Am Arsch der Welt

29. Februar 2008, 21:03
1 Posting

"Mord mit Aussicht" und Fremdgehen in der Provinz: Der Tag des nächsten Kommissars als Crocodile Dundee wird kommen ...

Unlängst wurde an dieser Stelle darüber spekuliert, was es mit dem Heimkommen im Fernsehen so auf sich hat und warum sich Fremdgehen in der Provinz nachhaltiger Beliebtheit erfreut. Nächster aktueller Anlassfall, diese Überlegungen noch nicht zur Seite zu schieben: Caroline Peters als Kommissarin Sophie Haas, die Montagabend in "Mord mit Aussicht" (ARD) mit rotem Cabrio in Hengasch in der Eifel einfuhr.

Dass sich der Ortsname vom topografischen Hängearsch ableiten soll, darauf sind die Leute hier schon beinahe stolz, und wer aus Köln kommt, glaubt das auch noch. Ungelöste Fälle gibt es freilich auch am Arsch der Welt: Nachts werden Kühe von feiger Hand umgestoßen. Muttererde verschwindet von der Baustelle. Im Wirtshaus gibt es nur Mineral mit Sprudel. Da verwunderte das spurlose Verschwinden des Ortsvorstehers nicht weiter.

Weniger als um die üblichen Provinzklischees ging es einmal mehr um die falsche Annahme, dass das Vertraute zu schätzen weiß, wer die Fremde entdeckt. Früher schickte man die Jungen auf die Stör, heute müssen sich die Heißblütigen und Hyperaktiven zwischen Alaska und dem Salzkammergut abstrampeln. Sie bezahlen für ihre Unangepasstheit und lernen fürs Leben, vor allem, wenn es sich um Frauen mittleren Alters handelt. Ohne also in die laufende STANDARD-Abstimmung über die beste TV-Ermittlerin eingreifen zu wollen: Der Tag des nächsten Kommissars als Crocodile Dundee wird kommen. (pek/DER STANDARD; Printausgabe, 9.1.2008)

  • Artikelbild
    foto: wdr
Share if you care.