Managergagen: "Limitierung geht beim Ölpreis ja auch nicht"

4. Jänner 2008, 17:04
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Warum sich die Gagen nicht deckeln lassen und was vernünftige Kriterien für die Bonuszahlungen sind, erklärt Erich Becker, einst Aufsichtsrat von OMV bis Siemens

STANDARD: Über die aktuelle Gehaltsspreizung von 41 in den ATX-Unternehmen laufen heiße Diskussionen. Fänden Sie es verträglicher, wenn die Führungsriege "nur" 35-mal mehr verdienen würde als der Durchschnitt der Arbeitnehmer?

Becker: Diese Zahlen bringen uns nicht weiter, da bin ich schnell bei Straßenbahnlinien – 38 oder 42 – da geht es um den Marktwert von den Managern, die man haben will. Obwohl: Es gibt natürlich schon Leute, die verdienen sehr viel und haben keinen Marktwert. Gerade in staatsnahen Unternehmen muss man schon nach den Kriterien für Karrieren fragen.

STANDARD: Und die Aufsichtsräte müssen nach den Kriterien für die Bonifikationen gefragt werden, oder?

Becker: Ja, natürlich. Belohnungen für Marktanteilsverluste – das geht nicht, da läuft dann etwas falsch.

STANDARD: Denken Sie konkret an den ORF und die Folgen der gescheiterten Programmreform?

Becker: Ich kenne die Zielvereinbarungen von Herrn Wrabetz nicht. Worum es mir geht, ist: Erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile müssen messbar sein. Nicht wischiwaschi. Dazu gehören klare Zielvorgaben und quantifizierbare, objektive Kriterien. Der Aufsichtsrat muss nachschauen können, im besten Fall läuft eine solche Überprüfung mit dem testierten Jahresbericht in der Hand, da steht ja alles drinnen, vom Verschuldungskoeffizienten bis zur Gewinnsteigerung.

STANDARD: Arbeiten da die heimischen Aufsichtsräte nicht sauber genug, oder weiß nur der Präsident, wofür die Vorstände was bekommen?

Becker: Nicht alle arbeiten sauber genug. Eine besondere Unsitte ist, Zielvereinbarungen erst im August zu unterschreiben, wenn man schon weiß, wie das Jahr läuft. Die gehören selbstverständlich per 1. 1. festgeschrieben.

STANDARD: Strategische Zielvorgaben sind aber schwer quantifizierbar ...

Becker: Ja, das ist auch eine Unsitte, die es immer schon gab. Nicht messbare Ziele beim Bonus sind ein Grenzschaden. Das Warum muss klar beantwortet werden. Das Ziel des Wirtschaftens ist ja auch klar nicht der Verlust, sondern der Gewinn. Ausgenommen Gemeinnützige und Versorger – aber auch immer weniger.

STANDARD: Sollten Managergagen gedeckelt oder in einer anderen Form limitiert werden?

Becker: Nein, das geht ja auch beim Ölpreis nicht, da geht es ja auch um Angebot und Nachfrage. Außerdem kommen dann die Umgehungen bis hin zum firmenfinanzierten Urlaubssitz. Was ich absolut ablehne, sind die goldenen Fallschirme für geschasste Manager – was kriegen die? Schweigegeld?

STANDARD: Wenn Sie für Klarheit bei den Bonuskriterien sind, dann wohl auch für die verpflichtende Offenlegung der Gagen und ihrer Bestandteile?

Becker: Ich bin gegen gesetzliche Regelungen. Je mehr Unternehmen das laut Governance-Kodex freiwillig tun, desto mehr steigt ja sowieso der Druck auf die, die es nicht tun – und der Verdacht. Übrigens habe ich in den Hauptversammlungen noch nie Gemaule über die Vorstandsbezüge gehört. Das lese ich immer nur in den Medien, das höre ich immer nur im Fernsehen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.1.2008)

  • Zur Person
Erich Becker (66) hatte als ÖIAG-Vorstand Aufsichtsmandate in fast allen Unternehmen der Ex-Verstaatlichten, war VA-Tech-Vorstandschef und arbeitet jetzt in Aufsichtsgremien wie etwa dem Verein Neustart.
    foto: regine hendrich

    Zur Person

    Erich Becker (66) hatte als ÖIAG-Vorstand Aufsichtsmandate in fast allen Unternehmen der Ex-Verstaatlichten, war VA-Tech-Vorstandschef und arbeitet jetzt in Aufsichtsgremien wie etwa dem Verein Neustart.

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