"Es hätte mich zerrissen"

24. Jänner 2008, 15:24
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Klaus Pekarek, Chef der Raiffeisen Landesbank Kärnten, erklärt im STANDARD-Interview, warum er seinen Hut nimmt

Die Kärntner Raiffeisenkassen liefen Gefahr, zu "Separatisten" zu werden, Druck aus Wien habe es überhaupt nicht gegeben, sagte der Banker zu Renate Graber.

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STANDARD: Sie haben Ende Dezember, sehr überraschend für die Öffentlichkeit und für Ihren eigenen Aufsichtsrat, Ihren Rücktritt als Chef der Raiffeisen Landesbank Kärnten per Ende Juni 2008 bekannt gegeben. Warum gehen Sie?

Pekarek: Es gibt ein Bündel von Ursachen und einen unmittelbaren Anlass dafür. Der unmittelbare Anlass war die Diskussion rund um die Liquiditätsreserve, die ja in der Bankwesengesetz-Novelle neu geregelt wurde. Und die Ursachen liegen im sehr subtilen Spannungsverhältnis in dezentral strukturierten Systemen. Da gilt: so viel Autonomie wie möglich und so viel Bereitschaft zur Kooperation wie notwendig, zum Teil aber unter Autonomieverzicht.

STANDARD: Sie spielen darauf an, dass die Kärntner Raiffeisenkassen, denen ja die RLB Kärnten gehört, als Mitglieder im sogenannten Förderverein der Primärbanken sehr freiheitsliebend agieren, zuletzt gegen Teile des neuen BWG waren und im Raiffeisensektor als "Rebellen" angesehen werden. Sie haben sich zwischen den Begehrlichkeiten aufgerieben?

Pekarek: Wir sind in Kärnten seit vielen, vielen Jahren den Kärntner Weg gegangen, haben uns vorbehaltlos zur Dezentralität bekannt. Das setzt aber voraus, dass man auch auf die Partner Rücksicht nimmt und bei der Autonomie so viel Augenmaß an den Tag legt, dass man die Partner im Sektor nicht überfordert.

STANDARD: Diese Probleme sind nicht neu, Sie selbst seit 20 Jahren in der Chefetage der RLB Kärnten. Ist Ihnen jetzt der Geduldsfaden gerissen, oder wurde der Druck aus Wien zu groß?

Pekarek: Es gab überhaupt keinen Druck. Die jüngste Entwicklung hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Auch die Kärntner müssen die Balance wahren, demokratische Entscheidungen und Pflichten akzeptieren. Ich habe 20 Jahre mit sehr viel Engagement, Überzeugungskraft und Charisma versucht, diese Balance zu finden und zu wahren, ich war der Dompteur. Aber zuletzt fiel es mir immer schwerer, das sehr weitreichende Autonomieverständnis der Primärbanken zu vertreten. Die Kärntner sind bei den Liquiditätsvorschriften von der klaren Mehrheit der Raiffeisen-Gruppe weit abgewichen. Da wurde mir klar, dass ich dieser Erwartung, Positionen gegen klare demokratische Mehrheitsbeschlüsse zu vertreten, nicht gerecht werden kann. Ich konnte mich mit dem teils überzogenen Autonomieverständnis inhaltlich nicht mehr identifizieren. Hätte ich wieder Kompromisse gesucht, es hätte mich zerrissen.

STANDARD: Die Kärntner sind Ihnen zu rebellisch geworden?

Pekarek: Der Kärntner Weg ist richtig, aber Extrempositionen in für die Selbstständigkeit strukturell eher unwichtigen Themen schwächen nur. Wir liefen Gefahr, österreichweit als Separatisten abgestempelt zu werden, als Sektierer.

STANDARD: Der dezentrale Sparkassensektor macht es anders: Erste Bank und Sparkassen schließen sich zusammen. Ein interessantes Modell?

Pekarek: Nein, ich sehe das kritisch, das ist kein Vorbild für Raiffeisen. Wir sind selbstständig und autonom. Eine De-facto-Konzernbildung ist kein Thema für Raiffeisen.

STANDARD: Sie sind 51, es heißt, man suche einen Job für Sie. Blieben Sie gern bei Raiffeisen?

Pekarek: Ich liefere für die RLB Kärnten 2007 das beste Ergebnis ihrer Geschichte ab. Ich bin gern im Sektor, meine Rücktrittsentscheidung ist ja sozusagen aus Liebe zu Raiffeisen gefallen.

STANDARD: Bleiben Sie im Aufsichtsrat der RZB?

Pekarek: Nein.

STANDARD: Sie wollten sich als ORF-Stiftungsratschef zurückziehen. Bis wann bleiben Sie?

Pekarek: Da gibt es keinen Zusammenhang mit meiner Kärntner Entscheidung, aber natürlich hängt das davon ab, was ich künftig beruflich tue.

STANDARD: ORF-Chef Wrabetz hat kein Budget 2008, die Programmreform ist gescheitert, die Reserven sind aufgebraucht, die Gebühren werden erhöht. Dramatisch, die Lage?

Pekarek: Die Lage ist herausfordernd mit einem hohen wirtschaftlichen Anspannungsgrad. Nicht unrettbar. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

Zur Person
Jurist Klaus Pekarek (51) ist seit 1984 bei Raiffeisen und kam 1988 in die Geschäftsführung der Raiffeisen Landesbank Kärnten, die er seit 1993 führt. Bis 2009 ist er Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats.
  • "Nicht unrettbar" - Klaus Pekarek zum ORF.
    foto: standard/hendrich

    "Nicht unrettbar" - Klaus Pekarek zum ORF.

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