Siemens-Modell made in Austria

18. Jänner 2008, 10:30
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Konzern-Chef Peter Löscher möchte die Osteuropa-Verant- wortung von Siemens Österreich stärken. In der Schmiergeldaffäre will er hart durchgreifen

"Siemens Österreich ist ein Erfolgsmodell, auf das wir stolz sind. Wir wollen die Regionalverantwortung ausbauen und das Modell auch in anderen Erdteilen anwenden." Mit diesen Worten reagierte der neue Siemens-Chef Peter Löscher auf einen aktuellen STANDARD-Bericht, wonach die Österreich-Tochter im Zuge der Konzernreorganisation an "eine kürzere Leine" genommen werden soll. Die Stärke von Siemens AG Österreich (SAGÖ) liege vor allem in der Innovationskraft und hier in der hervorragenden Vernetzung mit der heimischen Forschung, betonte der gebürtige Kärntner, der seit einem halben Jahr an der Siemens-Spitze steht.

Löscher stellte vor einer kleinen Gruppe österreichischer Journalisten sogar in Aussicht, dass weitere osteuropäische Länder in den Verantwortungsbereich seiner Österreich-Statthalterin Brigitte Ederer wandern könnten – und damit meine er nicht den Kosovo nach einer Unabhängigkeit. Das Modell der Regionalverantwortung komme bereits in Lateinamerika zur Anwendung und könnte als nächstes in Asien umgesetzt werden.

Kurz vor dem Pressetermin hatte Löscher mit Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner eine weitreichende Kooperationsvereinbarung für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi unterschrieben. Vertragspartner sei zwar die Siemens-Mutter, aber die Umsetzung sei in den Händen von Siemens Österreich und Siemens Russland, sagte Löscher.

"Neue Führungskultur"

Zentrales Thema für den Siemens-Chef ist die neue Führungskultur, mit der Löscher einen Schlussstrich hinter die Korruptionsaffäre ziehen will. "Führungskultur heißt, Verantwortung zu übernehmen – für alles, was passiert", distanzierte sich Löscher von der Verteidigungslinie seiner Vorgänger Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld, die immer wieder betont hatten, von den Schmiergeldzahlungen nichts gewusst zu haben. Wie die Süddeutsche Zeitung am Mittwoch berichtete, erwägen Siemens-Aufsichtsräte, dem früheren Vorstand die Entlastung zu verweigern, um sich die Möglichkeit für Schadenersatzansprüche offenzuhalten. Schon zuvor hatten Siemens-Anwälte Ex-Manager aufgefordert, gegen solche Ansprüche, die eine Mrd. Euro ausmachen könnten, keine Verjährung geltend zu machen.

Löscher betonte den gewaltigen Schaden, den die Affäre dem Konzern zugefügt hat – finanziell und moralisch. Sein radikaler Ansatz – "wir werden alles umfassend aufklären", verspricht Löscher – habe dazu geführt, dass die Stimmung unter den Mitarbeitern nun "extrem gut" sei. Nun würden die schon seit Jahren bestehenden internen Antikorruptionsregeln konsequent umgesetzt und keinerlei unsaubere Geschäfte mehr betrieben werden.

Zum Geschäftsgang bleibt Löscher zuversichtlich: Der Konzernumsatz werde doppelt so rasch steigen wie die Weltwirtschaft, das Ergebnis doppelt so schnell wie der Umsatz. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.01.2008)

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