Organhandel bei Bella Block

20. Februar 2008, 17:46
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Im neuen "Bella Block"-Krimi droht am 8. Februar im ZDF aus China "gelbe Gefahr" - Regisseur Chris Kraus im STANDARD-Interview

Im neuen "Bella Block"-Krimi droht am 8. Februar im ZDF aus China "gelbe Gefahr". Regisseur Chris Kraus sprach mit Doris Priesching über den Reiz des Mürrischen.

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STANDARD: "Bella Block" ermittelt wieder in finsterem Milieu. Wieso mussten es illegale Organentnahmen in China sein?

Kraus: Ich war selbst in China bei einem Filmfestival und habe dort eine Atmosphäre gespürt, die mich sehr bedrückt hat. Wir wurden ständig überwacht. Zur gleichen Zeit sah ich eine BBC-Reportage, die zeigte, wie der Organhandel vom lebend-frischen Material – so nennt man das wohl – zwischen dem Westen und Schanghai abläuft.

STANDARD: Pharmafirmen sind Lieblingsfeindbilder im Krimi. Was macht sie so geeignet?

Kraus: Vielleicht ist es tatsächlich ein abgenudeltes Klischee, mich interessierte der Fall dahinter. Neben der repressiven Stimmung gibt es in China wirtschaftliche Dynamik und Rücksichtslosigkeit gegenüber Menschenrechten.

STANDARD: Womit wir im nächsten Klischee wären, dem der "gelben Gefahr"?

Kraus: Man kann es auch Abstraktionen nennen. Natürlich nähere ich mich nicht "den Chinesen", sondern einer bestimmten Gesellschaftsform. Ich fürchte mich vor der Verbindung zwischen kommunistischem Regime und kapitalistischem System.

STANDARD: Wie war die Zusammenarbeit mit Hannelore Hoger, die in dieser Rolle schon sehr sicher ist?

Kraus: Hannelore Hoger sagte: Überrasch mich doch! Sie ist sehr neugierig, sehr offen und würde nie zulassen, dass man die Figur beschädigt. Das Einzige, was sie genervt hat, waren die bis zu 14 Stunden langen Drehtage.

STANDARD: Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Kraus: Ich habe nicht darum gebeten und habe auch lange überlegt, bis ich zusagte. Ich kannte die Serie davor gar nicht und habe bis jetzt nur drei Fälle gesehen. Zwei gefielen mir sehr, einer nicht, ich sage nicht, welcher das war.

STANDARD: Bella Block ist noch zynischer als sonst.

Kraus: Sie muss diesen sehr dunklen Fall aushalten, dazu ist es wichtig, dass sie niemanden hat, an den sie sich anlehnen kann. Ich habe ihr sehr lakonische, spöttische Züge gegeben, aber man spürt, dass die Frau stark leidet. Ich wollte sie unter dem stärkstmöglichen psychischen Druck setzen. Den muss sie ertragen.

STANDARD: Wie kommen Sätze wie "Sie können den Arsch ins Wasser halten, aber Sie können ihn nicht zwingen zu trinken" zustande?

Kraus: Ein mexikanisches Sprichwort aus meiner Datenbank. Schön, oder?

STANDARD: In der Tat. Wird es weitere "Bella Block"-Krimis von Ihnen geben?

Kraus: Ich würde gerne mit Hannelore Hoger zusammenarbeiten, aber „Bella Block“ werde ich bestimmt nicht noch einmal machen. Das ist aus meiner Sicht auserzählt.

STANDARD: Was, wenn Senta Berger Sie für einen "Unter Verdacht"-Krimi wollte? Kraus: Dann würde ich darüber mit Senta Berger persönlich reden. Es gibt Schauspieler, die ich lieber mag als andere. Mir liegen unzugängliche, mürrische Figuren grundsätzlich mehr. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 12./13.1.2008)

ZUR PERSON:

Nach seinem ersten "Bella Block"-Film inszeniert Chris Kraus in Italien "Fidelio" mit Claudia Abbado. Bekannt wurde der 46-Jährige mit dem Kunst-Beziehungsdrama "Vier Minuten" mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung.

  • Ermittelt unter Organhändlern: Bella Block (Hannelore Hoger) und Sven Pippig in "Reise nach China".
    foto: zdf

    Ermittelt unter Organhändlern: Bella Block (Hannelore Hoger) und Sven Pippig in "Reise nach China".

  • Regisseur Chris Kraus.
    foto: zdf

    Regisseur Chris Kraus.

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