Reisinger ist neuer Med-Uni-Graz-Rektor

19. Februar 2008, 12:02
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Der Tropenmediziner aus Rostock mit österreichischen Wurzeln war Favorit der Studierendenvertreter

Das monatelange Hick-Hack an der Medizinischen Universität Graz ist vorbei: Der Uni-Rat hat heute aus dem Dreier-Vorschlag Emil Reisinger als neuen Rektor gewählt. Ein Studierendenvertreter verriet im Gespräch mit derStandard.at, das dies sein Favorit sei. In einem offenen Brief ließ außerdem wissen, wen er nicht mehr sehen will: den aktuellen Vizerektor für Lehre, Gilbert Reibnegger.

Der Neue

Univ.-Prof. Dr. Emil Reisinger (50) ist zur Zeit Leiter der Abteilung für Tropemedizin und Infektionskrankheiten an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin der Universität Rostock, Dekan an der Universität sowie Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Rostock. Der Facharzt für innere Medizin und Laboratoriumsdiagnostik wurde 1958 in Linz geboren und hat an der Universität Wien 1986 promoviert.

Besonderes Augenmerk möchte der künftige Rektor auf die Nachwuchsförderung, die Internationalisierung der Universität und die Überarbeitung des Curriculums legen.

Lange Vorgeschichte

Zu den drei Kandidaten zählten Emil Reisinger, der Dekan der Medizinischen Fakultät Rostock, Jörg Stein von der Med-Uni Innsbruck sowie Josef Smolle von der Med-Uni Graz. Einen Favoriten alle es laut Birgit Jauk, Pressesprecherin der Med-Uni, nicht. Studierendenvertreter Sebastian Wisiak (Communista) nannte allerdings einen Wunschkandidaten: "Emil Reisinger, weil der in Rostock Beachtliches geleistet hat." Seine Chancen schätzt er jedoch nicht so gut ein: "Es gibt Spekulationen, dass der Uni-Rat sein Gesicht bewahren will und deshalb jemand anderen wählt", glaubt Wisiak. Denn Reisinger war bisher bei allen Vorschlägen des Senats nominiert.

Begonnen hat die Diskussion um die Neubesetzung des Rektorats im Frühling 2007. Nachdem Reisinger in dem Einer-Vorschlag nicht die erforderliche Mehrheit erhalten hatte, präsentierte der Senat einen Zweiervorschlag. Weil die einzige Bewerberin – Babette Simon, Vizerektorin der Philipps-Universität Marburg – nicht darin vorkam, intervenierte der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen.

So kam es zu einem dritten Vorschlag – diesmal mit drei Bewerbern: wieder ohne Simon, dafür mit Reisinger, Stein und Smolle. Auf die zweite Diskriminierungsbeschwerde des Arbeitskreises folgte eine Ablehnung der Schiedskommission der Med-Uni.

Studierendenvertreter gegen Vizerektor

Steht der neue Rektor fest, muss er seine Vizerektoren vorschlagen. Bis das neue Rektorenteam steht, wird es laut Pressesprecherin Jauk noch drei bis vier Wochen dauern. Studierendenvertreter Wisiak deponiert auch hier schon seinen Wunsch: In einem offenen Brief forderte er die Kandidaten am Wochenende auf, den aktuellen Vizerektor für Lehre, Gilbert Reibnegger, auszutauschen. Der Grund für seinen Appell: "Er nimmt die Studierenden nicht ernst", so Wisiak gegenüber derStandard.at. Die Pressesprecherin ist über die Aussendung "verwundert". Sie bezeichnet die Zusammenarbeit des Vizerektors mit den Studierendenvetretern als "sehr gut."

Wisiak relativiert, dass er den Brief nicht im Namen der Studierendenvertretung, sondern in seinem Namen geschrieben habe. Jauks Aussage kann er sich allerdings nicht anschließen. "Reibnegger ist als Vizerektor für Lehre nicht geeignet." Der Studierendenvertreter würde ihn lieber in einer anderen Position sehen: "Als Vizerektor für Forschung wäre er sicher super!" (lis/derStandard.at, 8. Jänner 2007)

  • Offener Brief von Sebastian Wisiak, Studierendenvertreter der Humanmedizin, an die Rektorskandidaten.

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    Emil Reisinger leitet künftig die Medizinische Universität Graz.

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