Lauders Kategorien

14. Jänner 2008, 15:35
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Für die Kategorie der "Oh-my-god-Bilder" trennt sich Ronald S. Lauder jetzt von einigen "Oh-Bildern"

Am 4. Februar gelangen sieben Papierarbeiten Egon Schieles aus seinem Besitz zur Auktion.


New York – Für ihn gäbe es drei Kategorien von Bildern: "Oh-Bilder", "Oh-là-là-Bilder" und die "Oh-my-god!"-Versionen. So tat Ronald S. Lauder in 3sat im Rahmen eines Berichts zur aktuellen Ausstellung in der Neuen Galerie kund. Letztere Kategorie ist ihm die liebste, und das stellte er ja mit seinem 135-Millionen-Dollar-Engagement für das Porträt Adele Bloch-Bauer I deutlich unter Beweis.

Und das fordert entsprechenden Tribut. Denn die Finanzierungshilfe für den Deal kam von Christie’s. Seit Juni 2006 trennt sich Lauder immer wieder von so manchen Schätzen. Auch bei der legendären Abendauktion am 8. November 2006 – als Adele Bloch-Bauer II für 68,7 Millionen Euro (87,93 Mio. Dollar) in anonymen Besitz wechselte – standen drei Arbeiten Egon Schieles im Angebot. Ihr Verkauf war Teil des Deals gewesen. Die dafür eingenommenen 35 Millionen Dollar reichten allerdings nicht für den in der gleichen Sitzung getätigten Einkauf, als man etwas mehr denn 38 Millionen Dollar für Ernst Ludwig Kirchners Berliner Straßenszene berappte. Es waren und werden nicht die letzten Verkäufe und Neuakquisitionen der Neuen Galerie sein.

Noch vor der offiziellen Verlautbarung liegen dem Standard Informationen vor, wonach am 4. Februar 2008 bei Christie’s in London weitere Lauder-Odien auf den Markt gelangen. Offiziell will das zuständige Department diese Provenienz nicht bestätigen, wohl aber, dass die sieben Papierarbeiten Egon Schieles zugunsten der Neuen Galerie versteigert werden.

"Ein Privatsammler, der vergangene und künftige Akquisitionen unterstützen möchte", so die einzigen Matthew Stevenson entlockbaren Details. Die Mehrheit der aktuellen Auswahl fand sich bereits 2005/2006 in der aus Lauder- und Sabarsky-Besitz generierten Ausstellung zum Œuvre Egon Schieles. Die Gesamterwartungen beziffert Christie’s aktuell mit rund 7,6 Millionen Pfund (10,14 Mio. Euro).

"Die meiste Aufmerksamkeit wird wohl der Liegenden Frau mit roter Hose und dem Stehenden weiblichen Akt von 1912 erhalten", taxiert auf 2–3 Millionen Pfund, "und natürlich das Selbstbildnis (rückseitig: Liegende Frau), ist der Direktor des Londoner Departments Impressionist & Modern Art überzeugt.

Letzteres Blatt dreht seine nunmehr dritte Runde auf dem Auktionsparkett: 1981 (New York) und 1995 (London) kam es bei Sotheby’s unter den Hammer, bei der zuletzt genannten Auktion wechselte es für 320.000 Pfund (370.000 Euro) in den Besitz Serge Sabarskys. Aktuell liegen die Erwartungen bei 0,8– 1,2 Millionen Pfund, umgerechnet 1–1,6 Millionen Euro.

Die deutliche Differenz ist für Stevenson leicht erklärbar – "Selbstporträts sind sehr stark gefragt" –, und er nennt das jüngste Sotheby’s-Ergebnis als Benchmark. Im November 2007 bewilligte der amerikanische Handel für das aus der Sammlung Nebehay stammende Blatt (1917) stolze 11,35 Millionen Dollar (5,4 Mio. Pfund / 7,8 Mio. Euro). Auf amerikanischem Boden ist dies Rekord, in Europa aufgrund der Wechselkursschwankungen nicht, da steht noch immer Christie’s an der Spitze: Kniender Halbakt von 1917, der Lauder in erwähnter Herbstauktion 2006 satte 8,76 Millionen Euro (5,9 Mio. Pfund / 11,21 Mio. Dollar) bescherte. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.1.2008)

  • Bis zu 3 Mio. Pfund soll "Liegende Frau mit roter Hose" Ronald S. Lauder am Abend des 4. Februar 2008 bei Christie’s (London) bringen.
    foto: christie’s

    Bis zu 3 Mio. Pfund soll "Liegende Frau mit roter Hose" Ronald S. Lauder am Abend des 4. Februar 2008 bei Christie’s (London) bringen.

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