"I Am Legend": Die Schrullen des letzten Menschen

18. Jänner 2008, 14:32
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US-Star Will Smith ist in "I Am Legend" der letzte Überlebende einer Epidemie - Die Neuverfilmung des berühmten Sciencefiction-Romans besticht vor allem durch eine kontemplative Stimmung

Wien – New York und Natur, das passt nicht so richtig zusammen. Nimmt man aber die paar Millionen Menschen weg und lässt die Wolkenkratzer ein paar Jahre allein herumstehen, dann kommt alles zurück– das Gras wächst aus den Gullys, die Hirsche röhren im Central Park, und Löwen reißen die Frauen der Hirsche.

Ein letzter Mensch taucht dann aber doch noch auf in dem apokalyptischen Thriller I Am Legend: Der Biologe Robert Neville (Will Smith) hat ein großes Sterben überlebt. Er ist ganz allein in der großen Stadt. Zum schwachen Trost hat er den Videostore, aus dem er sich täglich einen Film holt, mit Schaufensterpuppen vollgestellt. Die schlanke Schwarzhaarige in der Ecke sollte er demnächst einmal ansprechen. Aber Robert Neville hat nicht den Mut dazu. Alleinsein macht schrullig.

Auf allen anderen Ebenen des Übriggebliebenseins macht er dagegen gute Figur. Er streift mit seinem Hund Sam durch die verwüstete Stadt. Täglich schickt er auf allen offenen Radiofrequenzen eine Nachricht in die Welt hinaus: Ist da noch jemand? Tagsüber ist er anscheinend tatsächlich ganz allein. Nachts aber kommen finstere Kreaturen aus den Löchern. Die "darkseeker" sind die blutleeren Opfer einer grandiosen Epidemie, ausgelöst von einem Virus, von dem sich die Menschheit die Befreiung von der Geisel Krebs erhoffte.

Effiziente Verwertung

Große Lösungen verursachen im Genre der Science-fiction meist große Probleme. So auch hier. I Am Legend beruht auf einem berühmten, gleichnamigen Roman von Richard Matheson, der alle halbe Generation einmal verfilmt wird. Vincent Price (The Last Man on Earth) und Charlton Heston (The Omega Man) haben die Fußstapfen gesetzt, in die Will Smith jetzt tritt. Im gegenwärtigen amerikanischen Spannungskino bildet diese Adaption durch Francis Lawrence eine wohltuende Abwechslung: Das liegt nicht nur an der schlanken Länge von anderthalb Stunden, sondern an einer generellen Effizienz in der Neuverwertung einer Idee, zu der es übrigens eine gar nicht uninteressante bildungsbürgerliche Variante gibt (Herbert Rosendorfers Großes Solo für Anton).

Allein mit Shrek

Wenn es mit dem Menschen zu Ende geht, dann bleiben Ruinen und alte DVDs. Die Geschichte vom Oger Shrek bildet zu I Am Legend einen lustigen Kommentar. Abends, wenn er sein Heim am Washington Square gegen die "darkseeker" fugendicht verriegelt hat, liegt Robert Neville mit Sam in der Badewanne, oder er sieht sich Shrek an. (Hintersinn der Sache ist natürlich auch, dass dort Eddie Murphy den Esel gibt, während hier Will Smith, der seriösere Konterpart im afroamerikanischen Starfach, den Helden gibt.) Im Keller hat Neville ein Labor eingerichtet, in dem er immer wieder neue Gegenmittel gegen das Virus ausprobiert.

Die eigentliche Spannung bezieht I Am Legend aus den Exkursionen in die verwüstete Stadt. Wie ein Robinson Crusoe auf der Insel Manhattan baut sich Neville sein ganz persönliches New York – manchmal tappt er dabei in eine eigene Falle, dann hängt er kopfüber ein paar Stunden einfach so da.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang gibt seine Uhr aber einen Warnton, dann erwacht er aus der Bewusstlosigkeit, schneidet sich akrobatisch selbst vom Seil, fällt hart und entkommt in letzter Sekunde den Bluthunden, die nur auf das Verschwinden des letzten Sonnenstrahls warten.

I Am Legend besteht aus einigen dieser "Nummern", es ist nicht zu übersehen, dass Regisseur Francis Lawrence an kurzen Einheiten geschult ist (er hat Videos für Jennifer Lopez und Britney Spears gedreht). Der Spannungsbogen aber funktioniert auch deswegen, weil der Film bei aller Action fast ein wenig kontemplativ ist – die Welt nach dem Menschen erweckt ein Staunen, das hier durchwegs zu spüren ist. Das hat sicher auch mit New York zu tun, wo die Menschenleere leichter in ein erhabenes Gefühl umschlägt als an einem Ort, der nicht sowieso schon legendär ist. (Bert Rebhandl, DER STANDARD/Printausgabe, 11./12.01.2008)

  • Wenn niemand mehr beim Lesen stört: Will Smith in Francis Lawrence’ Science-fiction-Drama "I Am Legend".
    foto: warner

    Wenn niemand mehr beim Lesen stört: Will Smith in Francis Lawrence’ Science-fiction-Drama "I Am Legend".

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