"Meinls Gage ist gerechtfertigt"

10. Jänner 2008, 14:02
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Meinl-Bank-Aufsichtsrat Walter Jakobljevich verteidigt im STANDARD-Interview die hohe Konsulentengage von Ex-Bankchef Julius Meinl V.

Er ist gegen eine weitere Dividende 2007 für die Eigner, sagte er Renate Graber.

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STANDARD: Der Aufsichtsrat der Meinl Bank hat im Dezember, unter Ihrem Vorsitz, dem neuen Aufsichtsratschef Julius Meinl V. einen Konsulentenvertrag genehmigt, laut "profil" drei Millionen Euro im Jahr. Warum ist Berater Meinl mehr wert als jeder andere Banker?

Jakobljevich: Julius Meinl ist nicht der bestbezahlte Banker. Allerdings, die Eigentümerfamilie Meinl bekommt auch Dividenden - und ich würde empfehlen, für 2007 keine weiteren mehr auszuzahlen.

STANDARD: Es wurde bereits eine Zwischendividende für 2007 ausgeschüttet?

Jakobljevich: Ja, wie viel, sage ich aber nicht. Und Meinls Gage ist gerechtfertigt, weil er als Konsulent mindestens so viel arbeiten wird müssen wie bisher. 2008 wird noch eine harte Nuss, Meinl kann sich nicht drücken, er wird viel erklären müssen. Deshalb ist es auch gescheit, dass er vom Vorstand an die Spitze des Aufsichtrats gewechselt ist.

STANDARD: Wenige Tage später, und das Gesetz hätte zwei Jahre Wartezeit vorgeschrieben.

Jakobljevich: Die Meinl Bank ist eine Familiengesellschaft, da brauchen wir das alles nicht. Julius Meinl kann nicht einfach gehen, auch wegen der Belegschaft, die ist verzweifelt. Einer der besten Fonds 2007 ist von Meinl. Sie sehen: Es ist nicht alles Dreck.

STANDARD: Was erwarten Sie von den gerichtlichen Vorerhebungen gegen Meinl und der Vor-Ort-Prüfung der Aufsicht?

Jakobljevich: Ich hoffe, dass die Bank wieder dorthin kommt, wo sie einst war. Und zu Meinl European Land: Die Aufsicht ist besonders streng, wegen der Ohrfeigen, die sie wegen der Bawag bekommen hat. An mir als Bank-Aufsichtsratschef ist das alles vorbeigegangen. Wobei das alles nicht passiert wäre, hätten sich MEL-Board und Julius Meinl nicht ungeschicktest verhalten. Ich hätte mich hingestellt und erklärt, warum man Zertifikate zurückgekauft hat, wem die Partly Paid Shares gehören, dass man falsch entschieden hat, aber in gutem Glauben. Ich glaube nicht, dass da eine Gaunerei dabei war, mir tut leid, dass der Name Meinl kaputtging.

STANDARD: Und dass der österreichische Kapitalmarkt leidet?

Jakobljevich: Die internationalen Märkte kümmert das nicht, und Hetze gegen Julius Meinl ist auch dabei. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1.2008)

Zur Person
Walter Jakobljevich (82) war Aufsichtsratschef der Meinl Bank AG, ist bis Ende März einfaches Mitglied.
  • Walter Jakobljevich
    foto: standard

    Walter Jakobljevich

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