Schwindel auch in Österreich

Redaktion
7. Mai 2008, 15:29

Stromveredelung durch Zertifikatezukauf – Ökostromgesetz: Biogasanlagenbetreiber müssen warten

Wien – Der Schwindel mit Ökostrom ist nicht auf Deutschland beschränkt, auch Stromversorger in Österreich motzen nicht ökologisch erzeugten Strom auf und binden ihm das Ökomascherl um. "Das ist gängige Praxis auch bei uns", sagte der Energiesprecher von Greenpeace Österreich, Jurrien Westerhof, dem STANDARD. Er schätzt, dass zehn bis 20 Prozent des nach Österreich importierten Stroms zwar aus Atom- oder Kohlekraftwerken stammt, auf der Rechnung aber als Ökostrom ausgewiesen wird.

Grundlage dafür ist das sogenannte Renewable Energy Certificate System (RECS), das parallel zur Stromkennzeichnungspflicht in einigen Ländern Europas im Herbst 2001, darunter auch Österreich, eingeführt worden ist. Nach einem Bericht des Spiegel kann ein Stromversorger Strom an der Börse zum Beispiel aus einem deutschen Atomkraftwerk um 7,0 Cent die Kilowattstunde einkaufen und mit einem Zertifikat um 0,05 Cent eines norwegischen Wasserkraftwerks veredeln.

Dessen Betreiber muss die entsprechende Menge seines Ökostroms in konventionellen umetikettieren. Der Energieversorger darf dann seinen Graustrom als Ökostrom vermarkten. Turbo des Zertifikatehandels sei die Stromkennzeichnungspflicht, sagte Westerhof. Da Länder wie Norwegen, Schweden Finnland oder Spanien die EU-Kennzeichnungsrichtlinie noch nicht umgesetzt haben, klopfen Interessenten aus Ländern mit Kennzeichnungspflicht verstärkt dort an.

Kritik an Novelle

"Wir würden eine rasche EU-weite Harmonisierung sehr positiv sehen", sagte EVN-Sprecher Stefan Zach. "Die EVN fördert durch ihre Einkaufspolitik erneuerbare Energien."

Nach dem Auslaufen der Begutachtungsfrist für die Novellierung des Ökostromgesetzes am Montag rechnen Experten, dass sich die Diskussionen noch bis Sommer hinziehen wird. Geplant ist unter anderem eine Anhebung der Fördermittel für Neuanlagen von derzeit 17 Mio. Euro pro Jahr auf 21 Mio. Euro. Der Förderzeitraum soll von derzeit durchschnittlich 11,25 Jahre auf zehn Jahre reduziert werden, wobei der zuständige Wirtschaftsminister aber den Geldfluss per Ermächtigung bis maximal 15 Jahre erweitern können soll.

Kritik an den Plänen gab es am Montag erneut von den Grünen, der FPÖ und Umweltverbänden. "Der neue Gesetzesentwurf bremst den Ausbau von Ökostrom", sagte die Umweltsprecherin der Grünen, Ruperta Lichtenecker.

Soforthilfe lässt auf sich warten

Warten müssen auch die Betreiber von Biogasanlagen, von denen einige wegen exorbitant gestiegener Rohstoffpreise – etwa für Weizen oder Rohmais – vor dem Konkurs stehen. Dem Vernehmen nach wurde der für Freitag geplante Beschluss einer Soforthilfe von der Tagesordnung des Ministerrates genommen.

Die SPÖ will nach Angaben von Klubchef Josef Cap neue Förderungen für Biogasanlagen erst nach Evaluierung der Anlagen verteilen. Erst danach könne man über Änderungen im Rahmen des Ökostromgesetzes nachdenken. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2008)

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23 Postings
Dei totale Verwirrung des Kunden

Der Strom hat kein Mascherl. Letzten Endes ist es für den Konsumenten vollkommen Wurscht, wo der Strom her kommt. Hauptsache er ist leistbar.

Diese Angabe des Erneuerbaren Anteils ist doch ein Werbegag.

Es ist keinesfalls sinnvoll, dass wir in China über CO2 Zertifikate Windkraftwerke subventionieren, nur damit unser konventionell erzeugter Strom (oder importierte Strom) ein grünes Mascherl bekommt, das niemand erkennen kann!

Ich weiß, viele sind da anderer Meinung. Ich weiß, der Klimawandel...




Woher der Strom physikalisch kommt, ist für den Konsumenten tatsächlich "wurscht".


Wohin das Geld seiner Stromrechnung fließt, und was er damit fördert, ist alles andere als egal.

Und genau darin unterscheiden sich die Stromanbieter!

Wenn Sie etwa zu einem Ökostromanbieter wechseln (einem echten! Nicht diese pseudo-Grünstromangebote der großen EVU´s), dann sorgen Sie erstens dafür, dass die Strommenge, die Sie verbrauchen, als Ökostrom ins Netz gespeist wird (also zusätzlich vom Ökostromhändler zugekauft wird). Und sie gewährleisten auch, dass Gewinne wiederum in neue Ökostromanlagen investiert werden.

