A Picture a Day ...

14. Jänner 2008, 17:48
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VVORK präsentiert Kunst in Form von Bildern und Links, täglich, mit Begeisterung und rotzfrech

Was auch immer ihnen gerade unter die Maus kommt, wird gepostet: Bilder von Erwin Wurm, fabrics interseason, Rune Peitersen, Marjetica Potrč, Julien Maire, Florian Hecker, alte Bekannte wie junge Talente, Fotos, Installationen, Videos, Netzkunst, Musik ... Mitlesen kann jeder, entweder durch regelmäßiges Klicken auf die Website oder durch Abonnement mittels Newsfeed, eine Art Nachrichtenticker, der laufend und automatisch über die zahlreichen Veränderungen auf der Seite berichtet.

Hinter dem Projekt VVORK stecken die AbsolventInnen der Universität für angewandte Kunst, Aleksandra Domanovic, Christoph Priglinger, Oliver Laric und Georg Schnitzer. Sie sind Teil einer jungen KünstlerInnengeneration, die sich selbstbewusst zwischen den Welten bekannter Kunstformate wie Ausstellungen, Begleitprogramm, Katalog und populärer Internet-Kultur bewegt und der es in erster Linie Spaß zu machen scheint, sich mit der Flexibilität des Netzes zu spielen.

VVORK ist dabei aber keineswegs eines der zahlreichen unreflektierten Blogs, von denen allerorts die Rede ist, sondern steht für eine ernstzunehmende Tendenz, die sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten herausgebildet hat: Aktiver Konsum durch Reproduktion, Remix und Sampling von Information sowie das mediale Jonglieren mit Bildern, Texten und Links ... Es geht bei diesem gekonnten Vexierspiel aus Information und Unterhaltung um den "weniger restriktiven Umgang mit dem Thema Kunst", wie die Betreiber von VVORK im folgenden Interview feststellen.

derStandard.at: Die Plattform VVORK besteht aus vier Personen. Wie und wo habt ihr euch kennen gelernt und woher kommt euer Name?

VVORK: Wir haben alle an der Angewandten studiert und uns auch dort kennen gelernt. Nach zahlreichen gemeinsamen Projekten haben wir gegen Ende des Studiums VVORK gegründet. Der Name bezieht auf sich das Kunstwerk, also die künstlerische Arbeit. Ursprünglich wollten wir die Domain work.com haben, nachdem diese aber zum Zeitpunkt unserer Gründung bereits vergeben war, haben wir uns für die Schreibweise mit "VV" entschlossen - ähnlich wie Spammer beispielsweise das Wort Rolex mit "LL" schreiben.

derStandard.at: Wie würdet ihr VVORK charakterisieren: Als Kunstmagazin im Netz, als Blog, als kuratorisches Online-Projekt? ...oder ist es Kunst? Immerhin seid ihr ja alle vier auch künstlerisch tätig.

VVORK: Mit VVORK führen wir die Idee unseres Mi Magazins im Netz weiter. Es handelt sich dabei um eine experimentelle Zeitschrift, bei der die einzelnen Seiten auf kooperierende Magazine aufgeteilt werden und durch den Austausch von Inhalten ein gänzlich neues Magazin-Format entsteht. VVORK verstehen wir einerseits als schnelllebiges Kunstmagazin, andererseits ermöglicht diese Publikationsform einen weniger kritischen, d.h. weniger restriktiven Umgang mit dem Thema Kunst im Allgemeinen. Der kuratorische Prozess, der dahinter steckt, entspricht also der sehr persönlichen Herangehensweise eines Bloggers an das Internet. Zu einem gewissen Grad entwickelt sich VVORK in letzter Zeit auch mehr und mehr zu einem Archiv für Gegenwartskunst, und es wird auch als solches benutzt. Für uns ist eine genaue Definition nicht wirklich relevant - alle Positionen lassen sich argumentativ untermauern oder widerlegen. Jede neue Beschreibung ist allerdings sehr erfreulich.

derStandard.at: Ihr stellt täglich Abbildungen von Kunstwerken mit dem jeweiligen Link ins Netz. Warum verzichtet ihr dabei auf jeglichen Kontext wie Werkbeschreibungen, Künstlerbiografien, etc.?

