Brisante Feinstaub-Studie liegt seit Wochen auf Eis

Redaktion, 3. Februar 2008, 20:58
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    foto: apa/frank rumpenhorst

    Die vom steirischen Gesundheitsreferat in Auftrag gegebene Studie liegt seit Wochen in der Sanitätsdirektion des Landes

An der Freigabe der erschreckenden Studien-Ergebnisse haben Landespolitiker kein Interesse

Dem Standard liegen Teile einer Studie der Med-Uni Wien vor, die Zusammenhänge zwischen Herz- und Atemwegserkrankungen und Feinstaub aufzeigen. Die Expertise für Graz liegt seit Wochen in der Schublade der Sanitätsdirektion des Landes Steiermark - Von Colette M. Schmidt

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Graz/Linz/Wien - Geht es um Maßnahmen gegen Feinstaub, wird in Graz, der "Feinstaub-Hauptstadt" Österreichs, immer wieder auf das Fehlen wissenschaftlicher Daten hingewiesen. Zu wenig wüsste man über konkrete Auswirkungen und die Hauptverursacher von PM10 und den noch kleineren PM2,5-Partikeln.

Erschreckende Zahlen

Nun liegt seit einigen Wochen eine vom steirischen Gesundheitsreferat in Auftrag gegebene Studie in der Sanitätsdirektion des Landes. In der Expertise, die dem Standard teilweise vorliegt, finden sich erschreckende Zahlen über Erkrankungen und Mortalitätsraten in der Bevölkerung, die direkt mit Feinstaub zusammenhängen. Auch der hohe Anteil des Kfz-Verkehrs an der Feinstaubbelastung wird evident - und dass die geltenden Grenzwerte in der EU viel zu hoch seien.

Keine Freigabe der Erkenntnisse

Doch noch wartet der Autor der Studie, Manfred Neuberger vom Institut für Hygiene der Med-Uni Wien, der auch Daten zu Wien und Linz sammelte, auf die Freigabe seiner Erkenntnisse.

Neuberger und sein Team konnten nachweisen, dass es in Wien und Graz schon pro zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) zu einem Anstieg von Todesfällen um etwa 1,5 Prozent kommt. Diese Wirkung ist nach sieben Tagen sogar stärker als am ersten Tag - und zwar schon unter dem Grenzwert von 50 µg/m3. Neuberger: "Aus Sicht der Medizin müsste man die Grenzwerte für PM10 deutlich senken, anstatt einen Kniefall vor der Autolobby zu machen."

Messstellen umzurüsten wäre kein Problem

Für Graz, wo der Grenzwert 2006 an 120 Tagen überschritten wurde (oft sogar um das Dreifache), hieße das, dass es jedes Jahr dutzende vorzeitige Sterbefälle aufgrund von Feinstaub gibt. Dabei wird in Graz ausschließlich PM10 und nicht - wie in Wien - auch der noch feinere PM2,5-Staub gesondert gemessen. Dieser Wert wird in Graz im gröberen PM10-Staub mitgemessen. Die Messstellen in Graz teilweise umzurüsten wäre kein Problem - die Werte wären dann noch alarmierender.

Menschen über 65 besonders betroffen

Besonders betroffen sind laut Neuberger Kinder und Menschen über 65. Dies belegen auch Aufnahmen in Krankenhäusern an Feinstaubtagen. Dass vor allem der Kfz-Verkehr und dabei besonders Dieselfahrzeuge Hauptverursacher sind, steht für Neuberger fest: "Mit den kleinen Rußpartikeln kann der menschliche Organismus nicht fertig werden. Sie gehen direkt ins Blut, ins Herz und in die Leber und beeinflussen auch das Gerinnungssystem."

Auf Anfrage des Standard, ob Gesundheitslandesrat Helmut Hirt (SP) an eine Präsentation der Studie denke, meint ein Sprecher Hirts kurz: "Nein, ist nicht geplant." Zudem sei ja bereits auf die Existenz der Studie hingewiesen worden.

Auch Grüne zögern

Eine Vorgehensweise, die Peter Hagenauer von den steirischen Grünen nicht überrascht - hat seine Partei doch im Landtag mehrmals Anträge eingebracht, wonach Studien verpflichtend publiziert werden müssten. SPÖ und ÖVP stimmten dagegen. Doch auch Hagenauers Parteikollege, der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober, hat offenbar ein enden wollendes Interesse an neuen Daten zum Feinstaub. Neuberger erzählt, er habe zu Linz "noch genauere Daten". Aber der Umweltlandesrat zögere noch mit einer Beauftragung, so Neuberger. Anschober war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. (cms, cs/ DER STANDARED Printausgabe 6.1.2008)

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Posting 1 bis 25 von 938
Dr. Senftube
00
Es muss sein: Feinstaub

Wenn ich mir das so durchlese, kann ich mich nur wundern, wie sicher sich manche ihrer immerwährenden Gesundheit sind.
Man vergisst dabei leicht, dass früher die Russflocken fast so gross waren, dass sie nicht in die Nasenlöcher passten.
Was glaubt Ihr, wie weit ein moderner Diesel-PKW (mit Filter) im Durchschnitt fährt, bis er eine Million unsichtbare Mikropartikel emittiert hat?

