Meinl sorgte mit Dividende vor

5. Februar 2008, 14:47
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Die Familie Meinl soll 2007 rund zwölf Millionen Euro Zwischendividende aus ihrer Bank bezogen haben, bei MEL sehen Analysten kursmäßig wieder Land in Sicht

Wien – Die Aktionäre der Meinl Bank, die der Familie Meinl zuzurechnende niederländische Gesellschaft Belegging-Maatschappij Far East (hält 11.999 Aktien) und die Wiener Julius Meinl Versicherungsservice & Leasing GmbH (eine Aktie) haben sich für 2007 eine Zwischendividende auszahlen lassen. Sie soll in der Höhe der Interimsdividende (die darf der Vorstand nach dem ersten Halbjahr gemäß § 54a Aktiengesetz mit Zustimmung des Aufsichtsrats unter bestimmten Bedingungen zahlen) des Jahres 2006 gelegen sein – damals waren es rund zwölf Millionen Euro. Bank-Aufsichtsrat und Ex-Präsident, Walter Jakobljevich, hat jüngst geraten, für 2007 solle "keine weitere Dividende" mehr fließen.

Üblicher Vorgang

Die Auszahlung von Interimsdividenden ist bei der Meinl Bank durchaus üblich. Im Jahr 2006 (Bilanzgewinn: 89 Mio. Euro; davon 72,5 Mio. Euro Gesamtdividende) waren es 12,5 Mio. Euro gewesen, die die Aktionäre vorweg bekommen hatten. Im Jahr 2005 (Gewinn: 60 Mio. Euro) waren es fünf Mio. Euro gewesen. Der Sprecher der Meinl Bank, Herbert Langsner, bestätigt den Betrag für das gerade zu Ende gegangene Geschäftsjahr nicht, er verweist auf den nächsten Geschäftsbericht. Aus dem Geschäftsbericht für 2006) geht auch hervor, dass der aus drei Personen bestehende Gesamtvorstand (unter Führung von Julius Meinl V., der neuerdings Aufsichtsratschef und Konsulent ist) 8,5 Mio. Euro verdient hat. Ungefähr drei Millionen davon sollen auf Julius Meinl entfallen sein; diese Gage bleibt ihm auch in seiner neuen Funktion erhalten.

Fürstliche Gage

Zum Vergleich: Der sechsköpfige Vorstand der börsenotierten Raiffeisen International bekam 6,8 Mio. Euro. Die ansehnliche Entlohnung der Chefs der Privatbank liegt auch an deren Satzung, wonach die Hauptversammlung "berechtigt ... ist, den Vorstandsmitgliedern aus dem Jahresgewinn Tantiemen nach freiem Ermessen auszuschütten". Angesichts der Turbulenzen rund um Meinl European Land (MEL) und der Vor-Ort-Prüfung in der Bank verdichten sich die Gerüchte, Meinl denke intensiv über einen Verkauf seines Instituts nach. Sein Sprecher dementiert das ("Das ist kein Thema") – Interessenten, etwa aus dem Raiffeisenbereich und dem Ausland, gibt es laut Wiener Bankern aber. Die private Wiener Bank Winter etwa interessiert sich für den Bereich strukturierte Geschäfte und Handelsfinanzierungen.

Etwas Hoffnung gibt es für die geplagten MEL-Aktionäre. Eine Nomura-Analyse stuft die Ostimmobilien-Entwickler auf "buy" hoch, sieht das Kursziel der "gut finanzierten Gruppe" bei 12,5 Euro (aktueller Kurs: 8,32 Euro), den Net Asset Value (derzeit: 15,1 Euro) in drei Jahren bei 22,2 Euro. Der Aktienrückkauf ohne vorherige Information für die Aktionäre ist den Analysten "unverständlich". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2008)

  • Julius Meinl V. soll einen Verkauf der familieneigenen Bank andenken. Er selbst dementiert das, Interessenten für Teilbereiche der Meinl Bank gibt es aber – so etwa die Wiener Privatbank Winter.
    foto: standard/hendrich

    Julius Meinl V. soll einen Verkauf der familieneigenen Bank andenken. Er selbst dementiert das, Interessenten für Teilbereiche der Meinl Bank gibt es aber – so etwa die Wiener Privatbank Winter.

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