Nicht alles ist bunt im "Universum"

21. Jänner 2008, 13:24
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Mit vier Eigenproduktionen allein im Jänner macht die "Universum"-Redaktion auf sich aufmerksam

Sparzwänge treffen auch sie, zum Leidwesen der Naturfilmer. Die Gebührenerhöhung könnte Entspannung bringen.

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Wien - Nicht immer sind es Viecherln, manchmal interessiert auch der Mensch in "Universum": die Vinschgauer zum Beispiel. Hoch über den Tälern treffen sich jedes Jahr im Februar die Jungbauern zum "Scheibenschlagen". Auf langen Speeren spießen sie glühende Holzscheiben auf und schleudern sie über eine Rutsche in die Tiefe. Naturfilmer Manfred Corrine setzt das farbenstarke Spektakel, mit dem böse Geister vertrieben werden sollen, eindrucksvoll und hochauflösend in Szene.

Gegen böse Geister

"Mythen der Alpen" am Donnerstag ist die erste von vier "Universum"-Eigenproduktionen im Jänner. Eine ungewöhnlich hohe Dichte, mit der möglicherweise Walter Köhler gegen seine ganz speziellen böse Geister ankämpft. Zuletzt musste der langjährige "Universum"-Chef massive Budgetkürzungen hinnehmen. Statt geplanten zwanzig Eigenproduktionen pro Jahr sollen es 2008 vier weniger sein. Die wurden vorerst auf 2009 verschoben. À la longue würden so einige Projekte ganz auf der Strecke bleiben.

"Diese Kürzung werden wir mittragen. Sie ist lebensnotwendig für den ORF. Aber irgendwann können auch wir nicht mehr, ohne internationale Verträge nicht zu erfüllen." Schießt sich der ORF da nicht ins eigene Knie? Mit "Universum"-Produktionen erzielt die Anstalt schließlich 40 Prozent seiner Verkaufserlöse. Die beschaulichen Naturbilder verkaufen sich in alle Welt. Warum Generaldirektor Alexander Wrabetz ausgerechnet die Cashcow beschneiden will? "Das habe ich ihn auch gefragt. Ich bin mit dem Generaldirektor in gutem Einvernehmen und überzeugt, dass eine Grenze eingehalten wird. Aber hinter mir steht halt nicht der ÖFB." Köhler spielt auf die EURO an, die 2008 im ORF den Ton angeben wird.

Für die Naturfilmer, die am Produkt bis zu vier Jahre arbeiten, wäre die Kürzung ein schwerer finanzieller Schlag. Die prekäre Situation der Filmwirtschaft trifft auch sie: "Eine längere Nichtproduktionslücke ist schwieriger zu tragen, weil die Produktionszeiten länger sind", erklärt Köhler. Mit der bevorstehenden Gebührenerhöhung könnte aber alles gut werden und sich die Sparzwänge des ORF in nichts auflösen. Ob die "Universum"-Filme etwas davon haben, ist nicht fix. Köhler ist optimistisch: "Ich gehe schon davon aus, dass wir davon profitieren." (Doris Priesching/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2008)

---> "Wir haben es zum Glück nicht notwendig"

"Wir haben es zum Glück nicht notwendig"

Diskussion um bezahlte Produktionen: Bei "Universum" unerlässlich

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Wien - Die Diskussion um Georg Rihas umstrittenen Pausenfilm bringt auch die "Universum"-Dokus ins Gespräch. Riha ließ Fußbälle gen Osten fliegen, nur Bundesländer, die mitzahlten, kamen vor.

Heimische Naturschönheiten, für die Bund, Länder und touristische Vereine gutes Geld hinblättern und damit über ORF-Programm Tourismusförderung betreiben: Das trifft so gesehen auch auf die meisten "Universum"-Produktionen zu. "Universum"-Chef Walter Köhler hält dagegen: "Ohne Unterstützung wäre die Realisierung viel schwieriger zu leisten. Qualität kostet." Durch längere Drehtage oft mehr als jeder Fictionfilm. Der ORF steuerte bisher bis zu 200.000 Euro pro Naturfilm bei, der Rest - manchmal zusätzlich zwei Drittel - kommt von Förderfonds aus Bund und Ländern oder eben direkt von Vereinen. Die Idee für einen Film käme aber im Normalfall vom Naturfilmer, betont Köhler. Heimische Touristiker meldeten zwar mitunter Begehrlichkeiten an, der "Universum"-Chef pflegt höflich, aber bestimmt abzulehnen. "Wir haben es zum Glück nicht notwendig."

Abwechslungsreich ist die Liste der Koproduzenten für die Jänner-Dokumentationen:

Mythen der Alpen: Manfred Corrine zeigt am Donnerstag geheimnisvolle Sagen. ORF, Arte und Unterrichtsministerium produzieren mit.

Der Schatz der Hohen Tauern: Für Murmeltier und Adler am 15. Jänner zahlten unter anderem "Freunde des Nationalparks Hohe Tauern".

Die Traun - Ein Fluss wie ein Kristall: Erich Pröll setzt am 17. Jänner Fliegenfischen in Szene. Oberösterreichs Landesfischereiverband steuerte bei.

Grenzen der Zeit: Alfred Vendl macht am 24. Jänner Be- und Entschleunigung sichtbar. BR, Arte und Unterrichtsministerium finanzierten gemeinsam. (prie/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 1. 2008)

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Fliege in Zeitlupe: "Grenzen der Zeit" lotet Naturfilmer Alfred Vendl aus. Sparzwänge bringen "Universum" ans Limit.
    foto: orf/av dokumenta

    Fliege in Zeitlupe: "Grenzen der Zeit" lotet Naturfilmer Alfred Vendl aus. Sparzwänge bringen "Universum" ans Limit.

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