"Erschreckend" viele Fußgänger-Unfälle

22. Jänner 2008, 22:36
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Die jüngste Unfallsbilanz weist für die Fußgänger ein zunehmendes Risiko im Straßenverkehr aus - mit Grafik

Fußgänger oder Autofahrer? Wer hat auf der Straße das Sagen? Die Wiener Polizei warnt vor einem ungleichen Kampf um die Vorherrschaft.

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Wien – Peter K. war einer der Letzten , die im Jahr 2007 in die Wiener Verkehrsunfallbilanz aufgenommen wurde. Dabei hatte der 45-jährige Arbeiter noch Glück im Unglück, als er am Silvestertag vier Stunden vor Mitternacht auf dem Zebrastreifen über die Billrothstraße in Wien-Döbling von einem abbiegenden Auto erfasst wurde. Seine Verletzungen sind schwer, aber er hat überlebt. Laut Statistik erlitten im Vorjahr 266 weitere Fußgänger in Wien dasselbe Schicksal. 18 Fußgänger kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Dieser Bilanz verlieh die Wiener Polizei am Donnerstag das Attribut "erschreckend" und warnte vor einem "Kampf um die Vormacht zwischen Pkws und Fußgängern".

Die Gesamtzahl von tödlichen Verkehrsunfällen in Wien ist mit 35 im Vergleich zu 2006 (33 Tote) nur leicht gestiegen. Doch angesichts des österreichweiten Rückgangs auf erstmals weniger als 700 Opfer ist das Wiener Ergebnis ein Trauerspiel. Auch in Oberösterreich, in der Steiermark und im Burgenland gab es dem landesweiten Trend entgegengesetzte Entwicklungen. Insgesamt waren im Vorjahr 15 Prozent aller Verkehrstoten Fußgänger. Vor zwei Jahren lag der Anteil bei 12 Prozent.

Nicht altersgerecht

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) macht darauf aufmerksam, dass die Hälfte der tödlich Verunglückten älter als 64 Jahre waren, und fordert mehr Gehwege und niedrigeres Tempo im Ortsgebiet.

"Unser Verkehrssystem ist nicht altersgerecht. Es fehlen Maßnahmen für Menschen, die langsamer reagieren und schlechter sehen", meint Martin Blum vom VCÖ und weist auf die demografische Entwicklung hin: "Derzeit sind 1,38 Millionen Österreicher älter als 64 Jahre, im Jahr 2030 werden es 2,1 Millionen sein."

Die Wiener Polizei wendet sich gleich appellierend mit Selbstschutztipps an die schwächsten Verkehrsteilnehmer: "Bitte bedenken Sie, dass speziell in den Wintermonaten an Schlechtwettertagen oder in den Abend- oder Nachtstunden nicht nur Sie schlechte Sicht haben, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer. Tragen Sie daher helle Kleidung oder Oberbekleidung mit reflektierenden Streifen."

Schon sehr langsam fahrende Autos (20 km/h) stellen ein tödliches Risiko für Fußgänger dar. Bei 50 Stundenkilometern haben Fußgänger im Fall einer Kollision nur mehr eine 50-prozentige Überlebenschance. Ab 70 km/h endet fast jeder Unfall für Fußgänger tödlich.

Im Gegensatz zum ständig besser werdenden Innenraumschutz in Autos forcieren nur wenige Hersteller die Außensicherheit für den Fall von Zusammenstößen mit Fußgängern, kritisiert der VCÖ. Vor allem das Frontgestänge vieler Geländewagen, auch "Kuhfänger" genannt, stelle ein tödliches Risiko dar und gehöre verboten. Die mit Abstand besten Testergebnisse beim Fußgängerschutz erzielt der Citroën C6. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Jänner 2008)

  • Soll ich es wagen? Besser nicht. Fußgänger riskieren in derartigen Situationen oft ihr Leben. Schon ein Zusammenstoß mit einem nur 20 km/h fahrenden Auto kann tödlich sein. Ab 70 Stundenkilometern haben Fußgänger praktisch keine Überlebenschance mehr.
    foto: standard/christian fischer

    Soll ich es wagen? Besser nicht. Fußgänger riskieren in derartigen Situationen oft ihr Leben. Schon ein Zusammenstoß mit einem nur 20 km/h fahrenden Auto kann tödlich sein. Ab 70 Stundenkilometern haben Fußgänger praktisch keine Überlebenschance mehr.

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