der schönste Tag der Woche: Texte, verkaterte Politiker und ein Toast

11. Jänner 2008, 16:17
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Diese Kolumne steht ganz im Zeichen von James Joyce und Wilfried Haslauer sen. Um das zu erklären, muss ich weiter ausholen

Am 6.Mai 1882 wurden im Phoenix Park in Dublin die beiden höchsten englischen Beamten in Irland, Staatssekretär Lord Frederick Cavendish und der Unterstaatssekretär Thomas Henry Burke von Anhängern der "Invincibles” erstochen. Fünf Jahre später, als sich der Führer der irischen "Home Rule"-Bewegung, Charles Parnell, am Höhepunkt seiner Popularität befand, wurde er aus durchsichtigen Motiven von der Londoner Times der Mitwisserschaft an diesen Morden beschuldigt. Als Beweis druckte die Zeitung einen angeblich von Parnell verfassten Brief ab, der seine Verwicklung in die Anschläge beweisen sollte. Bei den anschließenden Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Brief eine Fälschung war, und zwar weil Parnell nachweisen konnte, dass er nie "hesitency" statt "hesitancy" geschrieben hätte. Als Fälscher wurde der irische Journalist und "Anti-Parnellist" Richard Pigott entlarvt, der daraufhin aus Irland floh und sich in Madrid eine Kugel in den Kopf jagte. Diese Episode hatte für Joyces Schaffen große Bedeutung, weil sie den Beweis lieferte, dass selbst kleinste orthografische Abweichungen große Folgen haben konnten.

Womit wir direkt bei Wilfried Haslauer sen., dem früheren Landeshauptmann von Salzburg, gelandet wären. Vorausschicken muss man, dass Haslauer ab und zu gerne einen über den Durst trank, was zwar allgemein bekannt war, aber öffentlich nie thematisiert wurde. Um seine Verbundenheit mit der Bevölkerung zu demonstrieren, hielt Haslauer regelmäßig Sprechstunden für die Bevölkerung der fernliegenden Gaue ab, die bereits um fünf Uhr Früh begannen. Bei einer dieser Gelegenheiten bekam der verkaterte Haslauer auch Besuch von einem alten Bergbauern, dessen Schicksal ihn zu Tränen rührte. Da Haslauer Politiker war, wollte er diese Rührung natürlich nicht für sich behalten, sondern einer breiten Öffentlichkeit mitteilen. Zu diesem Zweck gab sein Büro eine Broschüre in Auftrag, in der der LH mit den Worten zitiert wurde: "Einmal war ich sehr betroffen, als ein Bergbauer etc. etc." Den Angestellten der Druckerei war dieser Text ein bisschen zu trocken, weshalb sie sich zu einer minimalen Korrektur entschlossen. In der Broschüre, die flächendeckend im ganzen Land verteilt wurde, las sich Haslauers Lamento dann so: "Einmal war ich sehr besoffen, als ein Bergbauer etc. etc." Woran man sieht, dass der Weg von der Betroffenheit zur Besoffenheit oft kürzer ist, als man denkt. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, aus Anlass des 67. Todestags von James Joyce das Glas auf ihn zu erheben, gemäß seines (und Haslauers) Motto: "Ach, warum nicht lustig sein, Whiskey trinken, Bier und Wein." (Kurt Palm, ALBUM DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.01.2008)

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    foto: michaela mandl
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