Prostitution von Schwangerer: Bordellanwalt in Doppelmission

Advokat dementiert - Betroffene noch immer in stationärer Behandlung

Salzburg – Jene 18-jährige Prostituierte, die kurz vor Weihnachten ihr Neugeborenes aus dem Fenster des "Club Pascha" in Salzburg geworfen und dabei getötet haben soll, befindet sich noch immer in der Salzburger Landesnervenklinik in stationärer Behandlung. Wie der Rechtsvertreter der rumänischen Staatsbürgerin, Robert Morianz, auf Anfrage des STANDARD ausführte, sei sie inzwischen von der Suizidprävention auf eine offene Station der Psychiatrie verlegt worden.

Dass der Anwalt "die Dame" (Morianz über seine Klientin) vertritt, hängt mit einer zweiten Mandantschaft zusammen: "Ich vertrete die Dame, weil ich das 'Pascha' vertrete", erläutert er. Und als Rechtsvertreter des Etablissements dementiert er im STANDARD-Gespräch auch gleich Berichte in Salzburger Lokalblättern, die zumindest indirekt nahe legen, dass im "Pascha" auch Sex mit schwangeren Prostituierten angeboten werde: "Das ist Nonsens." Im aktuellen Fall wäre die Schwangerschaft der 18-Jährigen zudem auch gar nicht so deutlich erkennbar gewesen. Sie habe "nur ein kleines Bäucherl" gehabt. Dem stehen freilich Aussagen des Gesundheitsamtes gegenüber, nach denen die Schwangerschaft im Fall der jungen Rumänin bereits im September körperlich ersichtlich gewesen sei.

Keine rechtlichen Schritte

Morianz meint jedenfalls, dass in diesem Zusammenhang gegen die Geschäftsführung des Clubs sicher keine rechtlichen Schritte möglich seien. Und überhaupt wäre gerade das "Pascha" "ein Vorreiter" bei der Erfüllung von Behördenauflagen. Die 18-Jährige hingegen muss voraussichtlich mit einer Anklage nach Paragraf 79 Strafgesetzbuch "Tötung eines Kindes bei der Geburt" rechnen. Strafmaß: ein bis fünf Jahre Haft. Anwalt Morianz jedenfalls hofft, dass die Staatsanwaltschaft nach Entlassung der jungen Frau aus dem Krankenhaus keinen Haftantrag stellt. Es bestehe ja keine Wiederholungs- oder Verdunkelungsgefahr.

Dass Morianz sowohl den "Club Pascha" als auch die der Kindstötung verdächtigte Prostituierte vertritt, ist aus Sicht der Salzburger Rechtsanwaltskammer übrigens formal in Ordnung: "Wenn keine Interessenkollision besteht, geht das", so Kammerpräsident Leopold Hirsch zum STANDARD. (Thomas Neuhold/DER STANDARD-Printausgabe, 8.1.2007)

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