Die Rückkehr eines Rastlosen

6. Jänner 2008, 18:56
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Tenor Rolando Villazón meldet sich zurück: Gott sei Dank, der Tenor probt wieder an der Staatsoper

Wien – All jene Tenöre, die zurzeit in Wien herumsitzen mögen, können am Samstagabend beruhigt zum Westbahnhof eine Pizza holen gehen oder sonst was unternehmen. Sie müssen – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – jedenfalls nicht fürchten, von einem verzweifelten Operndirektor Ioan Holender angerufen zu werden wie unlängst Oskar Hillebrandt in einer Pause der Walküren-Premiere.

Denn, ja, er wird singen, Rolando Villazón ist wieder da. Wie aktuelle Fotos belegen, probte er in den vergangenen Tagen an der Wiener Staatsoper für Werther. Und das einzige, was aus der Staatsoper dringt, sind ruhige Stimmen, die einem versichern, es würde alles ganz normal und problemlos ablaufen.

Wie gut Villazón tatsächlich bei Stimme ist, ob die monatelange Pause zu einer vollständigen Erholung seiner Möglichkeiten geführt hat, wird man hören. Der Druck auf ihn ist jedenfalls groß – und nicht nur, da das Publikum endlich eine andere als eine Absagearie seitens des Tenors hören möchte.

Es geht vielmehr ums Geschäft: Vor etwa zwei Jahren wechselte der Mexikaner von der EMI zu Universal und wurde dort imagemäßig an Sopranistin Anna Netrebko angekoppelt und zum Teil eines vermeintlichen Traumpaares der Oper. Da sind noch eine Menge CDs ausständig, auch Open-Air-Konzerte – also Lukratives, von dem sich auch CD-Firmen, Agenturen und Veranstalter Einkommen erhoffen. Schwächephasen werden da eher als geschäftsstörend empfunden ...

Villazón, der einen sehr aufwändigen Gesangsstil pflegt und sich gerne auch schauspielerisch verausgabt (eine seiner Qualitäten), hat sich dennoch vorgenommen, leiser zu treten und zugegeben, wohl etwas übertrieben zu haben. Für 2008 sind gerade an die 40 Auftritte geplant, ziemlich viele in Österreich: Nach Werther singt er an der Staatsoper noch in Manon (18., 21., 25.1.), vor dem EM-Finale kommt das Konzert mit Netrebko und Placido Domingo (27.6). Und schließlich Salzburg – wo er (ab 2.8.) Annas Romeo sein wird. Wenn die Stimme hält. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.01.2008)

  • Gott sei Dank, der Tenor probt wider: Rolando Villazón dieser Tage an der Staatsoper.
    foto: zeininger

    Gott sei Dank, der Tenor probt wider: Rolando Villazón dieser Tage an der Staatsoper.

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