ÖVI macht Druck auf Politik

9. Jänner 2008, 17:02
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Verband der Immobilientreuhänder fordert Lösungen für offene Fragen um Energieausweis und Ausmalpflicht - Eigentum legte seit 2001 um 20 Prozent an Wert zu

"Die Wohnkosten steigen einfach": Udo Weinberger, Präsident des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder (ÖVI), wehrte sich am Mittwoch auf der Jahresauftaktpressekonferenz des ÖVI gleich zu Beginn gegen die "Panikmache der Arbeiterkammer", wonach überproportionale Mietpreiserhöhungen schuld seien an den steigenden Wohnkosten. "Preistreiber sind vor allem gemeindefinanzierende Abgaben wie Wasser und Müll, aber auch die hohen Energiekosten."

Und der ÖVI-Präsident machte gleich noch auf etwas anderes aufmerksam: Dass sich nämlich die Wohnqualität in den letzten 35 Jahren ebenso exorbitant verbesserte, wie auch der durchschnittliche Flächenbedarf pro Bewohner seither angestiegen ist. So war etwa im Jahr 1971 noch die überwiegende Anzahl der Wohnungen solche der Kategorie B und D, während 2005 schon fast 90 Prozent auf Kategorie-A-Standard waren. "Und der durchschnittliche Flächenbedarf hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt" – von 21 m² pro Person 1971 auf 37 m² im Jahr 2001.

Wertsteigerungen

Von der US-Hypothekenkrise erwartet man beim ÖVI keine Auswirkungen auf den österreichischen Immobilienmarkt. "Das ist mehr eine Banken- als eine Immobilienkrise", so Weinberger. "Selbst wenn die USA in eine Rezession abrutschen sollten, ist für den österreichischen Markt wenig zu befürchten. Im Bereich der Projektabwicklung und der Immobilienveranlagung wird es aber sicherlich darauf zurückführende Veränderungen geben." Es müssten etwa all jene, die ihr Haus überwiegend über Kredit finanzieren, mit Zinsaufschlägen rechnen.

Wer bereits im Besitz von Wohnungseigentum ist, darf sich über schöne Wertzuwächse freuen: Gebrauchte und neue Eigentumswohnungen legten in den vergangenen Jahren im Durchschnitt um rund 20 Prozent an Wert zu, während die Inflation in diesem Zeitraum bloß 14,3 Prozent betrug.

Konferenz diskutiert freiwillige Normen

Der ÖVI ist ein Verband mit freiwilliger Mitgliedschaft, die Mitgliedsunternehmen müssen bestimmte Standards einhalten. So gibt es etwa für ÖVI-Mitglieder schon seit 29 Jahren die Verpflichtung, eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung abzuschließen. Mit der jüngsten Gewerbeordnungsnovelle wurde diese Verpflichtung nun allen österreichischen Immobilientreuhändern auferlegt, wie Weinberger nicht ohne Stolz erzählte.

Zur anhaltenden Diskussion um die Maklerprovisionen (in der Regierungserklärung wurde festgeschrieben, dass diese auf maximal zwei Bruttomonatsmieten gekürzt werden sollten, Anm.) sieht man beim ÖVI relativ gelassen. "Es wird immer mehr an Haftung an den Makler abgegeben – das muss auch abgegolten werden", verteidigte Geschäftsführer Anton Holzapfel einerseits die derzeitige Praxis, wonach der Makler bis zu drei Monatsmieten an Provision verrechnen darf. Andererseits könnte diese Frage ohnehin bald entschieden werden, und zwar durch entsprechenden Druck der EU-Kommission auf die Republik Österreich, die derzeit noch geltende Höchstpreisverordnung aufzuheben, so Holzapfel.

