Power-Play für Barack Obama

28. Jänner 2008, 15:53
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Samantha Power, außenpolitische Beraterin von Barack Obama

George W. Bush hat sich seinerzeit ein Image als "compassionate conservative", als mitfühlender Konservativer, zu verpassen versucht. Gäbe es den Titel "mitfühlende Demokratin", Samantha Power hätte ihn sicher. Barack Obamas außenpolitische Beraterin tritt mit Verve für eine "moralische Außenpolitik der Vereinigten Staaten" ein, eine Botschaft, die die Bürger nach Jahren der zynischen Machtpolitik der Administration Bush/Cheney in diesem Wahlkampf nur allzu gerne hören.

Power ist 37. Und ihr Lebensstil steht ihrem Namen in nichts nach: Geboren in Dublin. Kindheit in Kuwait-Stadt, Pittsburg und Atlanta. Studium in Yale und Harvard (Law School). Reporterin im Kosovo, in Osttimor, Ruanda und im Sudan, unter anderem für den Economist und den Boston Globe. Pulitzer-Preis für ein Buch über Genozid und die amerikanische Politik (A Problem from Hell: America and the Age of Genozide). An der Seite von George Clooney Aktivistin für Darfur. Derzeit: Kolumnistin für das Time Magazine. Und eine der jüngsten Professorinnen an der Kennedy School of Government in Harvard, die an ihrem nächsten Buch über den bei einem Anschlag im Irak umgekommenen UN-Spitzendiplomaten Sérgio Vieira de Mello schreibt.

Zu Barack Obama kam sie, als sie zwischen 2005 und 2006 in dessen Senatsbüro arbeitete. Damals sei sie, von den Machtspielen in Washington ernüchtert, wieder nach Boston gezogen. Der demokratische Präsidentschaftswerber konnte sie dennoch für sein Wahlkampfteam gewinnen. Seither spielt sie eine Art außenpolitisches Powerplay für Obama. Und steigt mit der zunehmenden Wichtigkeit des Themas auch in der Hierarchie der Obama-Sphäre auf.

Sie als naiven Gutmenschen abzutun, der vor lauter Moral von Realpolitik keine Ahnung habe, wäre allerdings verfehlt. Power mag nicht zynisch sein, aber politisch korrekt ist sie noch weniger: Sie ist für Militärinterventionen in Krisengebieten und rät Obama zu Gesprächen mit Diktatoren. Sie kann fluchen wie ein irischer Bierkutscher und bezeichnet sich in Anspielung an ihr Seelenthema selbst schon einmal als "Genocide Chick", als Völkermord-Mieze - Fotos in der amerikanischen Männervogue inklusive.

Viele der Auguren in Washington trauen Power zu, jene Pläne auch umzusetzen, die Amerikas beste außenpolitische Köpfe in weiser Voraussicht für die Ära nach George W. Bush geschmiedet haben. Die USA sollen dann nicht als Hard oder Soft Power, sondern als "Smart Power" - so heißt eine Studie, die Ex-Vizeaußenminister Dick Armitage und Harvard-Professor Joe Nye Ende 2007 verfasst haben - in der Welt auftreten.

Zuvor allerdings muss sie mit Barack Obama erst einmal ins Weiße Haus gelangen. Und das wird, bei aller Power, noch sehr, sehr schwer. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2008)

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