Wie Skifahren richtig teuer wird

7. April 2008, 12:17
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Wer auf der Piste einen Unfall erleidet und nicht vorgesorgt hat, muss mit hohen Kosten rechnen.

"Schifoahn is des Leiwandste ...", hat einst Wolfgang Ambros gesungen. Der Spaß ist mitunter begrenzt: Wer auf der Piste einen Unfall erleidet und nicht vorgesorgt hat, muss mit hohen Kosten rechnen. Bei Alkoholisierung können Versicherungen ihre Haftung sogar begrenzen.

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Wer beim Skifahren sich selbst oder andere verletzt, bringt mitunter auch einen finanziellen Schaden vom Ski-urlaub mit nach Hause. Denn gesundheitliche Folgeschäden eines Freizeitunfalls sind nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung gedeckt. Im Wesentlichen unterscheiden die Versicherer drei Varianten:

  • Ein Skifahrer überschätzt sein Talent, verkantet, stürzt und verletzt sich - also ein Unfall ohne Fremdverschulden. In solch einem Fall deckt die Unfallversicherung den Schaden, die Sozialversicherung kommt für Krankenhauskosten oder ärztliche Betreuung auf. Kosten für eine Bergung oder einen Hubschraubertransport, der zwischen 2000 und 4000 Euro kosten kann, deckt die Sozialversicherung meist aber nicht - diese belasten das private Budget.
  • Wird ein Skifahrer dagegen von einem anderen Pistenfreund gerammt und verletzt, sieht die Sache anders aus: Dann kann der verletzte Skiurlauber Schadenersatzansprüche beim Schadensverursacher geltend machen - vorausgesetzt, der Übeltäter begeht keine "Fahrerflucht"; in diesen Fällen bleibt der Verletzte mit seinem Leid und den Kosten allein.

    Krankenhausaufenthalte werden von der Sozialversicherung übernommen.

    Langzeitschäden, wie etwa eine Invalidität, werden jedoch nicht gedeckt. Für diese muss der Verunglückte selbst aufkommen, so er nicht mit einer privaten Unfallversicherung gegen solche Ereignisse abgesichert ist.

  • Ist man selbst der Übeltäter, der andere Skifahrer verletzt oder deren Ausrüstung beschädigt, deckt die Haushaltsversicherung meist den Schaden. Kaputte Skibekleidung, Brillen, aber beispielsweise auch Zahnersatz werden übernommen.

    Wer abseits der Piste sein Können testet und eine Lawine auslöst, die Personen verletzt oder Sachschaden verursacht, der handelt zwar grob fahrlässig - Schäden werden aber von der Haftpflicht gedeckt. Die Haftpflicht kann bei gerichtlichen Verfahren aber auch begrenzt werden.

    Vorsicht beim Jagatee

    Heikel wird die Haftungsfrage, wenn Alkohol im Spiel ist. Wird eine Alkoholisierung nachgewiesen, kann das zum Verlust des Versicherungsschutzes führen. "In diesen Fällen kann es passieren, dass beispielsweise die Sozialversicherung Regressansprüche stellt", erklärt Gerhard Bernard, Leiter der Abteilung Schaden und Leistung bei der Allianz. Der Verunfallte muss dann die Kosten - oder Teile davon - selbst tragen.

    Kommt es nach einem Ski- oder Snowboardunfall zu einem gerichtlichen Nachspiel, wird übrigens auch geprüft, ob sich der Verursacher an die Pistenregeln der Fédération Internationale de Ski (FIS, siehe Kasten) gehalten hat.

    Der Großteil der Unfälle geschehe aufgrund von Selbstüberschätzung und Unachtsamkeit, sagt Bernard zum Standard. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit erwartet für die Wintersaison 2007/08 mehr als 60.000 Verletzte auf Österreichs Pisten und empfiehlt, beim Skifahren einen Sturzhelm zu tragen. Dadurch würde das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich verringert. "Ist die Helmpflicht gesetzlich verankert und wird sie dann missachtet, kann das im Schadensfall die Haftungsfrage beeinflussen", erklärt Bernard, der sich ebenfalls für die Helmpflicht ausspricht.

    Erik Wolf vom Fachverband der Seilbahnwirtschaft sieht dafür keinen Bedarf mehr: "Die unter Sechsjährigen tragen fast zu 100 Prozent Helme, bei den Erwachsenen haben wir deutliche Zuwachsraten." (Bettina Pfluger, DER STANDARD; Printausgabe, 12.(13.1.2008)

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      Unachtsamkeit und Selbstüberschätzung sind die häufigsten Ursachen für Skiunfälle. Wer nicht ausreichend versichert ist, erhält bei Langzeitfolgen aber keine finanzielle Unterstützung.

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