Clintons in ein Eck, Edwards-Leute ins andere

8. Jänner 2008, 14:38
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Ein Auslandsösterreicher nimmt am Caucus der Demokraten in Iowa teil

Iowa City/Wien - "Um Punkt 18.30 Uhr geht es los. Wer dann nicht anwesend ist, ist nicht stimmberechtigt", erklärt Johannes Ledolter. Der gebürtige Steirer ist österreichisch-amerikanischer Doppelstaatsbürger, lehrt Statistik an der University of Iowa und nimmt heute, Donnerstag, am Caucus der Demokraten in Iowa teil.

"Unser Sprengel versammelt sich in einem Auditorium der Universität", beschreibt Ledolter den Ablauf der Urwahl, bei der die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur der Partei vergeben wird. Zuerst werde bestimmt, welcher der Kandidaten auf mehr als 15 Prozent Zustimmung komme, also "viable" (politisch überlebensfähig) sei. "Die Leute teilen sich nach Präferenzen: Die Clintons gehen einfach in ein Eck, die Edwards-Leute in ein anderes."

Da es in diesem Jahr mit Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards in Iowa drei Frontrunner gebe, die jeweils auf 25 bis 30 Prozent Zustimmung kämen, seien danach noch jene rund 20 Prozent der Stimmen von im ersten Durchgang durchgefallenen Kandidaten zu verteilen, sagt der Statistikprofessor.

Da gebe es Kuhhändel, Debatten über die Eigenschaften der Kandidaten und mehr oder weniger gelungene Versuche, die Leute ins jeweils eigene Lager zu ziehen, so Ledolter. Aber alles in allem laufe so ein Caucus sehr routiniert und ruhig ab. Spätestens um 20 Uhr Ortszeit (Mitteleuropäische Zeit minus sieben Stunden) stehe fest, für wen die Wahlmänner bei den Bezirks- und Bundesstaatsparteitagen stimmen würden. Beschlossen würden diesmal nebenbei auch noch Resolutionen über den Abzug aus dem Irak oder die Reform des Gesundheitssystems.

Ledolter selbst, der in den 1970er-Jahren als Fulbright-Stipendiat in die Staaten gekommen ist, tritt für Barack Obama ein: "Hillary Clinton und auch John Edwards haben gute, vernünftige Programme und werden vieles davon - in kleinen Schritten - auch umsetzen können. Mit Obama allerdings gäbe es so etwas wie einen frischen Wind, der würde das System in Washington wirklich auflockern." (Christoph Prantner/DER STANDARD, Printausgabe, 3.1.2008)

  • Johannes Ledolter
lehrt Statistik in
Iowa.
    foto: privat

    Johannes Ledolter lehrt Statistik in Iowa.

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