Dreimal Top Ten für Emil Nolde

10. Jänner 2008, 15:25
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Auktionshäuser in Deutschland 2007: Egal an welchem Standort – Klassische Moderne brachte herausragende Ergebnisse, vor allem deutscher Expressionismus

Mit Nadja, dem 1919 entstandenen Ölgemälde von Emil Nolde, konnte Ketterer Kunst (München) schon im Juni den deutschen Jahresrekord aufstellen. Durch ihre wechselvolle Geschichte war Nadja dem Kunstmarkt lange entzogen gewesen und kam "marktfrisch" in den Handel. Für 2,15 Millionen Euro ging sie vom Block, mit Aufgeld war sie dem niederrheinischen Käufer 2,5 Millionen wert.

Ketterer führt mit diesem Ergebnis 2007 die Top Ten des Landes an, mit seinem Jahresgesamterlös von 26 Millionen Euro – das entspricht im Vergleich zu 2006 einer Zuwachsrate von mehr als 30 Prozent – liegt man allerdings deutlich hinter dem deutschen Marktführer: Das Kunsthaus Lempertz (Köln) bilanzierte mit 52 Millionen Euro. Die besten Einzelzuschläge verbuchte man mit Klassischer Moderne, Nachkriegskunst und einer chinesischen Vase mit Lotusdekor (1723–1735) bei 810.000 Euro, dem derzeit besten Hammerpreis für ein asiatisches Kunstwerk auf dem deutschsprachigen Markt.

Auktionator Henrik Hanstein sieht 2007 nicht nur für sein Unternehmen, sondern ebenso für seine Kollegen als "vorzügliches Jahr, mit starkem Trend zur modernen und zeitgenössischen Kunst, die wegen der internationalen Bieterschaft" entsprechend gut läuft. Der Umsatz für die Alten Meister käme insgesamt bei weitem nicht an den der Moderne heran. Ein professioneller Kunde sorgte im Frühjahr für das beste Ergebnis des Hauses, indem er für Giacomettis Gipsmodell Projet pour une place (1946) bei 1,3 Millionen Euro den Zuschlag erhielt. Das zweitbeste Resultat erzielte Drei Reiter mit Lasso von Heinrich Campendonck, für das ein deutscher Sammler 1,15 Millionen Euro bewilligte.

Altmeistergeld

Dass mit Alten Meistern und Malerei des 19. Jahrhunderts dennoch Geld verdient werden kann, bewiesen andere. "Mehr als zufrieden" mit den Zuwächsen für 2007 (Umsatz 20 Mio Euro), stellte van Ham in Köln den Weltrekord für ein Gemälde von Friedrich Nerly auf, dessen Blick über das Bacino di San Marco in Venedig 440.000 Euro netto erzielte. Gute Ergebnisse für Alte Meister gab es außerdem bei Hampel Kunstauktionen (München).

Eine Sammlung mit Malerei des flämischen und niederländischen Barock, darunter einige Gemälde von Jan Breughel d. Ä. und Jan Breughel d. J., brachte in dichter Folge Zuschläge im sechsstelligen Euro-Bereich. Die besten Ergebnisse galten hier jedoch der russischen Kunst. Bei Neumeister (München) entlockte das Spitzweg-Gemälde Der verliebte Provisor ein Gebot von 460.000 Euro. Zum begehrtesten Los der Saison wurde dort Bridget Rileys Gemälde Byzantium (1969), das man für 1,32 Millionen Euro an einen griechischen Sammler abgab – ein wichtiges Einzelergebnis bei einem Jahresumsatz von etwa 20 Millionen. Knapp unter dem Jahresumsatz des Marktführers lag Villa Grisebach (Berlin) mit 50 Millionen, die innerhalb der Top Ten gleich viermal vor Lempertz das Siegertreppchen bestieg. Hier sorgte der deutsche Expressionismus für Erfolge: August Mackes Frau mit Papagei in einer Landschaft ging für zwei Millionen netto in den deutschen Kunsthandel. Ihr folgten Ernst Ludwig Kirchners Landschaft am Ufer, ebenfalls bei zwei Millionen, und zwei Gemälde von Emil Nolde, bei Zuschlägen, die Nolde dann drei der zehn besten Jahresergebnisse auf deutschem Terrain einbrachten.

In Hamburg arbeitete Hauswedell & Nolte nicht weniger erfolgreich. Hier verhalf schon im Frühjahr Jawlenskys doppelseitig bemalter Frauenkopf mit roter Wange mit 1,65 Millionen Euro zum besten Resultat des Jahres. Insgesamt 17 Millionen Euro setzte das hanseatische Haus im 80. Jahr seines Bestehens um, was einen Zuwachs gegenüber 2006 von über 60 Prozent bedeutet. (Bettina Krogemann / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.1.2008)

  • Das zweitbeste Resultat bei Lempertz erzielte Heinrich Campendoncks Gemälde "Drei Reiter mit Lasso" (Ausschnitt), für das ein deutscher Sammler 1,5 Millionen Euro bewilligte.
    foto: lempertz

    Das zweitbeste Resultat bei Lempertz erzielte Heinrich Campendoncks Gemälde "Drei Reiter mit Lasso" (Ausschnitt), für das ein deutscher Sammler 1,5 Millionen Euro bewilligte.

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