Zug um Zug ein Streit

9. Jänner 2008, 00:04
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Die Wiener ÖVP macht den neuen Westbahnhof zum Thema im Verkehrsausschuss und will von der regierenden SPÖ, dass dort weiterhin Fernzüge ankommen und wegfahren

Wien – Mit dem Plan, dass der Wiener Westbahnhof nach der Umgestaltung zur BahnhofCity Wien West 2011 ein Regionalbahnhof werden soll, will sich die Wiener ÖVP nicht abfinden. In einem Beschlussantrag, den sie noch im alten Jahr im Gemeinderat einbrachten, forderten Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl und Planungssprecher Alfred Hoch den für Verkehr zuständigen Stadtrat Rudi_Schicker (SP) auf, ein Nah- und Fernverkehrskonzept zu entwickeln. Das Thema wird im Verkehrsausschuss der Stadt am Mittwoch diskutiert.

2004, als die ersten Pläne zur Neugestaltung standen, wurde der Stadt Wien von der ÖBB mitgeteilt, dass der Westbahnhof einmal pro Stunde mit Fernverkehrszügen bedient werden soll, um so auch die Erreichbarkeit der westlichen Bezirke zu gewährleisten. Doch 2007 hatte ÖBB-Generaldirektor Martin Huber verkündet, dass der Westbahnhof nur mehr regionalen Charakter haben werde, die Fernzüge künftig also vom Hauptbahnhof, dem jetzigen Südbahnhof, fahren werden.

In der Beantwortung auf die VP-Anfrage der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung), die Gerstl am Montag erhielt, hieß es: "Die Magistratsabteilung 18 wurde über diese Änderungen in der Konzeption im Zuge der regelmäßigen Abstimmungsgespräche jedenfalls nicht informiert – offenbar aus dem immer wieder vorgebrachten Grund der eigenwirtschaftlichen Erbringung des Fernverkehrs." Letzteres bedeute, "dass der Fernverkehr Sache der ÖBB ist und Wien nichts angeht", interpretiert Gerstl.

"Die Stadt stellt sich nicht auf die Füße", kritisiert der VP-Verkehrssprecher, der befürchtet, dass der Individualverkehr in den westlichen Bezirken steigen werde und es dort zur Verminderung der Lebensqualität kommen könnte. Denn wegen mangelnder Anbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln aus den Bezirken 18 bis 23 an den Wiener Hauptbahnhof würden die Reisenden wahrscheinlich doch ins Auto steigen, vermutet er. "Die 30 Minuten, die man sich durch den Lainzer Tunnel erspart, um vom Hauptbahnhof schneller nach Salzburg zu kommen, gehen im Stadtverkehr verloren", sagte Gerstl.

Fernzüge nach Wien West

Die ÖBB kann die Befürchtungen des VP-Politikers nicht nachvollziehen. Es werde nämlich nach wie vor "der eine oder andere Fernzug am Westbahnhof ankommen", sagte ÖBB-Sprecherin Bettina Gusenbauer. Außerdem werde die Westbahn viergleisig ausgebaut, was bedeutet, dass zwei Gleise dazukommen.

Nach dem Ausbau werden auch die Intervalle der S 50 (Tullnerbach-Pressbaum–Westbahnhof) verdichtet, sagte eine Sprecherin von Stadtrat Schicker. Wenn der Lainzer Tunnel 2013 eröffnet und die Fernverkehrszüge vom Hauptbahnhof abfahren, würde man in Kooperation mit Niederösterreich das Einzugsgebiet des Westbahnhofs ausweiten. (Marijana Miljkoviæ/ DER STANDARD, Printausgabe, 9. Jänner 2008)

  • Das Gelände des Westbahnhofs ist momentan noch eine große Baustelle.
    foto: der standard/ regine hendrich

    Das Gelände des Westbahnhofs ist momentan noch eine große Baustelle.

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    Und so wird der geplanten 'BahnhofCity Wien West' einer computergenerierte Visualisierung nach aussehen.

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