Steirer startet Volksbegehren für Pflegeamnestie: "Heuchelei der Politik"

11. Jänner 2008, 16:01
14 Postings

Politik momentan von "purem Populismus und Eigeninteresse" getrieben

Was Klaus Katzianka am meisten fuchst: Jene, die es wirklich betrifft, hätten keine Möglichkeit zu unterschreiben. Eben jene – seiner Schätzung nach – 60.000 Menschen, die in Österreich zu Hause rund um die Uhr gepflegt werden müssen.

Diese hätten keine Chance, aufs Amt zu gehen und das Volksbegehren, das er am Donnerstag gestartet hat, zu unterstützen. Der Inhalt seiner Initiative, für die Katzianka bis April 8000 Unterschriften sammeln will: Die Pflegeamnestie solle verlängert werden, um den Betroffenen „die Angst zu nehmen“. Zudem soll ein nationaler Pflegegipfel mit allen Beteiligten „offen, fair und ehrlich“ die „gewaltigen Probleme der Pflege“ zu klären versuchen.

Kritik

Katziankas Vorstoß löst auch Kritik aus. Ihm wird vorgehalten, er agiere ausschließlich pro domo, eben, weil er einen Pflegedienst mit slowakischen Pflegerinnen („Euro-pflege“) aufgezogen habe.

Da ist aber noch etwas anderes. Der Leobner Katzianka ist seit seiner Geburt behindert und braucht seitdem Pflege und Betreuung rund um die Uhr. Und da diese in Österreich in der Form nicht möglich sei, habe er eben versucht, sich die nötige Betreuung anders zu organisieren. Wie es tausende weitere Österreicher seit gut 20 Jahren machen. Katzianka im Gespräch mit dem Standard: „Es war einfach Hilfe zur Selbsthilfe. Ich brauche das.“ Zuvor hatten sich die Familienmitglieder und Freunde aus der Musikbranche, in der er tätig war, um ihn gekümmert.

"Heuchelei der Politik"

In Kenntnis der tatsächlichen Bedürfnisse Betroffener gehe ihm „diese Heuchelei der Politik", die sich am Thema Pflege und dem realen Leben vorbeischwindle, „so auf die Nerven“. Katzianka: „Ich bekomme so viel Zustimmung und Aufmunterung aus ganz Österreich, das sollte doch den Politikern zu denken geben.“ Momentan seien sie von „purem Populismus und Eigeninteresse“ getrieben. Katzianka: „Was wäre denn, wenn, sagen wir, 5000 Betroffene plötzlich in ein Heim wollten? Das ginge schon rein logistisch nicht.“

Seit zwei Jahrzehnten habe man zugeschaut und das Pflegegeld deswegen erfunden, glaubt der Steirer. Die jetzige Regelung mit selbstständiger und unselbstständiger Pflege sei jedenfalls völlig irreal. Katzianka: „So, wie es jetzt bestimmt ist, dürften die Pflegerinnen ja nicht einmal Kleider wechseln, waschen, füttern und schon gar keine Medikamente geben, ohne Gesetze zu verletzen.“ (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe 11.1.2008)

  • Der Steirer Klaus Katzianka kritisiert den „Populismus“ der zuständigen Politiker.
    foto: www.bigshot.at

    Der Steirer Klaus Katzianka kritisiert den „Populismus“ der zuständigen Politiker.

Share if you care.