Damit fördern Sie den Ausbau von ökologisch verträglicher Stromerzeugung.

Siehe auch:

http://www.forschungsgemeinschaft-sol.at/SusA30.pdf

ab Seite B-9

Durch eine Investition in einem CDM genehmigten...

...Projekt kann man nur Carbon Credits erwerben. Durch das erwerben solcher kann ein Stromerzeuger seinem Strom kein gruenes Mascherl umhaengen.

Ausserdem wird ganz einfach...

der Ökostrom ausgewiesener massen an Haushalte verkauft, die sich über das grüne Mascherl freuen, der konventionelle Rest an die Industrie und Gewerbekunden, die nur billig einkaufen wollen. Auch eine Variante...

nicht ganz (aber fast)

ausgewiesen werden muss der Endkundenmix, sprich die Menge an Endkunden abgegeben wird (darunter fallen auch Industrie und Gewerbe).

Was jedoch in der Praxis Anwendung findet ist, dass Handelsaktivitäten nicht abgebildet werden müssen!!!
Das bringt jede Stromkennzeichnung ad absurdum...

Eine Abbildung von Handelsaktivitäten ist nur schwer möglich. Strom wird nämlich auch über Energiebörsen gehandelt. Und wie es an Börsen üblich ist, weiss man dort nicht von wem die gekaufte Energie stammt (sowohl was den Anbieter als auch die Art der Erzeugung betrifft). Somit kauft man undeklarierte Energie.

Wenn man diese als Ökostrom ausweisen will, kauft man eben Zertifikate und weist damit zumindest nach, dass diese Energiemenge irgendwo in Europa tatsächlich auch als Ökostrom erzeugt wurde.

Wichtig bei diesen Betrachtungen ist aber, dass man den Handel und die Physik streng trennt. Denn egal von wem sie den Stromkaufen, er wird technisch gesehen immer von einem Kraftwerk in ihrer Nähe kommen.

stimmt,

das ist mir klar, deswegen findet auch der UCTE-Mix Anwendung. Dieser Schnitt spiegelt jedoch nur die Gesamtproduktion in den UCTE-Staaten, folglich wäre der Börsenschnitt beispielsweise heranzuziehen, was die EEX schon tagesgenau macht!

Als Kunde würde ich mich jedenfalls verarscht vorkommen, wenn der Verbund an der EEX mit 765 MW fossilen Kraftwerken gelistet ist(*), die Stromkennzeichnung jedoch 100% Wasserkraft ausweist [und der Verbund ist (von den konventionellen Versorgern)noch fast ein Vorzeigeunternehmen was Kennzeichnung anbelangt!]

aber ich muss Ihnen schließlich nichts erzählen: Sie haben - im Gegensatz zu den Kunden- Ahnung davon!

*
http://www.eex.com/de/Markti... Kraftwerke

Dies liesse sich per Gesetz leicht ändern.

Ein Grund mehr warum wir keine Politiker brauchen.

Genau. Diesen Schwindel nennt man dann "Produktmix".

pumpspeicherkraftwerke in tirol

auch wenn das wasser mit sowieso vorhandenem strom aus kohle oder sonstigen kraftwerken gepumpt wird und damit diese kraftwerke nicht extra dafür strom produzieren - der strom, der aus diesem wasser kommt, ist sicher kein ökologisch produzierter strom mit grünem mascherl.
das ist nichts anderes als ein mit recht hohen verlusten gespeicherter konventioneller strom.

aber die konsumenten dürfen ökostrom zahlen.

Pumpspeicher...

... haben einen Wirkungsgrad um die 80%, Kops II wahrscheinlich noch höher. Wenn Sie einen Blick auf den volatilen Spotmarkt werfen (1MWh kostet zwischen 0,01 Euro und über 2000 Euro- gut, das war die Ausnahme), sehen Sie, dass dies nicht mit monetären Verlusten einhergeht!

und die schwankende Nachfrage ist ebenso leicht zu erklären- oder sind Sie derjenige, der beginnt in der Nacht Mittag zu essen oder einkaufen zu gehen?! Nein, ich auch nicht...

Wer verkauft denn solchen
Ökostrom?
Wie hoch sind die Verluste?
Wieviele andere Kraftwerke würden benötigt, um die Spitzen abzudecken, wenn keine Spitzenkraftwerke vorhanden wären? Wäre das umweltfreundlicher?

nicht sofort dem beissreflex nachgeben.

bestes beispiel für verkäufer ist die tiwag. auch wenn sie (bei privatkunden) einen UCTE Anteil von 30% angeben, in den wesentlichen Unternehmenskommunikationen wird die namensgebende Tiroler Wasserkraft in den Vordergrund gerückt. Und wie - wenn Sellrain für Spitzenstrom in Tirol verwendet wird - dieser Strom in den Mix eingerechnet wird - das ist zumindest auf der website nicht ersichtlich.

zum Verlust: mal nach dem ernergieerhaltungssatz googeln. das ding kann maximal soviel energie produzieren wie es vorher eingesetzt hat bzw. vermutlich etwas weniger wegen der anzunehmenden nicht 100%igen effizienz.