Europaweit gut vernetzt ist der ÖVI ohnehin, nicht nur, weil ÖVI-Vizepräsidentin Margret Funk derzeit auch Präsidentin des europäischen Maklerverbandes CEI ist. Ende Jänner findet in Brüssel eine zweitägige Konferenz der CEI (Conféderation Europénne de l'Immobilier) statt, wo über das Thema "Selbstregulierung vs. EU-Richtlinie" diskutiert wird. Konkret wird es darum gehen, "ob freiwillige Normen das Instrument der Zukunft sind, um Unsicherheiten des Konsumenten aus Deregulierungen abzufangen?", wie Funk am Mittwoch berichtete. Als nächster Schritt sollen Zertifizierungssysteme aufgebaut werden, "um den Kunden gegenüber die Einhaltung der Normen auch zu dokumentieren".

Kompromiss beim BTVG

Zufrieden zeigte man sich beim ÖVI mit dem erzielten Kompromiss in Sachen Bauträgervertragsgesetz (BTVG). Die Verabschiedung desselben steht zwar im Parlament erst für heuer an, in vom Justizministerium "in herausragender Weise" moderierten Gesprächen sei es im November aber gelungen, mit den Sozialpartnern einen "tragfähigen Kompromiss" zu erreichen, so ÖVI-Bauträgersprecher Klaus Wolfinger.

Wichtigster Punkt ist dabei ein Haftrücklass von zwei Prozent des Kaufpreises, der Käufern einer Wohnung ihre Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüche sichern helfen soll. Falls der Wohnungskäufer den Preis in Raten entsprechend dem Baufortschritt zu entrichten hat, kann der Bauträger künftig außerdem zwischen zwei Varianten wählen: Entweder begnügt er sich in der Rohbauphase mit geringeren Raten, oder er stellt dem Erwerber zusätzlich eine Garantie oder Versicherung in Höhe von zumindest zehn Prozent des Preises zur Verfügung, mit der Mehrkosten bzw. sonstige Schäden aus der Verzögerung oder Einstellung des Bauvorhabens abdeckt werden können.

Offene Fragen: Energieausweise, Ausmalpflicht

Diese Lösungskompetenz seitens der Politik wünscht man sich beim ÖVI auch in anderen offenen Fragen beim Wohnrecht. So sei in Sachen des ab 1.1.2009 auch für den gesamten Gebäudebestand nötigen Energieausweises (muss bei Vermietung oder Verkauf vorgelegt werden, Anm.) etwa noch völlig unklar, wer im Miethaus für die dafür anfallenden Kosten aufkommt, ebenso in einer Wohnungseigentumsanlage, wenn beispielsweise mehrere Eigentümer nicht mitzahlen wollen, weil sie nicht vorhaben, zu vermieten oder zu verkaufen.

Auch die technische Umsetzung in den Bauordnungen ist in den meisten Bundesländern noch nicht erfolgt, kritisierte ÖVI-Geschäftsführer Holzapfel, der die Gesetzgeber dazu aufforderte, "rasch für die notwendigen Bestimmungen zu sorgen, damit nicht am Ende des Tages ein Chaos wie bei den Postkästen eintritt".

Schließlich wünscht sich Udo Weinberger auch in der Frage "Ausmalpflicht – ja oder nein?", dass die Politik klare Richtlinien bereit stellt. "Zuletzt hat eine weitere Entscheidung des OGH gezeigt, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Unter bestimmten Bedingungen ist es sehr wohl zulässig, die Ausmalverpflichtung zu vereinbaren", so der ÖVI-Präsident. (map, derStandard.at, 9.1.2008)

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ÖVI
  • Offene Fragen: Umsetzung des Energieausweises, Ausmalpflicht für Mieter nach dem Auszug - hier wünscht sich der ÖVI einmal mehr "Klarstellung".
    foto: standard, montage: derstandard.at

    Offene Fragen: Umsetzung des Energieausweises, Ausmalpflicht für Mieter nach dem Auszug - hier wünscht sich der ÖVI einmal mehr "Klarstellung".

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