Etwa so weit: _

Buchstabierer
12
10.1.2008, 06:47

Ich gehe mal davon aus, dass man in unserer feinstaubbelasteten Welt nicht einmal überleben könnte, wenn es keine Autos und keine Heizungen gäbe.
Langzeitstudien haben ergeben, dass das Leben tödlich endet.

gogosch der Grosse
00
Solltens zuerst mal das Rauchen verbieten!

Da werden tausende Tonnen giftiger Tabak verqualmt!

hlg
00
mal eine frage:

gibts auch feinstaubschutzmasken?

ich meine wie kann man sich vor den restlichen 80% feinstaub schützen?

fönix
02
quiz!

1) Feinstaub: Seit wann weiß man, dass besonders dieselfahrzeuge feinstaub erzeugen?
a) 10 jahre b) 20 jahre c) schon viel länger

2) Pensionssystem: Seit wann weiß man, dass die geburtenstarken jahrgänge auch einmal in pension gehen werden?
a) 10 jahre b) 20 jahr c) schon viel länger

3) Tabak: Seit wann weiß man, dass rauchen die lungen schädigt?
a) 10 jahre b) 20 jahre c) schon viel länger

4) Arbeitsplätze: Seit wann weiß man, daß die Zweidrittel-Gesellschaft kommt?
a) 10 jahre b) 20 jahre c) schon viel länger

hat wer noch schöne quiz-fragen?

gogosch der Grosse
10
Früher gabs keinen Feinstaub!

Fragt die EU und deren Politiker!

Rhenus
02
merkwürdige Verschwörungstheorie...

welchen Grund hätte ein roter Politiker, zwei Wochen vor der Grazer GR-Wahl (ÖVP-Bürgermeister) eine solche Studie unter Verschluss zu halten?

cerberos
00

Vielleicht eine Anordnung von "weiter oben"?

Dr. Heinrich
03
Datenqualität verbessern und F&E erhöhen!

Ich bin Systemforscher.Detailliertere Daten --> bessere Qualität der Modelle. Ich finde es vermessen, die Messinfrastruktur in Graz nicht nachzurüsten. Für zuverlässigere Prognosen werden langjährige Zeitreihen benötigt.
Selbst Grüne sehen hier keinen Bedarf, genauere Daten zu beschaffen. Daten von Linz sind ja lieb und nett, doch kann man in keinster Weise ein Modell bilden, dass die individuellen Problemherde (Industrie, Heizungen, Verkehrs, typische Wetterlagen, Windstärke und -richtung, etc.) österreichweit
(!) sichtbar macht. Es gibt kein allg. Rezept, nur individuelle Schrauben, an denen lokal gedreht werden kann und muss, um rasch die Belastung zu verringern. Der Kreis zur Forschung ist nicht geschlossen, die Politik einfallslos.

Aliass
20
Masken

Die Gesundheitsministerin hat ja Feinstaubmasken vergünstigt angeboten.
Wollte aber kaum wer.

Dr. Heinrich
01
wundert es dich?

... gehst du gerne mit einer Staubmaske joggen oder einfach nur ins Freie? Hab das in Bangkok gesehen... Es gibt auch schon recht sexy smogmasken...(http://www.bikemania.biz/Breathe_S... emask.htm)

Iglaubjo
01
Und was wird den Politikern dazu einfallen ?

Genau! Diesel-Preis erhöhen.
Für sich genommen eine enorm öklogisierende Maßnahme übrigens...
.... sofern der Liter dann 4,60 kostet. Nur blöd, daß der LKW dann nicht mehr "allen" was bringt.

OttotheBusdriver
25
Über 800 Postings!

und die Mehrheit ist Kontra Feinstaub

Also, ihr Politiker: neues Thema, die Staubgschicht wollen wir nicht mehr hören.
Irgendwann fürchten sich auch die ängstlichsten Kinder nimmer vorm "schwarzen Mann";-)

Die enorm gestiegenen Lebenserwartungen sprechen dagegen!

Buchstabierer
01
10.1.2008, 07:31

Politiker lesen nicht. Sie geben Studien in Auftrag, die sie dann nicht lesen. Sie lassen sich dann "briefen".
Das Ergebnis der Studie "Stimmung der Bevölkerung zum Thema Feinstaub" wäre aber vermutlich zu brisant um veröffentlicht werden zu können.

prof. mantak
 
33
Wenn die Mehrheit gegen (contra) den Feinstaub ist, dann bedeutet das doch, dass er drastisch reduziert werden muss!

Deshalb fordere ich für meine Kinder und mich drastische Maßnahmen gegen die Feinstaubbelastung in Ballungsgebieten!
Hohe Beteiligung der Autobenützer an den ungeheuren Kosten die durch Atemwegserkrankungen anfallen. Wieso geht man nur auf die Tabakkonsumenten los, die Autobenützer gefährden ihre Mitmenschen viel mehr!

