Time Warp mit dem Alien

14. Jänner 2008, 12:38
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Die Anzeigetafeln der Straßenbahn geben manchmal Rätsel auf

Die Anteilnahme und der öffentliche Zuspruch haben der Uhr im Wiener "Jonasreindl" sichtlich gutgetan: Kaum wurde in der "frei-Stadt"-Kolumne der Vorwoche über den Monate andauernden Dauerstreik des Chronometers in der Straßenbahnstation Schottentor berichtet – konnte dieser auch schon beendet werden. Die Uhr ist sichtlich wieder guter Dinge, tickt, frisch geputzt und offensichtlich wieder positiv eingestellt, der Zukunft entgegen.

Was allerdings nicht heißt, dass sich die benachbarten "Bim"-Anzeigen nun disziplinierter verhalten würden – ganz im Gegenteil. War es unsere Vermutung, dass die Uhr angesichts der abweichlerischen Tendenzen der Bim-Anzeigen verzweifelte, so können ihr diese inzwischen schon wieder egal sein. Denn das ist noch gar nichts gegen die jüngsten Zeitsprünge des digitalen Bim-Orakels.

Das Phänomen war uns das erste Mal Anfang Dezember aufgefallen, bei der Station der Linien 1, 2 und D. Da stand man guten Mutes am Schottentor und erwartete den nächsten "D"-Wagen gemäß der Anzeige in drei Minuten. Doch mit einem Mal begann auf der Anzeigetafel ein Symbol wild zu blinken – etwas, das damals noch ungefähr so aussah: ý. Und die Zeitanzeige hüpfte, synchron blinkend, auf "35".

Besorgtes Rätselraten war die Folge. Was in aller Welt könnte eine Straßenbahn, die nur noch drei Minuten entfernt war, mehr als eine halbe Stunde lang aufhalten? Ein Stromausfall? Ein Unfall? Ein Erdbeben?

Plötzlich war dieser Zeitsprung wieder vorbei. Kein Blinken, kein Symbol – und der nächste "D"-Wagen sollte in zwei Minuten kommen. Doch plötzlich wieder: Das blinkende "ý" und "34". Fehlte nur noch der aus der Rocky Horror Show dazu passende Song: "Let’s do the time warp again!"

Aliens reiten auf Diamanten

Das war kein singuläres Ereignis – und dank ausgefeilter Programmierkunst konnte das Symbol inzwischen deutlich verbessert werden. Anstelle des "ý" blinkt zum "Time Warp" nun ein auf einem Diamanten reitendes Alien. So glaubte man. Bis einer der grübelnden Wartenden plötzlich erkannte: "Des is a Rollstuhl!" Und mit unvergleichlich feinfühligem Wiener Humor setzte der Pensionist gleich nach: "Des heißt, der näxte Krüppel kummt in aner halben Stund?" Tatsächlich wird aber die nächste behindertenfreundliche Niederflur-Bim angezeigt. Und die Botschaft ist klar: "Du wartest auf einen Ulf? Vergiss es!" (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 5./6. Jänner 2008)

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    foto: der standard/ regine hendrich

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