Von Steifheit kann keine Rede sein

11. Jänner 2008, 13:54
posten

Patrick Leigh Fermors "Drei Briefe aus den Anden"

Eine Mischung aus Indiana Jones, James Bond und Graham Greene: So nannte die BBC den 1915 geborenen Patrick Leigh Fermor anlässlich des Ritterschlags durch die englische Königin im Februar 2004. Ein wagemutiger Held während des Zweiten Weltkriegs – er kommandierte auf Kreta einen Partisanentrupp und entführte 1944 den deutschen Wehrmachts-general Karl Kreipe –, gilt Leigh Fermor, der abwechselnd in Griechenland und Südengland lebt, schon zu Lebzeiten als literarischer Klassiker, als einer der großen englischsprachigen Reisenden und Reisebuchautoren des 20. Jahrhunderts. Nach und nach legt der kleine Dörlemann Verlag dessen an Zahl überschaubare Prosaarbeiten vor, nun seinen Bericht einer Exkursion in die peruanischen Anden.

1971 machte er sich als nur mittelmäßiger Bergsteiger mit fünf Freunden nach Südamerika auf. Sechs Wochen lang durchwanderten sie das Gebiet rings um den Machu Picchu und die Stadt Cuzco, fuhren nach Süden an den Titicacasee und flogen dann wieder von Lima aus zurück nach England. Wie so häufig bei Patrick Leigh Fermor verstrichen viele Jahre, bis seine Aufzeichnungen, Impressionen und Geschichten, montiert als drei vor Ort für seine Frau verfasste tagebuchähnliche Briefe, in Buchform erschienen. Wenn auch verglichen mit Zeit der Gaben und Zwischen Wäldern und Wasser, seinem faszinierenden Bericht einer Wanderung von Holland nach Istanbul in den Dreißigerjahren, ein Nebenwerk, so funkelt doch auch hier seine klare, beschwingte Sprache. Von Steifheit kann keine Rede sein, dafür ist er viel zu selbstironisch, zu lebenslustig und ein zu genauer Beobachter. (Alexander Kluy, ALBUM DER STANDARD/Printausgabe, 05./06.01.2008)

Patrick Leigh Fermor, "Drei Briefe aus den Anden". Deutsch von Manfred Allié. € 19,50/160 Seiten. Dörlemann, Zürich 2007.
  • Artikelbild
    cover: dörlemann
Share if you care.