TW Hydrae b ist der jüngste jemals entdeckte Planet

14. Jänner 2008, 13:38
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Gasriese von zehnfacher Jupitermasse kann für seine Entstehung nicht länger als acht bis zehn Millionen Jahre gebraucht haben

Heidelberg/London - Er hat eine ordentliche Masse - nämlich in etwa die zehnfache des Jupiter - angesammelt, und das in erstaunlich kurzer Zeit: TW Hydrae b ist laut Heidelberger Wissenschaftern der jüngste jemals entdeckte Planet. Sein Mutterstern, der etwa 180 Lichtjahre entfernte im Sternbild Wasserschlange gelegene Stern TW Hydrae, ist nämlich nicht älter als etwa acht bis zehn Millionen Jahre - in etwa ein Fünfhundertstel des Alters unserer Sonne. (Zum Vergleich: Als TW Hydrae entstand, trennten sich auf der Erde gerade die Vorfahren der Gorillas von den gemeinsamen Ahnen der Schimpansen und Menschen.)

"Seinen Mutterstern umgibt noch jene Gas- und Staubscheibe, aus der er kürzlich geboren wurde", teilte das Max-Planck-Institut für Astronomie mit. TW Hydrae b liefert damit einen wichtigen Hinweis darauf, wie schnell Planetenentstehung ablaufen kann - und bestätigt auch astronomische Theorien, die zwar seit langem gängig sind, im Detail aber noch Lücken aufweisen: "Damit ist uns erstmals der direkte Beweis gelungen, dass in einer zirkumstellaren Scheibe tatsächlich Planeten entstehen", fasste der Direktor der Abteilung Planeten- und Sternentstehung in Heidelberg, Thomas Henning, die Bedeutung der im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 451, S. 38) veröffentlichten Entdeckung zusammen.

Schneller Riese

Der planetare Riese umkreist er seinen Mutterstern am inneren Rand von dessen zirkumstellarer Scheibe in nur 3,56 Tagen in einem Abstand von etwa sechs Millionen Kilometern - zum Vergleich: Die Erde ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Jupiter schon 780 Millionen Kilometer.

Trotz solch imposanter Größen sind Astronomen bei der Erforschung extrasolarer Planeten in der Regel auf indirekte Nachweise anstelle direkter Sichtungen angewiesen: "Da Planeten nahe bei einem hellen Stern wie Glühwürmchen neben einem Flutlichtstrahler erscheinen, lassen sie sich meist (noch) nicht direkt beobachten", heißt es in der Mitteilung des Instituts. Astronomen können es sich aber zunutze machen, dass große Planeten durch ihre Schwerkraft an ihrem Stern zerren, während sie ihn umkreisen - was einen messbaren "Wackeleffekt" bewirkt. (APA/red)

  • Computergenerierte Impression: TW Hydrae beleuchtet eine Hemisphäre seines großen Planeten b - jenseits von dessen Bahn befindet sich noch eine zirkumstellare Scheibe.
    illustration: johny setiawan

    Computergenerierte Impression: TW Hydrae beleuchtet eine Hemisphäre seines großen Planeten b - jenseits von dessen Bahn befindet sich noch eine zirkumstellare Scheibe.

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