"Ratlosigkeit unter Republikanern"

28. Jänner 2008, 15:47
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Der deutsche Politologe Peter Rudolf sieht einen "Zweikampf" zwischen Clinton und Obama - Bei den Republikanern könnte die Präsidentschaftskandidatur bis Sommer ungeklärt bleiben

Standard: Ein Schwarzer hat in einem blütenweißen Bundesstaat einen Caucus gewonnen, eine Sensation?

Rudolf: Sowohl ein Schwarzer als auch eine Frau sind wählbar. Gerade unter jüngeren Wählern hat Barack Obama mehr Zuspruch erfahren als unter älteren. Er hat seine Botschaft, für den Wandel einzutreten, offenbar sehr glaubhaft rübergebracht.

Standard: Der Wunsch nach Veränderung als Botschaft, trägt das im ganzen Land?

Rudolf: Im Süden zum Beispiel haben die Demokraten keine Chance, ihr Wahlkampf stützt sich eher auf die Staaten des Mittleren Westens, des Westens und des Nordostens. Dort zu gewinnen würde ja auch ausreichen. Obamas Botschaft greift wohl auch über Iowa hinaus. Dann ist es ja auch noch eine Frage des Geldes, eine solche Botschaft hin_überzu bringen. Beide verfügen über genügend Mittel. Ich denke, es wird auf einen ernsthaften Zweikampf hinauslaufen. Allerdings: Ganz sollte man John Edwards noch nicht abschreiben, mit seiner populistischen Botschaft könnte er noch eine Weile mitmischen.

Standard: Hillary Clinton ist in den nationalen Umfragen eigentlich immer noch deutlich die Frontrunnerin. Ist sie das nach Iowa immer noch?

Rudolf: Schwer zu sagen. Generell gilt, dass Iowa den Siegern dort Auftrieb gibt. Aber Iowa ist ein kleiner Staat, dort wird über ein Prozent der Delegierten entschieden.

Standard: Die Riege der republikanischen Präsidentschaftswerber sieht ziemlich matt aus, auch nach dem Sieg Mike Huckabees.

Rudolf: Unter den Republikanern herrscht große Ratlosigkeit. Die einzelnen Kandidaten repräsentieren unterschiedliche Flügel. Huckabee steht für die Evangelikalen, John McCain für jene, die für eine stärkere Außenpolitik eintreten. Ich glaube nicht, dass Huckabee bei einer näheren Beleuchtung durch die Presse allzu gut wegkommen wird.

Standard: Wann stehen die beiden Kontrahenten für die Wahl im November denn endgültig fest?

Rudolf: Wahrscheinlich schon nach dem Super Tuesday. Aber nicht auszuschließen ist, dass bei den Republikanern die Sache weitergehen kann, durchaus auch bis zur National Convention im Sommer. (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2008)

Zur Person: Peter Rudolf (49) leitet die Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.
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    foto: privat
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