Winzer zwischen Exporterfolg und Etiketten-Verwirrung

6. Februar 2008, 12:06
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Im Export läuft es derzeit für die heimischen Winzer recht gut, Österreichs Weine reüssieren zunehmend auf kaufkräftigen Märkten

Der Weinwirtschaft steht heuer aber auch die Umsetzung der neuen EU-Weinmarktordnung bevor - Verwirrungen sind programmiert.

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Wien - Einerseits geht es den heimischen Weinbauern ganz gut: Der Exportwert österreichischen Weins erreichte im Vorjahr mit 93 Millionen Euro einen Rekordstand. Grüner Veltliner, Riesling und andere Weiße sind in der heimischen Gastronomie, der stärksten Absatzschiene im Inland, gefragt wie nie zuvor - Umsatzanteil: 84 Prozent. Im Lebensmittelhandel hält österreichischer Weißwein bei 77 Prozent. Die Roten verloren marktanteilsmäßig leicht an Terrain, mengenmäßig wurde dennoch mehr Zweigelt, Blaufränkisch und Co abgesetzt.

Die österreichische Weinmarketinggesellschaft hat auch einiges vor. Willi Klinger, seit einem Jahr Chef der ÖWM, will den Durchschnittspreis von 1,83 Euro pro Liter im Export mittelfristig auf zwei Euro steigern. Vor allem durch verstärkte Exporte in Länder wie Schweiz, USA oder Niederlande soll dies gelingen, kaufkräftige Märkte, die auch derzeit für die Exportsteigerungen verantwortlich sind. Denn dort funktioniere die Preisstrategie der österreichischen Weinwirtschaft.

Veränderungen

Andererseits kommen auf die Weinbauern durch die neue EU-Weinmarktordnung auch Veränderungen zu. Um den EU-weiten Wein-Überschuss zurückzufahren sollen 175.000 Hektar Rebflächen in der Union gerodet werden. Bisher wurde der Überschuss mit Destillation in Industriealkohol bekämpft (praktiziert vor allem in Spanien, Portugal, Italien, in Österreich nicht notwendig) und mit Prämien gefördert, die nach einer Übergangsfrist von vier Jahren auslaufen werden. Die frei werdenden Fördergelder (500 Mio. Euro) fließen in Marketing und Qualitätsverbesserung und werden adäquat aufgeteilt. Österreich steigert seinen Anteil von derzeit sieben Mio. Euro pro Jahr, auf 13,5 im Jahr 2015. Über die Verwendung der Mittel wird Landwirtschaftsminister Josef Pröll mit den Vertretern der Weinwirtschaft verhandeln.

Die geplante Rodungsregelung gilt für drei Jahre. Für Weinbauern, die aufhören möchten, weil sie etwa im Pensionsalter sind und keine Nachfolger haben, besteht also die Möglichkeit, Rebflächen stillzulegen und dafür Prämien zu kassieren.

Um zu verhindern, dass wertvolle Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden, dürfen die Nationen Sperrflächen festlegen, die nicht gerodet werden dürfen, die aber auch einen gewissen Prozentsatz der Gesamtrebfläche nicht übersteigen. Man könne also nicht 100 Prozent der Rebflächen eines Landes sperren, so Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes. Kandidaten fürs Sperren wären etwa die Wachau oder Terrassenlagen wie jene bei der Ruine Senftenberg im Kremstal, die aufwändig in der Erhaltung, aber weinbautechnisch wertvoll sind. Die EU kann keine Rodungen verordnen, sie steuert aber mit finanziellen Unterstützungen.

Neue Etikettierungsregeln

Weniger erfreulich ist für die Winzer die Änderung der Etikettierungsvorschriften, da die klare Trennung zwischen einfachem Tafelwein und hochwertigem Qualitätswein für Konsumenten schwieriger zu verstehen ist, so Branchenvertreter. Die Idee ist, die neuen Begriffe wie "Weine ohne Herkunft" oder "Weine mit Herkunft" an bestehende und "gelernte" Begriffe anzupassen (Tafelwein Landwein, Qualitätswein).

Wie die Umsetzung im Detail aussieht, wird in den nächsten Monaten verhandelt und hängt vor allem an der Interpretation des Grundtextes. (Luzia Schrampf, Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.1.2008)

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