;o)

natoll
34

na dann schau dir deine tolle lebenserwartung mal in wahrheit an. die letzten 5-10 jahre verbringen die meisten mit hilfe eines medikamenten-mixes im halb delirium oder hängen überhaupt jeden tag an irgendeinem appart.

lebenserwartung ist nicht gleich leben mit qualität.

Das entzückende Stinktier
 
13
Richtig.

Früher sind die Leut ihr ganzes kürzeres Leben halbsiech herumgeschlichen, heute nur mehr die letzten 10 Jahre.

GWS
 
04

Einmal abgesehen davon, dass das in dieser Verallgemeinerung nicht stimmt. Erkundigen Sie sich doch bei Ihren Eltern oder Großeltern einmal, welche Wracks die Menschen in den 60er Jahren oft schon mit Ende 50 waren. Mitarbeiter z. B. in einer Gußputzerei haben damals normalerweise ihren Pensionsantritt nicht erlebt (und wenn ausnahmsweise einmal doch, sind sie spätestens 1-2 Jahre später verstorben).

Wer behauptet, dass der Zuwachs an Lebenserwartung nicht auch gleichzeitig mit einem riesigen Zuwachs an Lebensqualität (auch im Alter) einhergegangen ist, der lebt wirklich in einer Phantasiewelt.

dritter mann
 
11
Wie wahr!

Bin 57 und habe damit meinen Großvater mütterlicherseits (geb. 1890) um einige Jahre überlebt (alle anderen starben noch früher). Jener Großvater hatte, wie so häufig seinerzeit, schweres Asthma in Folge der damaligen Luftverhältnisse in Wien und Linz, das dann mm. zu Lungenkrebs und in der Folge zu seinem Tod führte. - Heute würden es die üblichen Verdächtigen natürlich darauf zurückführen, dass er gelegentlich auch rauchte, weil so eine simple Erklärung alles einfacher macht. - Leider trage ich schwer an diesem epigenetischen Erbe, besonders derzeit, wie in jedem Winter, der uns in Wien den Irrsinn von Tonnen an Schotter und damit an Staub beschert. Und wie jedes Jahr wird mich erst die Flucht ans Meer bei Triest retten. Aufatmen!

Parkschwein
00

hihi, ich will dein leiden unter dem staub nicht kleinreden, aber ich hätte auch gern einen grund im winter nach triest zu fliehen :-)))

Vince1
 
00
Einher gegangen ist....

die Vergangenheit...

ABER

Was mag wohl die Zukunft bringen?

Das entzückende Stinktier
 
01
Nicht umsonst

ist "Angst" ein Lehnwort im Englischen und auch Französischen - die ham dafür keinen autochthonen Ausdruck...

GWS
 
12

Was die Zukunft bringt, weiß (außer den selbsternannten "Zukunftsforschern";-)) wohl niemand.

Aber wenn Sie sich die ganze Diskussion um "Umweltgifte" so ansehen, schwingt da schon einiges an Hysterie und Unwissenheit mit. Was glauben Sie, welche Feinstaubwerte wir vor 40 Jahren hatten, als viele Wohnungen noch mit Koks beheizt wurden und Dampfloks durch die Gegend sausten?

Und lesen Sie nach, welche Bleiwerte im Blut von Schulkindern noch in den frühen 80er-Jahren nachweisbar waren - heute dank bleifreiem Benzin ein völlig unbekanntes Problem.

Tatsache ist, die Schadstoffbelastung wurde in den letzten Jahrzehnten deutlich - teilweise um mehrere Größenordnungen - verringert. Liest man die Zeitungen, glaubt man aber das Gegenteil.

cecile rhodes
00

Vergessen Sie bitte nicht die anderen Belastungen denen wir PERMANENT ausgesetzt sind:
Zum "normalen" Essen gehören heute: Pestizide, gehärtete Fette, Konservierungsmittel, Acrylamide, Schimmel, die durch gentechnische Veränderung zu Aromen werden und andere neue Lebensmitteltechnologien, die nach kurzer Testzeit genehmigt werden (die dann nur durch mehrere wissenschaftliche Studien verboten werden können, hier stellt sich die Frage wer soll sie finanzieren).
Wer kann sich schon nur bio leisten?

In den Kosmetikartikeln+Putzmitteln gibt es auch schöne Giftcocktails.
Lebensmittelskandale, mangelnde bzw. "freundliche" Kontrollen und lächerliche Strafen für unsere Vergifter sowie konstante Umweltverschmutzung tragen nicht zur Gesundheit bei!

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