VVORK: Grundsätzlich glauben wir nicht, dass die Biografie eines Künstlers die Qualität einer Arbeit oder den Künstler an sich beschreibt. Die Idee von VVORK ist, einzelne künstlerische Positionen zu präsentieren bzw. diese in Kontext zu anderen Arbeiten zu stellen. Werkbeschreibungen werden fallweise zum besseren Verständnis angeführt. Abgesehen vom grundsätzlichen, durch das Medium Internet bedingten und kontextbezogenen Eingriff, versucht VVORK aber so wenig wie möglich, die Rezeption eines Kunstwerkes zu beeinflussen.

derStandard.at: Es lassen sich bei euch alle Kunstsparten finden: Malerei, Skulptur, Fotografie, hauptsächlich aber Medienkunst. Gibt es ein Konzept hinter VVORK oder wird gerade geblogged, was gefällt?

VVORK: "Geblogged, was gefällt" ist nicht so falsch. Die inhaltliche Gewichtung ergibt sich aus dem Kunstverständnis und den Vorlieben der vier VVORK-Redakteure für bestimmte zeitgenössische Kunstrichtungen. Wichtige Parameter wären etwa gesellschaftliche oder zeitgeschichtliche Relevanz sowie das Konsumverhalten im Medium Internet, die Originalität der Arbeiten oder der Bekanntheitsgrad des jeweiligen Künstlers. Prinzipiell versuchen wir möglichst junge und wenig bekannte Künstler zu präsentieren. Der Ablauf entsteht ohne Vorbereitung. Der Abwechslungsreichtum und gleichzeitig die Linie von VVORK ergibt sich aus unserem Zusammenwirken.

derStandard.at: In VVORK lassen sich nicht nur junge KünstlerInnen finden, die ihr Schaffen häufig unter einer Copyleft-Lizenz verteiben, sondern auch bekannte Leute wie Erwin Wurm. Wie geht ihr mit Copyrights um?

VVORK: VVORK präsentiert Kunstwerke von Künstlern, die in irgendeiner Form im Internet vertreten sind, hauptsächlich durch ihre eigene Website. Wir publizieren Empfehlungen in Form von Links zu bereits im Internet veröffentlichten Arbeiten. Die Verwendung von fremdem Material ist zu einem Standard zeitgenössischer Kulturproduktion geworden und "Sampling" zu einem Alltagsbegriff. Das Ignorieren des Copyrights schafft Platz für Veränderungen.

derStandard.at: Könnt ihr euch vorstellen, VVORK vom Internet in den "Realraum" zu übersetzen?

VVORK: Das findet und fand zu einem gewissen Grad schon statt: Wir haben beispielsweise eine Ausstellungen in der Galerie West (Den Haag) kuratiert oder mit Magazinen wie Man About Town (London) und Used Future (Zürich) kooperiert. Im Moment arbeiten wir mit dem New Museum for Contemporary Art (New York) und der Zeitschrift Textfield (Los Angeles). In diesem Zusammenhang versuchen wir die Qualitäten des Internets und seine Auswirkungen auf das Kunstgeschehen im "Realraum" zu thematisieren. Es geht dabei um die Dokumentation künstlerischer Arbeiten und ihre Aufbereitung für das Internet, die Inszenierung des Mediums Video auf Plattformen wie YouTube oder generell um die permanenten Veränderungen im Netz und wie diese auf das aktuelle Zeitgeschehen einwirken.

derStandard.at: Ein abschließendes Statement?

VVORK: The next documenta should be curated by a blogger.

(fair/derStandard.at, 14.01.2008)

Zur Plattform:
VVORK besteht aus Aleksandra Domanovic (Berlin), Oliver Laric (Berlin), Christoph Priglinger (Wien) und Georg Schnitzer (London).

  • A picture a day... (keeps the frustration away?)
    screenshot: vvork.com

    A picture a day... (keeps the frustration away?)

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