Kein Beißreflex, sondern Ärger über nachlässigen Umgang mit der Wahrheit und Tatsachenverdrehung.

Wird der Strom von der TIWAG als ÖKOSTROM verkauft? Gibt es andere Betreiber die Strom von Pumspeicherkraftwerken als ÖKOSTROM verkaufen?

Zum Thema Effizienz:
Im 1. Posting schreiben sie von "recht hohen Verlusten", im 2. von "wegen der anzunehmenden nicht 100%igen effizienz".
Die Effizienz liegt übrigens für gewöhnlich irgendwo zwischen 70 und 80%.

zwischen 70 und 80% - 20 bis 30% sind keine hohen verluste?

die frage ob der strom aus pumpspeicherkraftwerken als ökostrom verkauft werden darf oder nicht sollte gesetzlich geregelt werden. dann wissen wirs. derzeit kann man nur raten

20 - 30% sind keine hohen Verluste. Es existiert keine Speichermethode mit besserem Wirkungsgrad.

Eine gesetzliche Regelung wäre sicher hilfreich, obwohl in Österreich diesbezüglich kein Fehlverhalten von Betriebern, wie Sie es unterstellen, bekannt geworden ist.

Na das wären dann 3 Fliegen mit einer Klatsche ...
1) Grünes Mascherl
2) Förderung für Ökostrom
3) höhere Einnahmen durch Bereitstellung v. Spitzenlaststrom

Wir subventionieren halt lieber Windkraftwerke in China (über CO2 Zertifikate) anstatt heimische Biogasanlagen!
Die Bauern, die in diese Technologie investiert hatten, bringt man um und den Konsumenten redet man ein, dass er dabei Geld spart.

Offensichtlich glaubt die österr. Bundesregierung nicht einmal selbst an ihr "Globale Erwärmungsgeschwafel", das sie sonst bei jeder Gelegenheit vom Stapel läßt!

Biostrom kostet so zwischen €cent10 & 15/kWh

€c15/kWh entspricht €150/MWh. Bei der Erzeugung von einer MWh in einem Kohlekraftwerk wird ca. eine tonne CO2 frei.
Auf der Boerse wird Bandsreom um so ca.€60/MWh gehandelt. Daher kostet die Vermeidung von einer Tonne CO2 durch eine Biogasanlage zwischen €40 & €90. In China kann man sich fuer €20/t an einem Windpark beteiligen.
Oesterreich muss einige Millionen tonnen an CO2 einsparen, was Geld kostet. Der Zukauf erfolgt durch die Industrie (erhoehte Produktionskosten) oder durch den Staat weil die Verkehrsreduktionsziele nicht erreichbar sind. Wir wollen doch alle dass der Staat mit unseren Steuergeldern und sonstigen Abgaben so sparsam wie moeglich umgeht.

Antwort #2

Ein erklärtes Ziel des Ökostromgesetzes besteht darin, die neuen Technologien zu fördern, um sie an die Marktreife heranzuführen. Das heißt, dass die Anlagen druch technologische Entwicklung verbessert werden sollen, um langfristig elektrische Energie auchgohne Förderung zu Marktpreisen erzeugen zu können.
Aufgrund der stark steigenden Rohstoffpreise ist dies aber für Biomasse und Biogas nicht mehr zu erreichen, da jede Verbesserung der Anlagen durch die Preissteigerungen bei den Rohstoffen überkompensiert wird. Das zeigt, dass das sinnvolle Ausbaupotenzial für diese Anlagen in Österreich bereits erschöpft ist. Jede zusätzliche Förderung geht hier nur zu Lasten der Stromkunden und bedient lediglich eine Lobby!

Volle Zustimmung.

Antwort #1

Die Idee der Förderung bestand darin, dass die in den eigenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben anfallenden Mengen an Biomasse zur Stromerzeugung (direkt oder indírekt als Biogas) verwendet werden und dass das entsprechend gefördert wird.
Die schlauen Bauern haben ihre Anlagen aber viel größer gebaut - weil man damit ja mehr Förderungen bekommt - und müssen nun die Rohstoffe zukaufen, um die Anlagen auslasten zu können.
Die erhöhte Nachfrage führt wie üblich zu höheren Preisen und diese reduziert natürlich die Erträge der Anlagen.
Und weil die schlauen Bauern das natürlich nicht berücksichtigt haben, schreien sie nun nach höheren Förderungen.

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