Wendelin Schmidt-Dengler ist "Wissenschafter des Jahres 2007"

8. Jänner 2008, 12:43
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Germanist und Literatur- wissenschafter ist für die Fähigkeit, seine wissenschaftliche Arbeit als aktuell relevant zu vermitteln, beliebt

Wien - Der Germanist und Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler ist Österreichs "Wissenschafter des Jahres 2007". Die Auszeichnung des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten wurde dem 65-jährigen Vorstand des Instituts für Germanistik der Universität Wien und Leiter des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek am Dienstag in Wien überreicht.

Mit der Auszeichnung wollen die Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten vor allem das Bemühen von ForscherInnen würdigen, ihre Arbeit und ihr Fach einer breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen und damit das Image der österreichischen Forschung zu heben. Dies gelingt Schmidt-Dengler seit Jahren im Bereich Literatur- und Sprachwissenschaft - nicht nur mit seiner sowohl von StudentInnen als auch den Medien und einer breiten Öffentlichkeit geschätzten Fähigkeit, seine wissenschaftliche Arbeit als aktuell relevant zu vermitteln, sondern auch mit seiner rhetorischen Brillanz, wobei er aber dennoch dem von ihm oft zitierten Wittgenstein'schen Motto folgt, dass alles, was gesagt werden kann, auch einfach gesagt werden kann.

Trophäe

Verbunden mit der Auszeichnung wurde erstmals eine neue Trophäe verliehen. Dabei handelt es sich um eine Skulptur aus Aluminiumschaum von Philipp Aduatz von der Universität für angewandte Kunst Wien.

"Ich bin nicht schuld, sondern die Medien, die immer wieder angefragt haben", kommentierte Wendelin Schmidt-Dengler seine häufigen öffentlichen Auftritte. "Ich habe mich einfach hingestellt und gesagt, was ich sagen wollte." Zum Preis: "Man freut sich natürlich persönlich sehr, aber wenn die Auszeichnung mich trifft, so trifft sie doch wohl auch die Kollegen und die vielen hervorragenden Studierenden der Germanistik", lobte der Institutsvorstand. Gerade sie sollten so zu spüren bekommen, "dass sie ein Fach studieren, das in der Öffentlichkeit auch eine Funktion zu erfüllen hat."

Biografie

Dabei hatte der Forscher seine Liebe zur Literatur eigentlich "unter der Kuppe der Altphilologie verstecken" wollen. Am 20. Mai 1942 in Zagreb geboren, wusste Schmidt-Dengler während seiner Schulzeit in Wien genau, dass er nicht Germanistik studieren wollte. "Ich habe Literatur geliebt, aber gerade deshalb wollte ich es nicht studieren. Ich dachte, das ist ein Bereich, den ich für mich behalte." Auf Anraten seines Lateinlehrers entschloss er sich dann doch, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Sein Hauptfach, in dem er schließlich über Aurelius Augustinus' "Confessiones" promovierte, war dennoch die Klassische Philologie. Dass es ihn im Anschluss daran nicht als Lehrer ans Gymnasium, sondern als Assistent ans Germanistik-Institut verschlug, war Zufall. "So hat sich dann Chance um Chance ergeben."

Wie die Freundschaft mit Heimito von Doderers Sekretär, Wolfgang Fleischer, der Schmidt-Dengler nach dessen Tod die Betreuung des Nachlasses anvertraute und so in ihm die Freude an der Arbeit mit Handschriften, am "Kennenlernen des Schriftstellers vom Material her" weckte. "Das hat sich so fortgesetzt, dass ich später Leiter des Literaturarchivs wurde", meint der gern als "Literaturpapst" bezeichnete Schmidt-Dengler bescheiden. Auch an der Universität, wo er 1989 zum ordentlichen Professor berufen wurde, erklomm er schon bald die Institutsspitze, von der aus er sich bis heute aktiv in das Universitätsgeschehen einmischt. In einem "Anfall von Überschätzung der eigenen politischen Fähigkeiten" wurde der scharfe Kritiker des Universitätsgesetzes 2002 sogar Mitglied des Senats, und auch in den stets prall gefüllten Hörsälen verkneift er sich spitzzüngige Bemerkungen, die seine politischen Fähigkeiten launig untermalen, zumindest nicht immer.

Vermittlungsfähigkeit

Von den Studierenden offenkundig geschätzt wird Schmidt-Dengler aber vor allem für die gleichen Eigenschaften, die ihn auch in der Öffentlichkeit so beliebt gemacht haben: Die Fähigkeit, seine wissenschaftliche Arbeit als aktuell relevant zu vermitteln, sei es in der Beschäftigung mit österreichischer Gegenwartsliteratur oder in der Wirkungsforschung der Antike. Seine Liebe zu Griechen und Lateinern ist ihm nämlich bis heute geblieben, von der Habilitation 1974 über die Wirkungsgeschichte antiker Mythologeme in der Goethezeit bis zu aktuellen Vorlesungen über den Vergleich von antiken und modernen Dramen weiß er Bezüge zu ihnen herzustellen. Und mit der EURO 2008 gibt es für den glühenden "Fußball-Fan" und bekennenden Rapid-Anhänger schon bald eine weitere langjährige Leidenschaft auszuleben.

Ausgezeichnet wurde Schmidt-Dengler schon 1968 mit dem Theodor-Körner-Preis, 1978 mit dem Förderungspreis der Gemeinde Wien, 1994 mit dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik und 1997 mit dem Preis für Sozial und Geisteswissenschaften der Stadt Wien. Als Messlatte für seinen wissenschaftlichen Erfolg will Schmidt-Dengler aber weder solche Preise noch seine zahlreichen Auftritte in den Medien oder bei diversen Literaturveranstaltungen werten. "Man schreibt ein Buch. Das ist eine sehr alte Methode. Wenn am Ende die Bände dastehen, ob auf CD-Rom oder gedruckt, dann kann man zufrieden sein."

Rückblick

Die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" haben bisher u.a. der Philosoph Konrad Paul Liessmann (2006), die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb (2005), der Mathematiker Rudolf Taschner (2004), der Immunologe Josef Penninger (2003) und die Mikrobiologin Renee Schroeder (2002) erhalten. (APA)

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    Wendelin Schmidt-Dengler wurde als "Wissenschafter des Jahres 2007" ausgezeichnet.

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