Porträt: Eine Legende tritt ab

7. Jänner 2008, 19:10
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Gates dürfte nach seinem endgültigen Rückzug aus dem operativen Geschäft bei Microsoft im Juli mehr als genügend zu tun haben

Eine Legende tritt ab. Kein Wunder also, dass die letzte große Eröffnungsrede von Microsoft-Gründer Bill Gates am Sonntag auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas vor allem eines war: eine Abschiedsshow. Gewohnt lässig betrat der 52-Jährige die Bühne und überraschte die Zuschauer weniger mit seinem Diskurs über die Welt an der Schwelle eines neuen digitalen Jahrzehnts als mit einem Video, in dem er sich selbst auf die Schippe nimmt: Auf der Suche nach einem neuen Job kassiert er in dem Streifen von Berühmtheiten wie Steven Spielberg oder Hillary Clinton durchweg Absagen.

Abschied

Tatsächlich dürfte Gates aber auch nach seinem endgültigen Rückzug aus dem operativen Geschäft bei Microsoft im Juli mehr als genügend zu tun haben: Schon vor längerer Zeit kündigte er an, sich verstärkt der von ihm und seiner Frau Melinda gegründeten gleichnamigen Stiftung widmen zu wollen, die unter anderem den Kampf gegen Malaria und andere Krankheiten unterstützt. Auch das Thema Bildung hat sich die Stiftung auf die Fahnen geschrieben.


Bild: Microsft 1978

Dass ein Studium nicht zu den Bedingungen für Erfolg gehört, beweist der Karrierepfad des in Seattle geborenen Gates: Schon mit 13 Jahren sammelte er in der Schule erste Erfahrungen an einem Computerterminal und entwickelte unter anderem ein Programm zur Stundenplanung. Später ließ er seine Schulbücher links liegen und arbeitete vorübergehend als Programmierer. Nachdem er dann doch noch seinen High-School-Abschluss geschafft hatte, schrieb er sich für ein Studium an der Elite-Uni Harvard ein - was er 1975 ohne Abschluss abbrach. Er wollte sich voll und ganz der Firma Microsoft widmen, die er mit 19 Jahren zusammen mit seinem Schulfreund Paul Allen gegründet hatte.

Drei Mitarbeiter

Damals hatte das Unternehmen gerade einmal drei Mitarbeiter und einen Umsatz von 16.000 Dollar. Heute ist Microsoft der größte Softwarekonzern der Welt und steht für Kassenschlager wie die Betriebssysteme Windows und Vista sowie das Konsolenspiel "Halo 3". Den Posten des Konzernchefs trat Gates schon vor acht Jahren an Steve Ballmer ab, blieb damals aber Chairman.

Rasant

Durch den rasanten Aufstieg von Microsoft zählt Gates inzwischen zu den reichsten Menschen der Welt und lieferte sich in dieser Hinsicht zuletzt vor allem mit dem mexikanischen Telekom-Krösus Carlos Slim ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Männer sollen ein Vermögen von jeweils ungefähr 60 Milliarden Dollar haben. Was genau Gates mit diesem Geld - abgesehen von seiner Stiftungsarbeit - macht, bleibt sein Geheimnis, denn über sein Privatleben gibt der dreifache Familienvater kaum etwas preis. Bekannt ist lediglich, dass das Paar mit seinen Kindern in einem "Haus" am Lake Washington wohnt - zu der Anlage zählen auch ein Kino, eine Bibliothek, eine Sporthalle, ein Bootshaus und eine Garage für die Porschesammlung. (Reuters)

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