Mit HipHop durch die Sonntagsandacht

von Redaktion  |  17. Juni 2008, 11:35
  • Artikelbild: "Anfangs wurde ich gezwungen, in die Kirche zu gehen, jetzt gehe ich freiwillig", sagt Christian Aldover (Zweiter von links). Ayron Neil Caraan (li.) und Jennifer Holl (re.) sind ebenfalls begeisterte Besucher des Gottesdienstes.  - Foto: Regine Hendrich

    "Anfangs wurde ich gezwungen, in die Kirche zu gehen, jetzt gehe ich freiwillig", sagt Christian Aldover (Zweiter von links). Ayron Neil Caraan (li.) und Jennifer Holl (re.) sind ebenfalls begeisterte Besucher des Gottesdienstes.

Mit einem Jugendanteil von 50 Prozent haben die Messen der Filipino Catholic Community in Wien das, wovon andere katholische Gemeinden nur träumen können

Das Geheimnis der Magnetwirkung liegt in der dynamischen Atmosphäre der Gottesdienste.

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Wien - Während "Father" Cyril Villareal durch die Säle der Pfarre Maria vom Berge Karmel am Stefan-Fadinger-Platz schreitet, stoppen ihn immer wieder Jugendliche, die seine Hand zur Begrüßung an ihre Stirn drücken. "Es ist ein Zeichen von Respekt gegenüber den Älteren", erklärt er. Im nächsten Moment dröhnt ein Gebet auf Englisch durch die Lautsprecher, und ungefähr hundert anwesende Jugendliche malen sich symbolisch ein Kreuz auf die Brust.

Am 28. Dezember 2007 fand das Weihnachtsfest der jugendlichen Mitglieder der Filipino Catholic Community (FCC), eine der zwei großen philippinischen Pfarrgemeinden, statt. Schon in den 1970er-Jahren wurden die ersten Grundsteine der Kirchengemeinde gelegt. Seitdem wuchs die Zahl der Mitglieder stetig. Im Jahre 2002 erklärte Kardinal Christoph Schönborn die Pfarre Maria vom Berge Karmel zum Zentrum der philippinischen Gemeinde. 50 Prozent Junge

Waren es anfangs nur eine Handvoll Messebesucher, so wohnen heute etwa 600 Philippiner der Sonntagsmesse bei. "Die Jungen machen etwa die Hälfte unserer Messebesucher aus", berichtet José Demoy, Priester der FCC.

Die Tradition des Besuchens von Sonntagsmessen zusammen mit der Familie werde auch in den Philippinen gepflegt, wie Christian Aldover (17) erzählt. Er ist einer der vielen in Wien lebenden jungen Philippinern, die jeden Sonntag die Messe besuchen. "Anfangs wurde ich gezwungen, in die Kirche zu gehen und zu ministrieren, dann machte ich es freiwillig." Christian ist in Wien geboren und "mit der Religion aufgewachsen".

R 'n' B statt Orgelklang

Nach einigen Tönen der Musikrichtung R 'n' B beginnt die Moderation der eigentlichen Show. Einem Chor, der Weihnachtslieder a cappella singt, folgt eine Tanzgruppe, die ihr Talent hauptsächlich mit Choreografien zu HipHop-Musik beweist. Dass dies nicht der österreichischen Vorstellung von einem Weihnachtsfest in einer Kirche entspricht, weiß auch Gisela Reiterer, Lektorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Sie erläutert den Unterschied zu österreichischen Messen: "Es wird gesungen, gepredigt, gelacht, und die Kleineren spielen mit ihren Gameboys. Es ist alles sehr viel lockerer."

Reiterer begann 1986 mit ihren Studien zu den Philippinen, seit fünf Jahren beschäftigt sie sich mit den Philippinern in Wien. In dem Artikel "Austro-Filipino Youth" der Südostasienexpertin legte sie die Grundzüge der Identitätsfindung und Integration Wiener Filipinos zweiter und dritter Generation dar. Auffällig seien für sie die unterschiedlichen Empfindungen der eigenen Nationalität: Kinder aus Mischehen sähen sich zur Gänze als österreichisch, Jugendliche mit philippinischen Eltern fühlten sich "massivst dazwischen". Sie kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass diejenigen, die noch nie auf den Philippinen waren, eine weitaus größere Verbundenheit zur Heimat ihrer Eltern verspüren.

Die FCC bietet ihren jugendlichen Mitglieder zahlreiche Aktivitäten unter kirchlicher Aufsicht an. Die wahrscheinlich beliebteste dieser Veranstaltungen ist das Jugendcamp, das jeden Sommer für fünf Tage stattfindet. Die Jugendlichen haben dort neben einem großen Sport- und Workshopangebot auch die Möglichkeit, ihr Religionswissen zu erweitern. Man versuche, ihnen religiöse Werte auf eine spielerische und spaßige Weise beizubringen und ihr Interesse am Christentum zu wecken, so Villareal. Und dies gelingt ihnen auch. Die Kirchen sind zu Messezeiten regelrecht überfüllt, die Busse auf dem Weg zum Jugendcamp genauso.

Der entscheidende Grund für die Messebesuche eines Großteils der jungen Filipinos ist das Beisammensein mit anderen Jugendlichen, so Reiterer. Es habe nicht mehr nur eine religiöse, sondern auch eine soziale Funktion. Ähnliches bestätigt auch Christian: "Die Messen sind ein Jugendtreffpunkt."

Von Unbehagen über diesen Aspekt ist nichts zu spüren, weder vonseiten der Jugendlichen noch von der Kirche. Schließlich müsse man es schaffen, die jungen Filipinos in einer Gesellschaft, die sich eher von der Kirche abzuwenden scheint, doch noch zur Religion "zurückzubringen", meint Villareal. (Sara Mansour Fallah/DER STANDARD Printausgabe, 8. Jänner 2007)

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Werner Hammerl
09.01.2008 10:32

Ein 50 % Jugendanteil sagt noch nichts. Das kann auch bedeuten, dass zu wenige ältere Menschen in die Kirche kommen. In einer Disco ist auch der Jugendanteil relativ hoch.

Eine Kreatur
08.01.2008 23:34
alter topfen in neuen kleidern

na und? gefällt der religiöse fanatismus besser wenn er "jung und hipp" wirkt? hiphopende islamisten würden sicher deren image heben ..

religion ist eine krankheit, egal, in welcher form sie auftritt ..

hexe caracas
08.01.2008 17:12
eine schöne Geschichte

mögen alle Gotteshäuser sich Beispiel nehmen!

Ava Tar
09.01.2008 04:28
Hm. Das kann manauch anders lesen

Zuerst gezwungen, bis man freiwillig geht. Warum zwingen ? Wenn dort lustige Musik rauskommt, braucht man doch niemanden zwingen ?

yomo
09.01.2008 09:36

das allein ist dürftig. man wird anfänglich nun mal zu den meisten dingen im leben quasi abgerichtet - selbständig klogehen oder nicht in steckdosen fassen z.b. das allein sagt über den inhalt halt noch nichts aus - selbständig klo gehen ist unbestritten eine feine sache ;-)

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