Finanzkrise treibt Wiener Büropreise

9. Jänner 2008, 11:39
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Weil weniger neue Projekte finanziert werden, steigt die Nachfrage nach den vorhandenen Flächen - Preise könnten heuer um zehn Prozent zulegen

Wien - So paradox es auch klingt: Aber für den Wiener Büroimmobilienmarkt bedeutet die internationale Finanzkrise anhaltenden Aufschwung. "Der Wiener Büromarkt befindet sich in der besten Situation seit langem", erklärte der Geschäftsführer der CPB Immobilientreuhand GmbH, Michael Ehlmaier, am Dienstag. Weil die Kreditkrise die Banken bei der Finanzierung neuer Bauprojekte sorgfältiger auswählen lässt, werden Neuflächen nicht in dem Tempo geschaffen, wie die Nachfrage steigt - was wiederum die Mieten hoch hält.

Ohne Krise würden 2008 und 2009 doppelt so viele Büroflächen produziert wie nun projektiert, schätzte Ehlmaier. Heuer sollen Branchenprognosen zufolge in Wien 250.000 Quadratmeter neue Flächen geschaffen werden.

Rekord bei Vermietungsleistung

Neu vermietet wurden im abgelaufenen Jahr 340.000 Quadratmeter, bei nur 190.000 Quadratmetern an neu errichteten Flächen. Damit erreichte die Vermietungsleistung einen neuen Rekordwert, der "selbst die Boomjahre aus der Zeit der New-Economy-Euphorie deutlich übertrifft".

Die Durchschnittsmieten sind 2007 in der Bundeshauptstadt um fünf Prozent gestiegen, heuer sei ein weiterer Preisanstieg um bis zu 10 Prozent zu erwarten. Für eine anhaltend hohe Nachfrage nach modernen Büroflächen sorgen auch die positive Wirtschaftskonjunktur und die steigenden Beschäftigungszahlen.

Leerstand stabil

Die Leerstandsrate sei im abgelaufenen Jahr stabil bei 6 Prozent geblieben, Wien liege damit im europäischen Mittelfeld, sagte der CPB-Chef bei einer Pressekonferenz. Vor allem die Innenstadt werde derzeit massiv nachgefragt.

Für neu errichtete Büros waren 2007 durchschnittlich 11 bis 14 Euro netto je Quadratmeter zu bezahlen - für Topflächen im 1. Bezirk sogar zwischen 22 und 23 Euro. "Im internationalen Vergleich ist das weiterhin moderat", so Ehlmaier. Die Spitzenrenditen bei Neubauten blieben mit 5,4 Prozent brutto weitgehend unverändert.

Gute Aussichten

Für 2008 sieht Ehlmaier gute Chancen, dass die Vermietungsleistung wieder an das Rekordniveau von 2007 heranreichen wird und die prognostizierte Neuflächenproduktion von 250.000 Quadratmetern wieder deutlich übersteigen wird. Die Leerstandsrate wird insgesamt leicht - und bei den modernen Topobjekten deutlich - sinken.

Auffällig ist dabei, dass sich die Entwickler trotz der nun schon seit längerem guten Nachfrage nach wie vor verhalten agieren und vergleichsweise wenig neue Flächen auf den Markt kommen. 2008 wird jedoch mit dem Bau einiger sehr spektakulärer Großprojekte begonnen (z.B. Marina City am Handelskai, City Gate und Team Building am Wienerberg, DC Towers in der Vienna DC), es ist daher mit einem deutlichen Anstieg der Neuflächenproduktion ab 2009/2010 zu rechnen. (APA)

  • Die Durchschnittsmieten sind 2007 in der Bundeshauptstadt um fünf Prozent gestiegen, heuer sei ein weiterer Preisanstieg um bis zu 10 Prozent zu erwarten.
(Foto: derStandard.at/Gedlicka, "Wien von oben")
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Die Durchschnittsmieten sind 2007 in der Bundeshauptstadt um fünf Prozent gestiegen, heuer sei ein weiterer Preisanstieg um bis zu 10 Prozent zu erwarten.
    (Foto: derStandard.at/Gedlicka, "Wien von oben")

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