Blu-ray-Siegeszug: "Toshiba von Warner-Entscheidung geschockt"

19. Februar 2008, 12:03
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HD-DVD-Verfechter sagt alle Pressekonferenzen auf CES ab

Der DVD-Nachfolge-Krieg scheint sich zugunsten der Blu-ray-Disk zu entscheiden. Nachdem Warner Bros. Entertainment bekannt gegeben hat, ab Juni 2008 ausschließlich auf Blu-ray zu setzten, kündigte nun auch New Line Cinema an, den Kassenschlager "Der Herr der Ringe" künftig auf Blu-ray herausbringen zu wollen. Nach der überraschenden und laut Brancheninsidern weitreichenden Entscheidung Warners bleiben im HD-DVD-Lager nur noch bedeutende Hollywood-Marktplayer wie Paramount und Universal als Unterstützer übrig. Zudem gerät HD-DVD durch Speicherplatzdefizite und immer günstiger werdende Blu-ray-Player unter 300 Euro verstärkt unter Zugzwang. Unterdessen gibt sich HD-DVD-Verfechter Toshiba nach wie vor kämpferisch und spricht von einer noch längst nicht endgültig entschiedenen Marktsituation.

Blu-ray hat als Multimedia-Format für die Filmindustrie absatz- wie speicherplatzbezogen die Nase vorn

"Die Entscheidung Warners als eines der größten Filmstudios, künftig ausschließlich auf Blu-ray zu setzen, ist psychologisch maßgebend. Zudem hat Blu-ray als Multimedia-Format für die Filmindustrie absatz- wie speicherplatzbezogen die Nase vorn. In dieser Hinsicht weist die HD-DVD einen Nachteil auf, wobei Toshiba von der Entscheidung Warners sichtlich geschockt zu sein scheint", sagt Bernhard Krause, Sprecher des deutschen Herstellers von CD- und DVD-Produktionsanlagen, Singulus Technologies, im pressetext-Interview. Laut dem Insider hänge der endgültige Siegeszug der Blu-ray-Disk auch von der Positionierung wichtiger Großkonzerne wie Apple oder Microsoft ab. Der iPhone-Hersteller gab bereits zu Jahresbeginn bekannt, künftige Rechner mit Blu-ray-Laufwerken ausstatten zu wollen. Dieser Schritt scheint naheliegend, da Konzernchef Steve Jobs nicht nur über Kontakte zu Sony verfügt, sondern auch im Blu-ray-Konsortium sitzt.

Schon einmal für tot erklärt

"Man hat uns schon einmal für tot erklärt", sagte hingegen Jodi Sally, bei Toshiba USA für die Vermarktung von digitalen Audio- und Videogeräten zuständig, im Rahmen der Eröffnung der International Consumer Electronics Show 2008. Obwohl Warner beide Nachfolgeformate unterstützt hat, verkaufen sich die blauen Scheiben mit prominenter Vertretung durch Sony besser. HD-DVD-Kritiker weisen immer wieder auf den Umstand hin, dass mit Sonys Spielekonsole Playstation 3 ein Blu-ray-Player ganz nebenbei in viele Haushalte eingezogen ist. Obwohl Sally argumentiert, dass HD-DVD-Player bis zum 22. Dezember 2007 rund 49,3 Prozent des Marktes für hochauflösende Scheiben ausmachen, verschieben sich die prozentualen Marktanteile beim Miteinrechnen der Playstation 3 deutlich zugunsten von Blu-ray.

Schlüsselfaktor

Auch taiwanesische Hersteller sehen die Entscheidung Warners als einen Schlüsselfaktor, der eine definitive Marktpositionierung der konkurrierenden DVD-Nachfolgeformate bewirken wird, berichtet das asiatische Branchenportal DigiTimes heute, Montag. "Es ist bezeichnend, wenn Toshiba auf einer der wichtigsten Consumer-Messen der Welt vor dem Hintergrund der Warner-Entscheidung alle Pressekonferenzen über die Zukunft des Nachfolgeformats abgesagt hat", fügt Krause hinzu. Trotz der Blu-ray-Erfolge im Multimedia-Geschäft sah Dirk Thomaere, Toshiba Europe General Manager Computersysteme D-A-CH, die Zukunft der HD-DVD im Software-Segment. "Ich denke, dass diese Geschäftsstrategie im Moment eher als Ersatzlösung dient, schließlich hat es auch sehr lange gedauert, bis Software-Hersteller den Schwenk von der CD-ROM hin zur DVD machten", so Krause abschließend auf Nachfrage von pressetext.(pte)

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