Bremsspur im weltweiten Autohandel

30. Jänner 2008, 13:51
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Weil die Österreicher 2007 privat markant weniger Geld für neue Autos ausgeben wollten, fiel der Absatz auf ein Fünf-Jahres-Tief

2008 werden wegen der CO2-Steuer im ersten Halbjahr Vorziehkäufe großer Autos erwartet.

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Wien - 298.300. Das ist die aus Sicht der Autohändler frustrierende Zahl der verkauften Fahrzeuge im Vorjahr. Das Minus betrug damit zwischen drei und vier Prozent. Weniger Autos wurden lediglich im Krisenjahr 2002 abgesetzt, als sich Land und Leute von 9/11, Dotcom-Blase und Pensionsangst erholen mussten.

Genaueres wird erst in der kommenden Woche zu erfahren sein, wenn die Statistik Austria das offizielle Endergebnis im Vorfeld der Vienna Autoshow (17. bis 20. Jänner, Messegelände) bekanntgeben wird. Doch die Hochrechnungen des Marktführers Porsche Austria, der mit dem Markenportfolio VW, Audi, Skoda und Seat ein gutes Drittel der Neuwagenzulassungen für sich verbucht, gehen in exakt diese Richtung.

Realeinkommen stagnierten

Das Jahr 2007 hingegen war ein Jahr, in dem Österreichs Wirtschaft mit 3,4 Prozent Wachstum zum fünften Jahr in Folge stärker zulegte als der Euroraum - also alles andere als ein Krisenjahr. Nur war das Wachstum exportgetrieben, die Realeinkommen der Menschen stagnierten. Und das merkte die Autowirtschaft, private Käufer ließen merklich aus. Zuwächse gab es wie berichtet lediglich bei Firmenwagen. Auch die so genannten Tageszulassungen - Anmeldungen von Autos für sieben bis 60 Tage durch Händler und Importeure, um die Statistik zu verschönern - sind heuer stärker denn je vorgenommen worden.

Für 2008 rechnet die Branche mit Vorziehkäufen - wegen der Mitte des Jahres kommenden Verschärfung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) unter der Maßgabe der CO2-Besteuerung. Vor allem große Autos und Geländewagen (zweitere mit einem Plus von zwanzig Prozent eindeutig das Gewinnersegment im Vorjahr) werden eher bis Juni gekauft werden als danach. "Sie werden aber im zweiten Halbjahr fehlen", sagt Porsche-Austria-Sprecher Hermann Becker zum Standard. Im Salzburger Handelskonzern (im Eigentum der Familien Porsche und Piëch) rechnete man damit, dass "2008 ein besseres Jahr wird als 2007, wahrscheinlich mit mehr als 300.000 Einheiten - aber es ist noch zu früh für genaue Prognosen", so Becker.

Bei Mercedes-Benz Österreich wird ebenso erwartet, dass es "moderate Vorziehkäufe" geben wird, sagt Sprecher Gregor Waidacher, "aber sicher nicht in dem Ausmaß wie in Frankreich" (s. Artikel u. li.). Von "einer gewissen Vorziehwirkung" spricht auch Gerhard Pils, Chef von BMW Austria.

Märkte brechen ein

Ähnlich wie in Österreich gingen auch in anderen wichtigen Märkten die Autoverkäufe im Vorjahr zurück. In Deutschland fiel das Minus mit neun Prozent freilich weit schlechter aus, womit die Verkäufe auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung fielen. Arg gebeutelt hat es auch die Autoverkäufer in den USA, die das schwächste Jahr seit 1998 verzeichneten. Und heuer soll es noch dicker kommen, meinen beispielsweise die Analysten von Standard & Poor's.

Nicht viel besser ging es den japanischen Pkw-Händlern, die im Vorjahr 3,43 Mio. Fahrzeuge und somit um 7,6 Prozent weniger als 2006 verkauften. Damit fiel der Absatz auf den niedrigsten Stand seit 34 Jahren. Zum Vergleich: 1990 kauften die Japaner noch 5,975 Mio. Autos. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

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    foto: standard/urban, grafik: standard
  • Infografik: Neuzulassungen 2002 bis 2007
    grafik: standard

    Infografik: Neuzulassungen 2002 bis 2007

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