylanten“ außer Landes bringen zu lassen.

Parteichef Peter Westenthaler ätzte schließlich noch ein bisschen über die Konkurrenten von der FPÖ, die sich am anderen Stadtrand getroffen hatten. Etwas verräterisch nannte er sie „blaue Brüder“. Ein Freud’scher Versprecher? (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 14.1.2008)

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  • Angeheizt wurde die Stimmung beim BZÖ durch Tanzeinlagen inklusive Besen und der Anwesenheit des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider.
    foto: christian mueller

    Angeheizt wurde die Stimmung beim BZÖ durch Tanzeinlagen inklusive Besen und der Anwesenheit des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider.

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    Die Pose täuscht: Für Moslems hat FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter keine offenen Arme. Der Islam solle "hinter das Mittelmeer" zurück.

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